Schafe sind pflegeleicht und ermöglichen die Aufwertung von Flächen, die maschinell kaum zu bewirtschaften sind. Die Herausforderungen einer nachhaltigen Weidewirtschaft sind nicht zu unterschätzen, werden vom Biohof Kleinegg jedoch mit Stolz gemeistert.

Internationales Jahr der Weiden und Hirten
Kleinegg (BE) im Emmental: nur 20 Kilometer von Bern entfernt, aber mehr als anderthalb Stunden Fussmarsch von der nächsten Bushaltestelle! Die Anfahrt zum Hof führt über steile Haarnadelkurven und schmale Strassen, bevor wir linkerhand die Weiden von Grossegg und rechts die von Kleinegg erreichen. Hier findet das von der Kleinbauern-Vereinigung im Rahmen des Internationalen Jahres der Weiden und Hirten organisierte Austauschtreffen statt.
Nutztiervielfalt, Obstbäume und artenreiche Weidefläche
Der Biohof Kleinegg beherbergt zahlreiche Obstbäume und artenreiche Weideflächen. Schafe, Hühner, Schweine und eine Damhirschherde leben hier im Freien. Mit seinen 14 Hektaren ist der Biohof Kleinegg futterautark und verfügt über eine eigene Quelle, die Fischzuchtbecken speist. Geräucherte Forellen ergänzen das Fleisch, das Obst und die verarbeiteten Hofprodukte. «Tierwohl und Naturschutz gehen bedingungslos vor – denn ohne Natur und Tierwelt ist keine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung möglich. Der Erhalt seltener Arten, seien es Wildtiere, Nutztiere oder Kulturpflanzen, liegt uns besonders am Herzen», erzählen Bea und David Gerke, die dieses Land gekauft haben und es seit 2021 bewirtschaften.

Schafe für die Offenhaltung von Weiden
Die Schafbranche in der Schweiz ist fragil: Wolle, ein nachwachsender Rohstoff für Textilien, Dämmung oder natürlicher Dünger, wird kaum geschätzt; Schafmilch bleibt ein Nischenprodukt und wird vor allem zu Käse verarbeitet; und Fleisch steht unter starkem Konkurrenzdruck durch Importe, u.a. aus Neuseeland. Doch auf Kleinegg erfüllt die Schafhaltung eine andere wichtige Aufgabe: die Landschaftspflege. Die Herde beweidet die Hänge im Rotationssystem, vermeidet so Übernutzung und fördert die botanische Vielfalt sowie die Regeneration des Bodens. Zwei alte Rassen wurden dafür ausgewählt: Die Bergrasse der Spiegelschafe eignet sich gut für die Mast. Die Skudden produzieren weniger Fleisch, sind aber besonders geeignet für extensive Haltungsbedingungen und die Offenhaltung von Weiden.
Schutz vor Grossraubtieren durch Hunde
Zwar mangelt es nicht an Weideflächen, doch die Wege dorthin sowie der Zugang zu den Weiden aufgrund von Siedlungen und Strassen sind komplex. Grossraubtiere stellen eine weitere Herausforderung dar. Drei Herdenschutzhunde, im Schafstall geboren, leben ständig bei der Herde und wachen über die Tiere. Grossraubtiere verschrecken und vertreiben sie durch Bellen. Auch wenn sie nur ihre Arbeit tun: Das Bellen, wie auch ihre imposante Grösse können von der Bevölkerung negativ aufgenommen werden. Dies erfordert zusätzliche Massnahmen wie dichte Hecken oder Zäune, um den Hunden die Sicht zu versperren, sowie eine klare, gesetzlich festgelegte Signalisation, die auf ihre Anwesenheit und den Herdenschutz hinweist.
Hinter den Herausforderungen des Alltags steht eine tiefe Überzeugung, die das Paar antreibt: «Die Beziehung zwischen Mensch und Tier nimmt in der Geschichte der Menschheit einen zentralen Platz ein. Der Mensch hat Tiere schon immer zur Ernährung genutzt, aber seit 15’000 Jahren züchtet er sie auch. Wir finden Tiere in all ihren Formen faszinierend, und ein Leben ohne sie wäre unvorstellbar.»
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Dieser Artikel wurde in unserem Magazin Agricultura publiziert. Das Magazin erscheint 4x jährlich und informiert über eine bäuerliche Landwirtschaft und einen bewussten Konsum. Bleiben Sie auf dem laufenden und abonnieren Sie die Agricultura zur Probe!
Höfenetzwerk
Die Höfe der Kleinbauern-Vereinigung stehen für eine vielfältige, nachhaltige und bäuerliche Landwirtschaft. Sie leisten auf diversen Ebenen Pionierarbeit für die Land- und Ernährungswirtschaft von morgen. Wir sind überzeugt: In der Vielfalt wächst die Zukunft.