Céline Petermann leitet den Bauernhof Petit Brunchenal seit 2018 in einer stark männlich geprägten Landwirtschaft. Zwischen familiären Herausforderungen, körperlicher Belastung und Leidenschaft entwickelt sie die extensive Tierhaltung auf den Jura-Weiden weiter. Die Milchkühe haben Mutterkühen und einer neuen sozialen Verbindung Platz gemacht.

Céline Petermann gehört zu den 8 % weiblichen Betriebsleiterinnen in der Schweiz. Als ihre Eltern über die Hofübergabe sprachen, stellte sich die Frage: Würde sie, die älteste Tochter, oder eines ihrer vier Geschwister den Betrieb übernehmen? Das Unausgesprochene, dass eine Tochter den Platz eines der Söhne einnehmen könnte, war spürbar. Doch dennoch war sie es, die den Hof übernahm.
Milchproduktion mit Offenhaltung der Weiden
1987 wurden Célines Eltern Pächter des Petit Brunchenal, eines Betriebs der Bürgergemeinde Delsberg (JU), und zogen mit ihren fünf Kindern dort ein. Sie stellten auf Bio um und verbanden aus Überzeugung die Milchproduktion mit der Offenhaltung der Weiden und Förderung der Biodiversität. Die Weiden ermöglichten die Milchproduktion und sicherten den Lebensunterhalt der Familie. So verbrachte Céline ihre Jugend auf dem Hof. Trotz der körperlich anstrengenden landwirtschaftlichen Arbeiten entwickelte sie eine Zuneigung zu den Tieren.
Stellung als Frau in einem von Männern dominierten Umfeld
Als Erwachsene entfernte sich Céline für eine Weile, bis ihre Eltern ihren Ruhestand ankündigten. Daraufhin schloss sie die Ausbildung zur Bäuerin FA ab und übernahm die Leitung des Petit Brunchenal. Damit wurde ihr ihre Stellung als Frau in einem von Männern dominierten Umfeld bewusst: die besorgten Ratschläge ihres Vaters zum Bedienen des Traktors; der Viehhändler, der sich an den Vater, den Bruder oder den Ehemann wenden möchte.
Dabei ist sie es, die entscheidet und die Petit Brunchenal weiterentwickelt. Jahr für Jahr lernte sie, den Betrieb zu führen und ihre Rolle als Betriebsleiterin zu übernehmen. Sie hat die Charakterstärke ihrer Mutter geerbt, die sich gegen die Intensivierung der Landwirtschaft und das Verschwinden von Kleinbauern einsetzte. Als Rebellin mag Céline es nicht, sich zu etwas gezwungen zu fühlen – die Leidenschaft ist es, die sie leitet.

Von den eigenen Grenzen lernen
Nachdem ihre Eltern ihr den Hof überlassen hatten, beschäftigte sie zeitweise eine Arbeitskraft. Schlussendlich sah sie sich jedoch allein mit allen Aufgaben. Eine ebenso leistungsstarke Milchproduktion war nicht mehr möglich, und Céline erschöpft sich körperlich. Sie entscheidet sich, zwei Tage pro Woche einer auswärtigen Tätigkeit nachzugehen, und hört 2024 mit dem Melken auf.
Der Petit Brunchenal richtet sie daraufhin auf eine Mutterkuhherde aus – extensiver und besser an die verfügbaren Ressourcen angepasst. Dieser Übergang reduziert die Betriebskosten erheblich und ermöglicht es Céline, das Erbe weiterhin gewissenhaft zu pflegen. Geografisch isoliert auf dem Petit Brunchenal, möchte Céline neue soziale Verbindungen schaffen. So hat sie soeben die LunchBoxFarm lanciert: Menschen arbeiten für einige Stunden auf dem Hof mit und gehen mit Hofprodukten wieder nach Hause.
Weitergabe des Betriebs an einen Bruder
Als sie 2018 die Bewirtschaftung der Weiden des Petit Brunchenal übernahm, hatte sie sich vorgenommen, nach etwa zehn Jahren etwas anderes zu machen. Denn sie versteht sich als Treuhänderin des Betriebs für die nachfolgenden Generationen. Daran wird sie sich halten. Ein Bruder wird den Betrieb voraussichtlich seinerseits übernehmen. Und Céline wird sich einer anderen Tätigkeit zuwenden. Hier hat sie sich berufliche Anerkennung für das erworben, was sie geleistet hat. Heute, innerlich gefestigt, ist sie von ihren vergangenen Entscheidungen überzeugt und blickt gelassen in die Zukunft.