Der Bundes­rat unter­stützt die de­gres­sive Aus­ge­stal­tung der Direkt­zahlungen für die Land­wirtschaft

Zusammen mit Mit­unter­zeichnenden aus allen Fraktionen hat Kilian Baumann, National­rat und Präsident der Kleinbauern-Vereinigung, in der Herbst­session der eidgenössischen Räte die Motion 25.4212 für eine degressive Aus­gestaltung der Direkt­zahlungen für die Land­wirtschaft ein­gereicht. Wir freuen uns, dass der Bundes­rat mit seiner Stellung­nahme den Handlungs­bedarf in diesem Bereich aner­kennt. Dennoch empfiehlt er die Motion zur Ablehnung, da er sich alle Optionen offen­halten will, wofür er den einge­sparten Betrag ver­wenden will. Falls die Motion im National­rat ange­nommen wird, will der Bundes­rat eine ent­sprechende Änderung bean­tragen.

Symbolbild Vielfalt
Foto: Bettina Erne, Icon: Freepik

Die Anzahl der Schweizer Bauern­betriebe sinkt kontinuierlich. Alleine im vergangenen Jahr haben 644 Bauern­höfe den Betrieb ein­gestellt. Während kleine und mittel­grosse Höfe ver­schwinden, wachsen die ver­bleibenden Betriebe weiter an. Dieser Struktur­wandel wird sich auf­grund der demo­grafischen Ent­wicklung im Land­wirtschaftssektor in den nächsten Jahren akzentuieren und ist mit negativen Aus­wirkungen ver­bunden: Eine industrielle Land­wirtschaft mit immer weniger, ein­seitig spezialisierten Betrieben schafft Abhängigkeiten, einen Verlust der Viel­falt und gefährdet die Versorgungs­sicherheit. Zudem stellt die Über­nahme eines grossen, kapital­intensiven Betriebes eine enorme finanzielle Heraus­forderung dar.

Die zunehmend grossen Betriebe erhalten grosse Summen an Direkt­zahlungen. Allerdings führen Skalen­effekte dazu, dass grosse Betriebe Leistungen günstiger erbringen können als kleine Betriebe. Zudem schadet die Tat­sache, dass immer grössere Summen an einzelne Betriebe ausbezahlt werden, der Akzeptanz der Direkt­zahlungen in der Bevölkerung. Eine degressive Aus­gestaltung der Direkt­zahlungen wäre deshalb gerecht­fertigt.

Bundesamt für Land­wirtschaft, eigene Darstellung | Lese­beispiel: Im Jahr 2000 haben 0.1 Prozent der Betriebe – was 65 Betrieben entspricht – Direkt­zahlungen über 150’000 Franken erhalten, im Jahr 2024 waren es 5.5 Prozent bzw. 2’277 Betriebe.

Direkt­zahlungen für Vielfalt statt Grösse

Mit dem – von Mitgliedern aus allen Fraktionen unter­stützten – Vorstoss wird vor­ge­schlagen, die Direkt­zahlungen künftig ab einer jährlichen Beitrags­summe von 100’000 Franken pro Betrieb in Schritten von 50’000 Franken degressiv abzustufen. Die prozentuale Reduktion könnte in 10-Prozent-Schritten ansteigen. Bei einem Betrieb mit Direkt­zahlungen von 150’000 Franken würde so um 5’000 Franken gekürzt (10 Prozent zwischen 100’000 und 150’000 Franken), bei einem Betrieb mit Direkt­zahlungen von 200’000 Franken würde um 15’000 Franken gekürzt (10 Prozent zwischen 100’000 und 150’000 Franken + 20 Prozent zwischen 150’000 und 200’000 Franken), etc. Für Betriebs­gemeinschaften würden die Beträge um die Zahl der zusammen­gefassten Betriebe in der Betriebs­gemeinschaft multipliziert. Auf der folgenden Seite haben wir diesen Vorschlag visualisiert.

Der durch die degressive Abstufung im Vergleich zum Status Quo eingesparte Betrag soll in einen Sockel­beitrag fliessen, der an jeden Land­wirtschafts­betrieb – un­ab­hängig von dessen Grösse – aus­bezahlt wird. Dadurch ergibt sich eine Umverteilung von der Grösse zur Viel­falt und das Direkt­zahlungssystem wird nach­haltiger. Denn es sind insbesondere kleine und mittel­grosse Betriebe, die einen grossen Beitrag für eine viel­fältige und resiliente Land­wirtschaft leisten. Zudem ist der administrative Aufwand für kleine und mittlere Betriebe verhältnis­mässig gross.

«Durch die vor­geschlagene Umverteilung der Direkt­zahlungen würden rund 85 Prozent der Bauern­höfe in der Schweiz künftig mehr Direkt­zahlungen erhalten als bisher.»

Kilian Baumann, Nationalrat und Präsident der Kleinbauern-Vereinigung


Bundesamt für Land­wirtschaft, eigene Darstellung | Lesebeispiel: Betriebe, die 2024 Direkt­zahlungen zwischen 0 und 100’000 Franken erhalten haben, würden künftig zusätzlich zu diesem Betrag den Sockel­beitrag bekommen und somit mehr Direkt­zahlungen er­halten als bisher. Dies betrifft 82.9 Prozent der Betriebe – was 33’921 Betrieben entspricht. Betriebe, die 2024 zwischen 100’000 und 150’000 Franken erhalten haben, würden für den Betrag, der 100’000 Franken übersteigt künftig 10 Prozent weniger Direkt­zahlungen erhalten. Allerdings würde bei ihnen ebenfalls der Sockel­beitrag dazu­kommen, wodurch die Betriebe ungefähr gleich viel Direkt­zahlungen erhalten würden wie bisher. Dies betrifft 11.5 Prozent bzw. 4’706 Betriebe.

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