Landwirtschaftliche Strukturerhebung 2025: Hofsterben aufhalten und Generationenwechsel fördern

Wie die landwirtschaftliche Strukturerhebung 2025 zeigt, ist die Anzahl der Bauernbetriebe in der Schweiz im vergangenen Jahr erneut gesunken: 805 Höfe haben den Betrieb eingestellt. Während sich die Kleinbauern-Vereinigung dafür einsetzt, dass Bauernhöfe weitergegeben werden, will der Bundesrat mit seiner Agrarpolitik 2030+ das Hofsterben gezielt fördern: Um «Flächenwachstum zu ermöglichen» opfert er bewusst Bauernbetriebe. Für die Kleinbauern-Vereinigung ist es höchste Zeit für eine Abkehr von dieser «Wachse oder weiche»-Strategie.

Statistik landwirtschaftliche Strukturerhebung 2025
Bundesamt für Statistik 2026 – Landwirtschaftliche Strukturerhebung, eigene Darstellung

Alleine im vergangenen Jahr haben 805 Bauernhöfe ihren Betrieb für immer eingestellt – das sind mehr als zwei Höfe pro Tag. Seit dem Jahr 2000 haben somit 24’267 Bauernhöfe bzw. 34 Prozent der Bauernhöfe ihren Be-trieb eingestellt. Die durchschnittliche Nutzfläche pro Betrieb ist im gleichen Zeitraum um 7.3 ha bzw. um 48 Prozent angewachsen.

Während der Bundesrat mit dem voranschreitenden Strukturwandel vor allem vorteilhafte wirtschaftliche Skaleneffekte in Verbindung bringt, sind damit auch eine Vielzahl negativer Folgen verbunden: Eine Landwirtschaft mit immer weniger, einseitig spezialisierten Betrieben schafft Abhängigkeiten, schwächt die Resilienz und damit die Versorgungssicherheit der Schweiz. Zudem stellt die Übernahme eines grossen, kapitalintensiven Betriebs eine enorme finanzielle Herausforderung dar. Zunehmend grosse Betriebe erhalten auch immer grössere Beträge an Direktzahlungen. Dies ist der Akzeptanz der Direktzahlungen in der Bevölkerung nicht zuträglich.

 

Mit der Agrarpolitik 2030+ will der Bund das Hofsterben aktiv fördern

Wie im Februar 2026 bekannt wurde, will der Bundesrat mit der Agrarpolitik 2030+ die Schwellenwerte für den Bezug von Direktzahlungen und Strukturverbesserungen substanziell anheben um «Flächenwachstum zu ermöglichen». Sprich: Dafür, dass grosse Betriebe weiterwachsen können, müssen kleine Bauernhöfe weichen.

Durch die Anhebung der Schwellenwerte, würden mehrere Tausend Bauernbetriebe von heute auf morgen keine Direktzahlungen mehr erhalten und könnten nicht von Strukturverbesserungen profitieren. Der Grossteil dieser Bauernbetriebe wäre dadurch in ihrer Existenz bedroht. Dabei nimmt der Bundesrat den Verlust der Vielfalt bewusst in Kauf. Stattdessen setzt er auf eine industrielle Landwirtschaft mit immer weniger, grossen und einseitig spezialisierten Betrieben. Die Kleinbauern-Vereinigung wird sich vehement gegen dieses Vorhaben zur Wehr setzen.

 

Die Kleinbauern-Vereinigung will dem Hofsterben entgegenwirken und den Generationenwechsel fördern

42 Prozent der Betriebsleitenden in der Schweiz erreicht in den kommenden zehn Jahren das Rentenalter oder hat dieses bereits erreicht.1 Damit entfallen in der Schweiz die Direktzahlungen für die Landwirtschaft.

Eine Umfrage aus dem Jahr 2016 zeigt, dass die Betriebsweiterführung durch die Familie längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Nur gerade bei 44 Prozent der über 50-jährigen Betriebsleitenden war diese zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich. Bei 21 Prozent war sie unwahrscheinlich und in 35 Prozent der Fälle ungewiss:

Wahrscheinlichkeit der Betriebsweiterführung durch die Famile 2016
Bundesamt für Statistik 2017 – Zusatzerhebung zur Landwirtschaftlichen Betriebszählung, eigene Darstellung

Fehlt es zum Zeitpunkt der Pension an einer familieninternen Nachfolgelösung, wird der Betrieb oft aufgegeben – das Wohnhaus wird abparzelliert und das Land verpachtet oder verkauft. Die Abwesenheit einer Nachfolge in der Familie wird somit zu einem treibenden Faktor für das Hofsterben, ungeachtet von wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Überlegungen. Dabei suchen zahlreiche gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte nach einem geeigneten Hof, den sie übernehmen können. Diesen bleibt der Zugang zur Landwirtschaft aber leider allzu oft verwehrt.

