Ziel einer ökologischeren Landwirtschaft unbestritten

Trotz der Ablehnung der Pestizid­initiative ist für die Kleinbauern-Vereinigung klar: Nun ist die Politik in der Pflicht. Nach diesem Urnengang wird es anders weitergehen als bisher. Der Handlungs­bedarf für einen System­wechsel hin zu einer ökologischeren Land­wirtschaft ist unbestritten.

«Der Einsatz von Pestiziden muss stark reduziert und die Landwirtschaft allgemein ökologischer ausgerichtet werden. Darüber waren sich im Abstimmungskampf alle Beteiligten einig», sagt Nationalrat Kilian Baumann, Präsident der Kleinbauern-Vereinigung, die sich für ein Ja stark gemacht hat. «Das ist das Verdienst der Initiative und ein grosser Erfolg.» Ein solcher Konsens sei noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. «Der Handlungsbedarf wurde erkannt und das gemeinsame Ziel einer ökologischen Landwirtschaft ist unbestritten», so Baumann. «Uneinig war man sich einzig über den Weg zu diesem Ziel und den Zeitrahmen.»

Alle Akteure stehen in der Pflicht
Nun wird die Kleinbauern-Vereinigung die Initiativ-Gegner beim Wort nehmen. «Wenn diese ihr Bekenntnis zu einer ökologischen Landwirtschaft ernst gemeint haben, müssen nun sämtliche Branchenverbände, Behörden und Industrie-Vertreterinnen zu weiteren Schritten Hand bieten. Es braucht sofort wirksame Massnahmen zur raschen Reduktion synthetischer Pestizide. Die bisherige ‘Pflästerlipolitik’ genügt nicht», sagt Kilian Baumann. Genügend Nahrungsmittel für die Bevölkerung lassen sich längerfristig nur mit intakter Umwelt, gesunden Böden und Biodiversität produzieren. Der Handlungsbedarf geht dabei über politische Massnahmen hinaus. «Auch die Ausbildung und Beratung in der Landwirtschaft muss ökologischer ausgerichtet werden», sagt Kilian Baumann.

Zeitgemässe Ernährungspolitik
Gleichzeitig brauche es jetzt mehr denn je eine zeitgemässe Ernährungspolitik, hält die Kleinbauern-Vereinigung fest. «Wir wollen endlich Kostenwahrheit», so Baumann. Bio-Produkte dürften nicht länger teurer sein als solche, die nicht ökologisch produziert wurden. Der heutige Markt sei verzerrt und wiederspiegle nicht die effektiven Kosten der Produkte. «40 Prozent der Bevölkerung will pestizidfreie Produkte, die ohne Umweltschädigung produziert wurden», sagt Baumann. «Neben Kostenwahrheit ist die Politik nun auch gefordert, deren Verfügbarkeit sicherzustellen, etwa mit der Förderung des Angebots an Bioprodukten in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung.»

Abstimmungskampagne für einen Systemwechsel
Die Kleinbauern-Vereinigung hatte seit Februar die Initiative für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide mit ihrer Abstimmungskampagne «Zukunft sichern, pestizidfrei produzieren» unterstützt. Unter anderem über Videos, Mobilisierungsaktivitäten oder Factsheets (10 Gründe für ein Ja aus bäuerlicher Sicht, 10 Gegenargumente im Faktencheck) hatten die Bauernvertreterinnen und -vertreter die Stimmbevölkerung in der ganzen Schweiz zum Ja an der Urne aufgerufen. Eine intakte Umwelt ist für sie Existenzgrundlage aller Landwirtschaft. Sie forderte einen Systemwechsel weg von einer industriellen Landwirtschaft mit synthetischen Pestiziden hin zu einer agrarökologischen Schweiz.

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