137’000 Unterschriften für die Lebensmittelschutz-Initiative

Der erste Schritt ist geschafft: Als Teil einer breiten Allianz haben wir heute die Lebensmittelschutz-Initiative (Volksinitiative «Für gentechnikfreie Lebensmittel») eingereicht. Damit setzen wir ein starkes Zeichen für die Wahlfreiheit und Risikoprüfung. Dank eurer Mithilfe konnten wir der Bundeskanzlei heute 137’000 Unterschriften übergeben. Damit kann das Schweizer Stimmvolk bei den Neuen Gentechnischen Verfahren mitbestimmen.

Einreichung Lebensmittelschutz-Initiative am 27. Februar 2026 in Bern
Foto: Caroline Krajcir

Gentechnik-Moratorium seit 2005

In der Schweiz gilt seit 2005 ein Moratorium für den kommerziellen Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft. Das nationale Parlament hat das Moratorium bereits fünf Mal verlängert. Bei der letzten Verlängerung gab es dem Bundesrat den Auftrag, eine Regelung für die Prüfung und Zulassung von Pflanzen, die mit den neuen gentechnischen Verfahren gezüchtet wurden, zu formulieren.

Neue gentechnische Verfahren: Regulierung, Versprechen und Risiken

Im April 2025 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zum neuen Gesetz über «Pflanzen aus neuen Züchtungstechnologien» (d.h. den neuen gentechnischen Verfahren) eröffnet. Diese neuen Technologien versprechen schnelle, gezielte Veränderungen im Erbgut und sollen Lösungen für Klimaanpassung, Pflanzengesundheit und Ernährungssicherheit liefern.

Trotz «präziserer» Anwendung bergen sie Risiken durch unbeabsichtigte genetische Veränderungen (sogenannte Off-Target-Effekte), veränderte Pflanzeninhaltsstoffe, mögliche Umweltschäden durch Kreuzung sowie ungeklärte Langzeitfolgen. Auch die neuen gentechnischen Verfahren sind Gentechnik – und müssen im Gentechnikgesetz reguliert werden.

Initiative fordert Wahlfreiheit und Risikoprüfung

Um die Wahlfreiheit für Produzentinnen beim Saatgutkauf und für Konsumentinnen beim Produktekauf auch in Zukunft zu gewährleisten, und um eine umfassende Risikoprüfung bei der Bewilligungsvergabe zu gewährleisten, lancierte im September 2024 eine breite Allianz aus dem Landwirtschafts-, Konsumentenschutz- und Umweltschutz-Bereich die Lebensmittelschutz-Initiative.

Eine der grössten Sorgen der Kleinbauern‑Vereinigung bei einer Deregulierung neuer gentechnischer Verfahren ohne Risikobewertung, Rückverfolgbarkeit der Produkte oder transparente Kennzeichnung ist die Bedrohung der Wahlfreiheit. Wir befürchten, dass Bäuerinnen und Bauern nicht mehr frei entscheiden können, gentechnikfrei zu produzieren. Ebenso könnte es für Konsumentinnen und Konsumenten schwieriger werden, bewusst keine gentechnisch veränderten Organismen zu essen.

Die Versprechen der Grosskonzerne, mithilfe von gentechnisch veränderten Organismen den Pestizideinsatz zu reduzieren und den Klimawandel zu bekämpfen, wurden bislang nicht erfüllt. Vielversprechend sind hingegen die finanziellen Gewinne für die multinationalen Konzerne, die Saatgut patentieren lassen und unter anderem die dazugehörigen Pestizide herstellen. Diese Machtkonzentration setzt unsere Ernährungssouveränität aufs Spiel.

Ganzheitlicher Ansätze stärken

Die Kleinbauern-Vereinigung sieht die Zukunft der Landwirtschaft in einem System, das auf Vielfalt setzt und die lokalen Ressourcen schont. Für das Gemeinwohl müssen Ressourcen in die Erforschung ganzheitlicher Ansätze wie Agrarökologie und standortangepasste Pflanzenzüchtung investiert werden.

Die Kleinbauern-Vereinigung hat sich stets für eine strenge Regulierung der gentechnisch veränderten Organismen ausgesprochen – das gilt auch für die Neuen Gentechnischen Verfahren. Nur so können wir die Wahlfreiheit garantieren. Deshalb unterstützen wir die Lebensmittelschutz-Initiative.

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