GVO-Anbau: Bundesrat will Moratorium verlängern und Regelung ausarbeiten

Der Bundesrat will das Gentech-Moratorium beibehalten und bis 2021 verlängern. Er will aber auch gesetzliche Grundlagen für den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) schaffen und schlägt vor, den Anbau von GVO in spezifischen Gebieten zusammenzufassen.

Der Bundesrat hat gestern Mittwoch kommuniziert, dass er das Moratorium für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen um weitere vier Jahre verlängern möchte. Mit der Verlängerung bis 2021 werde Zeit für eine vertiefte Diskussion über die Zukunft des GVO-Anbaus in der Schweiz geschaffen. Die Regierung geht jedoch davon aus, dass die Attraktivität von GVO in der Schweiz mit der Entwicklung neuer Sorten zunehmen könnte.

Sollte bei den Konsumenten die Akzeptanz für gentechnisch veränderte Pflanzen zunehmen und sich seitens der Landwirtschaft reales Interesse abzeichnen, wolle der Bundesrat einen entsprechenden Gesetzes-Rahmen ausarbeiten. Dieser soll eine kontrollierte GVO-Einführung ermöglichen und gleichzeitig einen hohen Schutz herkömmlicher Kulturen sowie die Wahlfreiheit der Konsumenten sichern. Deshalb schlägt der Bundesrat vor, GVO in speziell geschaffenen Anbaugebieten zu erlauben. Diese sollen auf Initiative von Landwirten geschaffen werden, die als Produktions-Einheit GVO-Sorten anbauen wollen.

Die Kleinbauern-Vereinigung begrüsst die Verlängerung des Moratoriums, lehnt die Gesetzesänderung auf Vorrat sowie die Schaffung von Sonderzonen für den Anbau jedoch ab. Das Nebeneinander von gentechfreiem Anbau und gentechnisch veränderten Pflanzen, die sogenannte Koexistenz, ist in der kleinräumigen, vielfältigen Schweizer Landwirtschaft weder realisierbar noch wirtschaftlich sinnvoll und sie vernichtet das erfolgreich aufgebaute Alleinstellmerkmal einer «Gentechfreien Schweizer Landwirtschaft».

Eine Landwirtschaft ohne Gentechnik entspricht der Qualitätsstrategie der Schweizerischen Ernährungswirtschaft am besten. Die neuste Univox-Umfrage von 2015 hat gezeigt, dass auch Konsumentinnen und Konsumenten gentechnisch veränderte Produkte mit deutlicher Mehrheit ablehnen. Bereits heute verzichten alle Schweizer Label-Produkte freiwillig auf den Einsatz von Gentechnik.

Durch die Koexistenz würde zudem eine enorme, zusätzliche Agrarbürokratie nötig werden, denn der Melde- und Kontrollaufwand für das Nebeneinander von herkömmlichen und gentechnisch veränderten Ackerkulturen wäre immens. Auch der nachgelagerten Lebensmittelkette bleiben aufwändige Warentrennungsmassnahmen erspart.

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