Eine vielfältige Landwirtschaft ist krisenresistenter

Die Corona-Krise hat es jüngst gezeigt, wissenschaftliche Studien wie der Weltagrarbericht oder die Analyse der Akademie der Naturwissenschaften SCNAT belegen es: Landwirtschaftliche Vielfalt ist überlebenswichtig. Strukturvielfalt und Agrobiodiversität sind Grundlage unserer Ernährungssicherheit, da sie unsere Krisenresistenz stärken. Vor der Beratung der AP 22+ im Parlament fordert die Kleinbauern-Vereinigung, dass die Schweizer Agrarpolitik dieser Erkenntnis endlich Rechnung trägt.

Corona war «change by desaster», nun brauchen wir «change by design», d.h. einen strukturellen Wandel und proaktive Massnahmen, um für die nächste Krise, insbesondere den Klimawandel, gewappnet zu sein. Die Landwirtschaft muss sich von der Idee des unbegrenzten Wachstums und der industriellen Bewirtschaftung verabschieden. Die Kleinbauern-Vereinigung VKMB fordert deshalb im Hinblick auf die Agrarpolitik 22+, dass Strukturvielfalt und Agrobiodiversität endlich stärker gefördert werden und damit die Krisenresistenz der Betriebe insgesamt gestärkt wird. Dazu gehört vor allem auch, keinen zusätzlichen Anreiz für stetiges Flächenwachstum und Betriebsspezialisierung via Direktzahlungen zu bieten (Begrenzung/ Abstufung der Direktzahlungen sowie Umverteilung zugunsten der Agrarvielfalt).

Raus aus der Sackgasse

Die industrielle Landwirtschaft steckt weltweit in einer Sackgasse. Das belegen diverse wissenschaftliche Studien aus der Schweiz (Akademie der Naturwissenschaften SCNAT, Agroscope) und international (Weltagrarbericht, FAO etc.). Wird die Produktion immer stärker intensiviert und spezialisiert – also von ihren natürlichen regionalen Kreisläufen entkoppelt – gefährdet dies einerseits die natürlichen Lebensgrundlagen. Andererseits ist die Industrialisierung der Landwirtschaft eine absolute Risikostrategie in marktwirtschaftlicher Hinsicht. Die Landwirtschaft wird sich gemäss wissenschaftlich breit abgestütztem Konsens auf knappere Ressourcen (z.B. Wasser), Zunahme von Intensität und Häufigkeit von Extremereignissen (Hitzewellen, Dürren, Starkniederschläge), verstärkter Bodenerosion, und Verschiebungen der Vegetationszonen einstellen müssen. Agrobiodiversität und Vielfalt an und innerhalb der Betriebe sind da überlebenswichtig.

Die letzten Monate im Corona-Lockdown haben vor allem auch gezeigt, wie wichtig genügend Arbeitskräfte und faire Arbeitsbedingungen für die Landwirtschaft sind. Vielfältig aufgestellte, konsumentennahe Höfe gehen gestärkt aus der Krise, während industrielle Betriebe diesbezüglich Anpassungsschwierigkeiten hatten.

Strukturvielfalt endlich konsequent fördern

Nationalrat Kilian Baumann hat in der Sommersession zwei Interpellationen zum Thema Agrarvielfalt eingereicht. Davon erhofft sich die Kleinbauern-Vereinigung endlich Antworten des Bundesrats, wie die Agrarvielfalt und damit die Krisenresistenz der Landwirtschaft künftig durch politische Massnahmen gestärkt werden kann und in welchen Bereichen sich die Forschung intensiver mit dem Thema auseinandersetzen muss.

Im Gegensatz zur Schweiz leitet die EU mit dem Massnahmenprogramm «European Green New Deal» bereits eine ökologische Wende ein. Dazu gehört mit «From Farm to Fork» auch eine gesamte Strategie für die Ernährungswirtschaft.

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