Die Zukunft versichern?

Im Rahmen der Agrarpolitik 22+ möchte der Bundesrat neu eine staatlich mitfinanzierte Ernteversicherung lancieren. Eine Idee, die auf einer hochindustrialisierten Landwirtschaft basiert, denn sie erhöht die Risikobereitschaft seitens Landwirtschaft und fördert eine Symptom- anstelle von Ursachenbekämpfung.

Der Bundesrat plant eine staatlich mitfinanzierte Ernteversicherung einzuführen. Denn mit dem Klimawandel steigt das Risiko von Ernteverlusten. Die Idee der staatlich mitfinanzierten Landwirtschaftsversicherungen stammt jedoch aus einer hoch industriellen Landwirtschaft, wie sie beispielsweise die USA kennen. Dort unterstützt die Agrarpolitik die Landwirtschaft vorwiegend mittels staatlich finanzierter Versicherungsprämien in Milliardenhöhe. Ein solch subventioniertes Versicherungssystem schafft Fehlanreize, indem es eine risikoreiche Landwirtschaft, welche beispielsweise auf Monokulturen oder Massentierhaltung basiert, unterstützt.

Neues Instrument, neuer Zielkonflikt

In der Schweiz existiert auf privatwirtschaftlicher Basis ein Versicherungsschutz gegen Ernteausfälle, ursprünglich gegen Hagel und nun immer mehr auch aufgrund von fehlendem oder übermässigem Niederschlag. Solche Versicherungen sind grundsätzlich sinnvoll, der Entscheid für einen Abschluss und die Risiko- bzw. Kosten-/Nutzenabwägung liegt in der Verantwortung der Landwirtin. Neu soll der Bund 30 Prozent an die Prämien bezahlen. Die Problematik dahinter:  Eine staatliche Prämienverbilligung verhindert, dass die Landwirtschaft der Klima- sowie Biodiversitätskrise in erster Linie mit umweltfreundlicheren und innovativen Anbausystemen und einer vielfältigen Hofstruktur begegnet. Dadurch entsteht ein neuer Zielkonflikt in einem bereits hochkomplexen Schweizer Agrarsystem. Landwirtinnen und Landwirte die bereits heute auf Vielfalt auf ihrem Hof setzen und besonders klima- und biodiversitätsfreundlich arbeiten, profitieren nicht von einem solchen System.

Vorhandene Direktzahlungsprogramme stärken

Anstatt mittels Giesskannenprinzip eine industriellere Landwirtschaft und ein Versicherungsgeschäft zu unterstützen, sollte der Bund bereits bestehende, zielgerichtete Programme stärken. Mit den Produktionssystembeiträgen erhalten im heutigen Direktzahlungssystem jene Bäuerinnen und Bauern zusätzlich Unterstützung, die auf eine klima- und biodiversitätsfreundliche sowie gesamtbetriebliche Landwirtschaft setzen. Das ist wichtig und notwendig, für eine langfristige sichere Versorgung. Eine staatlich mitfinanzierte Ernteversicherung bringt dagegen nicht mehr Lebensmittel auf den Tisch. Im Gegenteil: Sie hemmt die Landwirtschaft dabei, ihre Resilienz gegenüber der Klimaveränderung, zum Beispiel mit trockenheitsresistenteren Sorten und Anbaumethoden, zu erhöhen und verkompliziert mit einem neuen Instrument das Agrarsystem unnötig.

 

Versicherungssystem in den USA

In den USA ist der staatlich mitfinanzierte Versicherungsschutz ein wichtiger Teil der Agrarpolitik. Jährlich werden mehrere Milliarden dafür ausgegeben. Dieses Versicherungssystem wurde mit der sogenannten Farm Bill 2014 eingeführt und ersetzte bisherige Subventionen. Neben einem breiten Versicherungsangebot werden mit der Farm Bill u.a. auch diverse Preis- und Ertragsschwankungen ausgeglichen aber auch Naturschutzmassnahmen sind Teil davon. Von den staatlichen Unterstützungen profitieren besonders auch die grössten Farmen.

  • AutorIn Damin Samsoodeen

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