Gentechnik in der Land­wirtschaft: Wahl­freiheit & Vorsorge­prinzip

Die neuen gentechnischen Verfahren versprechen das Blaue vom Himmel und verschlingen den Löwenanteil der verfügbaren finanziellen Mittel für die Züchtung. Dabei liefern diese weder überzeugende Resultate noch gehen sie die Probleme an der Wurzel an. Eine Regulierung, die am Vorsorgeprinzip festhält und Wahlfreiheit garantiert, ist notwendig.

Für die Gentechnischen Methoden braucht es eine Regulierung, die am Vorsorgeprinzip festhält und Wahlfreiheit garantiert - damit Transparenz und Kontrolle nicht unter die Räder geraten.
Die Stabilität unserer Ernährungssysteme hängt von der genetischen Vielfalt ab. Der Verlust dieser Diversität führt zu einer tieferen Resilienz.

Was sind gentechnisch veränderte Organismen (GVO)?

Gentechnisch veränderte Organismen, kurz GVO, sind Lebewesen, deren Erbgut in einer zuvor nicht dagewesenen Weise verändert wurde. In der Schweiz verbietet ein Moratorium den Anbau von GVO, die Forschung ist jedoch erlaubt. So betreibt Agroscope, das Kompetenzzentrum des Bundes für die landwirtschaftliche Forschung, gar ein Versuchsfeld mit GVO.

GVO bieten nicht die erwünschte Lösung und bergen Risiken

Alle gentechnisch veränderten Organismen bergen Risiken. Dazu zählen die Bedrohung der biologischen und genetischen Diversität sowie die Kontamination von Nicht-GVO-Kulturen. Kettenreaktionen, die erst nach Jahren in den komplexen Ökosystemen sichtbar werden, sind ebenfalls möglich. Patente betreffen nicht nur die Technik, sondern auch die Sorten. Ausserdem steigen die Produktionskosten und die Autonomie der Bauern leidet. Trotz aller Versprechen: Gentechnisch veränderte Organismen stillen keinen Hunger in der Welt. Hungerkrisen haben viele Ursachen – primär Krieg, aber auch der Verlust entlang der ganzen Lieferkette und Wirtschaftskrisen.

Klimawandel und Gentechnik

Der Klimawandel bringt immer heftigere Wetterschwankungen. Gene lassen sich jedoch nicht auf Wunsch an- oder ausschalten, damit sich eine Pflanze während einer von verschiedenen Wetterextremen geprägten Saison gut entwickelt. Auch die Gentechnik wird daran nichts ändern. Wie sollen wir den multinationalen Konzernen glauben, wenn sie behaupten, den Pestizideinsatz durch die Kreation neuer GVO zu senken, während deren eigenes Geschäft gerade Dank dem Verkauf von Pestiziden floriert?

Unsere Forderungen

Seit der Lancierung der Gentech-Initiative im Jahr 2003, die durch die Kleinbauern-Vereinigung getragen wurde und in ein Moratorium von GVO-Pflanzen mündete, fordern wir eine strenge Regulierung aller gentechnischen Verfahren. Des Weiteren darf das Innovationsprinzip gegenüber dem Vorsorgeprinzip nicht höher gewichtet werden: Es dürfen keine Produkte auf den Markt gebracht werden, die nicht kontrolliert werden können. Eine umfassende Überwachung möglicher unvorhergesehener Auswirkungen ist unerlässlich. Ein rechtlicher Rahmen ist ebenfalls erforderlich, um Verantwortlichkeiten und Handlungsoptionen zu definieren und die Koexistenz sowie die Entscheidungsfreiheit von Konsumenten und Landwirtinnen sicherzustellen.

Natürliches Gleichgewicht und Resilienz durch Diversität

Ohne Regeln gibt es weder Transparenz noch eine verlässliche Kennzeichnung. Wie können wir den Herausforderungen des Bevölkerungswachstums und von unvorhersehbaren Wetterereignissen begegnen? Indem wir auf Diversität setzen, um das natürliche Gleichgewicht und die Resilienz zu fördern. Neben dem Austausch von bäuerlichem Wissen sind finanzielle Mittel für die Forschung nicht in den Dienst der industriellen, sondern der bäuerlichen Landwirtschaft zu stellen.

  • Dieser Artikel erschien in der Agricultura-Ausgabe 4/2025. Autorin: Anne Berger

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