Die Schweiz droht zum Sammel­becken für Problem-Pestizide zu werden

In der Sommer­session hat das Parlament gleich zwei Vorlagen angenommen, die den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt vor Pestiziden erheblich schwächen. Künftig soll die Schweiz Pestizid­zulassungen aus der EU weit­gehend automatisch übernehmen. Eigene Schutz­bestimmungen lassen sich nur noch eingeschränkt durchsetzen. Mit der über­wiesenen Motion Müller Leo werden diese im Bereich des Gewässer­schutzes auch gleich noch abgebaut.

Fluss
Foto: Jachan Devol, Icon: Freepik

Die Kleinbauern-Vereinigung begrüsst grundsätzlich eine engere Einbindung der Schweiz in das Zulassungssystem für Pflanzenschutzmittel der Europäischen Union. Die mit der parlamentarischen Initiative Bregy vorgeschlagene Lösung ist dafür aber der falsche Ansatz. Entscheide werden von der EU übernommen, ohne Einsicht in die dafür relevanten Unterlagen und ohne diese auf die spezifischen klimatischen, topografischen und agronomischen Gegebenheiten der Schweiz anwenden zu können. Dadurch wird es unmöglich, in der Schweiz die bestehenden hohen Qualitätsstandards und den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt zu erhalten. Dass diese mit der Motion Müller Leo (24.4589) auch gleich noch gesenkt werden, ist unerhört.

Besonders problematisch ist der Umgang mit Notfall­zulassungen: Diese ursprünglich für Ausnahme­situationen vorgesehenen Bewilligungen sollen ebenfalls automatisch übernommen werden – ohne dass sie vorgängig vertieft auf ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit geprüft werden. Damit ist die Schweiz das einzige Land Europas, das solche Notfall­zulassungen pauschal aus anderen Ländern übernimmt.

Bundesrat, Trink­wasserversorger, Kantone, Umwelt­organisationen und die Wissenschaft hatten vor der Vorlage gewarnt und sie zur Ablehnung empfohlen. Nicht zuletzt weil das eigentliche Ziel der Vorlage – raschere Zulassungs­verfahren – bereits mit der jüngsten Revision der Pflanzenschutz­mittel­verordnung erreicht worden ist.

«Bei einer Angleichung des Zulassungssystems für Pflanzenschutzmittel an die EU muss die Schweiz Einsicht in sämtliche Zulassungsunterlagen haben und bei den Entscheiden mitwirken können. Mit den Bilateralen III wäre dies möglich.» 

Kilian Baumann, Nationalrat und Präsident der Kleinbauern-Vereinigung

Die Kleinbauern-Vereinigung unterstützt die «Bilateralen III» und die darin vorgesehene Einbindung der Schweiz in das Zulassungssystem der EU

Als gute Lösung erachten wir dagegen die Variante, wie sie im Paket zur «Stabilisierung und Weiter­entwicklung der Beziehungen Schweiz-EU» (Bilaterale III) vorgesehen ist: Die Schweiz soll wie ein Mitglied­staat der EU in deren Zulassungs­system für Pflanze­nschutz­mittel eingebunden werden. Dadurch kann sich die Schweiz aktiv in den Zulassungs­prozess einbringen und erhält Zugang zu allen relevanten Informationen. Durch die Teilung der Arbeits­last mit der EU und deren Mitglied­staaten, dürfte es zur gewünschten Beschleunigung der Verfahren kommen. Zudem würde der Aspekt wegfallen, dass die Schweiz als kleiner Markt für Hersteller oft zu wenig attraktiv ist, um ein Zulassungs­gesuch einzureichen. Für die Schweiz wäre es nach wie vor möglich, bei der Zulassung von Pflanzen­schutz­mitteln ihre spezifischen klimatischen, topografischen und agronomischen Gegebenheiten zu beachten um den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt zu gewährleisten.

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