Für die Kleinbauern-Vereinigung ist klar, dass ausserfamiliäre Hofübergaben eine wichtige Rolle spielen, um dem Hofsterben in der Schweiz entgegenzuwirken und einen attraktiven und zukunftsfähigen Agrarsektor zu erhalten. Dafür müssen jedoch bestehende Hürden und Fehlanreize erkannt und beseitigt werden. Es braucht gezielte Unterstützungsmassnahmen sowohl für Hofabgebende als auch für Hofübernehmende.

«Für die Kleinbauern-Vereinigung hat der Generationenwechsel in der Landwirtschaft höchste Priorität. Wenn wir in der Schweiz einen zukunftsfähigen Agrarsektor erhalten wollen, müssen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schaffen.»

Kilian Baumann, Nationalrat und Präsident der Kleinbauern-Vereinigung

Als Nationalrat hat unser Präsident Kilian Baumann zusammen mit überparteilicher Unterstützung im vergangenen Jahr drei Vorstösse eingereicht, um dem Hofsterben entgegenzuwirken und den Generationenwechsel in der Landwirtschaft zu fördern. Wir fordern …

  • die Erarbeitung einer Strategie für den Generationenwechsel,2
  • die Anhebung der Altersgrenze für den Bezug der Starthilfe von 35 auf 40 Jahre3
  • sowie eine degressive Ausgestaltung der Direktzahlungen, gekoppelt an die Einführung eines Sockelbeitrags, die eine Umverteilung von der Grösse zur Vielfalt ermöglicht.4

Die Anhebung der Altersgrenze für die Starthilfe wird erfreulicherweise von Bundesrat und Nationalrat unterstützt, nun muss der Vorstoss noch vom Ständerat angenommen werden.5 Die degressive Ausgestaltung der Direktzahlungen unterstützt der Bundesrat im Grundsatz ebenfalls. Er will diese im Rahmen der Agrarpolitik 2030+ umsetzen. Allerdings will er sich alle Optionen offenhalten, wofür der eingesparte Betrag im Direktzahlungssystem verwendet werden soll.6 Eine Strategie für den Generationenwechsel in der Landwirtschaft lehnte der Bundesrat vergangene Woche leider mit einer fadenscheinigen Begründung und einem Verweis auf unsere Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe ab. Nun hoffen wir auf das Parlament, das sich als nächstes mit der Motion befassen wird.7

 

Mit der Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe unterstützen wir den Generationenwechsel aktiv

2014 hat die Kleinbauern-Vereinigung die Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe ins Leben gerufen, um ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte ohne Hof an Bauernbetriebe ohne Nachfolge zu vermitteln. 2024 wurde das Vermittlungssystem zu einer digitalen Hofplattform weiterentwickelt, wo sich Hofsuchende und Hofabgebende direkt finden können.

Im vergangenen Jahr haben 76 Hofabgebende und 194 Hofsuchende ein Profil auf der digitalen Hofplattform erstellt. Diese Zahlen verdeutlichen, dass es an motiviertem Nachwuchs in der Landwirtschaft nicht fehlt. Aufgrund der Übervertretung von Hofsuchenden erhalten Hofabgebende meist innert kurzer Zeit zahlreiche Anfragen.

Innerhalb des letzten Jahres konnten wir 30 erfolgreiche Hofübergaben vermitteln. Davon wurden sechs definitive Verpachtungen und zwei unterschriebene Verkaufsverträge gemeldet. Das Feedback zur Plattform fällt ausgesprochen positiv aus. Finanziert wird die Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe ebenso wie die digitale Hofplattform durch Zuwendungen von Stiftungen und Spenden.

 

Quellenangaben
1 Bundesamt für Statistik (2025): Landwirtschaftliche Strukturerhebung
2 Motion 26.3429: Strategie für den Generationenwechsel in der Landwirtschaft
3 Motion 25.3735: Anpassung der Starthilfe für Junglandwirtinnen und Junglandwirte an die aktuelle Altersstruktur
4 Motion 25.4212: Degressive Ausgestaltung der Direktzahlungen für die Landwirtschaft
5 Kleinbauern-Vereinigung (2026): Der Nationalrat unterstützt die Erhöhung der Altersgrenze für den Bezug der einmaligen Starthilfe
6 Kleinbauern-Vereinigung (2025): Der Bundesrat unterstützt die degressive Ausgestaltung der Direktzahlungen für die Landwirtschaft
7 Kleinbauern-Vereinigung (2026): Die Kleinbauern-Vereinigung fordert eine Strategie für den Generationenwechsel in der Landwirtschaft

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