Das Vertrauen in die Landwirtschaft muss erhalten bleiben

KOLUMNE // Aufgrund unserer hohen Qualitätsstandards hat die Bevölkerung grosses Vertrauen in die Schweizer Landwirtschaft. Die aktuellen Bestrebungen, diese Standards zu senken, gefährden jedoch den Qualitätsvorteil unserer Produkte gegenüber importierten Produkten und untergraben das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten.

Kilian Baumann über die Schweizer Agrarpolitik
Kilian Baumann über die Schweizer Agrarpolitik

Die Konsumentinnen und Konsumenten haben grosses Vertrauen in die Bäuerinnen und Bauern und in ihre Produkte. Dieses Vertrauen ist berechtigt, denn wir haben in der Schweiz hohe Qualitätsstandards bei Lebensmitteln und hohe Anforderungen an die landwirtschaftliche Produktion. Und damit sind nicht nur Label-Produkte wie IP oder Bio gemeint. Auch die konventionelle Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten bei der Nachhaltigkeit grosse Fortschritte gemacht. So konnte das Tierwohl kontinuierlich verbessert, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert und es konnten die ökologischen Ausgleichsflächen ausgebaut werden.

Keine Rückschritte machen

Diesen Weg gilt es weiter zu gehen, um unsere Ressourcen wie saubere Gewässer und gesunde Böden für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Dieser Weg wird darum von wissenschaftlichen Stellen gefordert, vom Bund gefördert und von den Konsumentinnen und Konsumenten mitgetragen. Und nur diese Qualitätsstrategie hebt die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft von unseren Nachbarn ab und rechtfertigt die grosszügigen Bundesbeiträge für die Landwirtschaftsbetriebe sowie die vergleichsweise hohen Preise für Schweizer Produkte. Aber trotz dieser langjährigen Erfolgsgeschichte gibt es gegenwärtig starke Bestrebungen, das Rad der Zeit zurückzudrehen und den Weg dieser Qualitätsstrategie zu verlassen. Ein Beispiel ist der Widerstand gegen das digitale Meldetool Digiflux, mit dem der Handel und Gebrauch von Pflanzenschutz- und Düngemitteln digital erfasst werden soll, um Schutzmassnahmen gezielter und mit weniger Aufwand ergreifen zu können.

Im Parlament sind Vorstösse hängig, um die Einführung von Digiflux zu sistieren oder die Landwirtschaft als einzige Branche von dieser Erfassungspflicht auszunehmen. Weitere Beispiele sind Vorstösse, um die Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel im Gewässerschutz aufzuweichen, oder um die Standards für die Zulassung zu senken, indem in einzelnen Nachbarstaaten sowie in Belgien oder den Niederlanden zugelassene Mittel ohne weitere Prüfung auch in der Schweiz zur Anwendung kommen können. Mit der Umsetzung dieser Vorhaben würde die Schweizer Landwirtschaft in Fragen der Nachhaltigkeit bald zum Schlusslicht in Europa. Aufgrund des Drucks aus der Bevölkerung und des Handlungsbedarfs beim Schutz der Ökosysteme wurden 2021 Massnahmen zur Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und von Nährstoffverlusten beschlossen. Diese nun zu verwässern oder zu stoppen, ist demokratiepolitisch problematisch.

Das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten erhalten

Vor allem aber riskiert man mit solchen Rückwärtsschritten, dass unsere Land- und Ernährungswirtschaft in puncto Nachhaltigkeit ihren Vorsprung auf unsere Nachbarländer verliert. Es würde immer schwieriger, den Konsumentinnen und Konsumenten die Vorteile von Nahrungsmitteln aus einheimischer Produktion gegenüber günstigeren Importprodukten aufzuzeigen. Darum müssen wir die Qualitätsstrategie konsequent weiterverfolgen, damit die einheimische Nahrungsmittelproduktion auch in Zukunft einen Mehrwert bietet. Nur so können wir das Vertrauen der Konsumentinnen und Konsumenten in die Bäuerinnen und Bauern und ihre Produkte erhalten.

  • Diese Kolumne von unserem Präsidenten Kilian Baumann ist am 24.03.2025 im Bieler Tagblatt und auf www.ajour.ch erschienen.

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