In der Frühjahrssession der eidgenössischen Räte hat Kilian Baumann, Nationalrat und Präsident der Kleinbauern-Vereinigung die Motion 26.3429 für eine Strategie für den Generationenwechsel in der Landwirtschaft eingereicht. Wir freuen uns, dass unser Anliegen von Mitunterzeichnenden aus der Fraktion der Grünen, der SP, der GLP und der Mitte mitgetragen wird.

Ein Viertel der Betriebsleitenden in der Schweiz ist über 60 Jahre alt und wird somit in den kommenden fünf Jahren das Pensionsalter erreichen bzw. hat dieses bereits erreicht. Mit dem Erreichen des Pensionsalters entfallen in der Schweiz die Direktzahlungen für die Landwirtschaft. Weitere 32.1 Prozent der Betriebsleitenden sind zwischen 50 und 59 Jahre alt und werden somit ebenfalls in absehbarer Zeit das Pensionsalter erreichen. Im Vergleich zu 2000 sind die Betriebsleitenden heute deutlich älter.
Die Betriebsweiterführung durch die Familie ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr
Eine Umfrage aus dem Jahr 2016 zeigt, dass nur bei 44 Prozent der über 50-jährigen Betriebsleitenden eine Betriebsweiterführung durch die Familie wahrscheinlich war. Bei 21 Prozent der über 50-jährigen Betriebsleitenden war diese unwahrscheinlich und in 35 Prozent der Fälle ungewiss.
Fehlt es zum Zeitpunkt der Pension an einer familieninternen Nachfolgelösung, wird der Betrieb oft aufgegeben – das Wohnhaus wird abparzelliert und das Land verpachtet oder verkauft. Die Abwesenheit einer Nachfolge in der Familie wird somit zu einem treibenden Faktor des Strukturwandels, ungeachtet von wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Überlegungen. So schreitet das Hofsterben voran und die verbleibenden Betriebe werden in der Folge immer grösser und kapitalintensiver.

Ausserfamiliäre Hofübergabe als Teil der Lösung
Für eine vielfältige und zukunftsfähige Landwirtschaft, die eine sichere Versorgung gewährleistet, sind auch kleine und mittelgrosse Bauernbetriebe von essenzieller Bedeutung. Die Kleinbauern-Vereinigung fordert deshalb eine Abkehr von der einseitigen «Wachse-oder-weiche-Strategie» des Bundes. Stattdessen sollen optimale Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Bauernbetriebe weitergegeben werden, statt diese aufzugeben und zu zerstückeln.
Denn an der Nachfrage scheitert es nicht: Es gibt viele gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte ohne Aussicht auf Übernahme eines eigenen Betriebs, die einen Hof führen und Lebensmittel produzieren möchten. Diesen bleibt der Zugang zur Landwirtschaft allzu oft verwehrt.
Für die Kleinbauern-Vereinigung ist klar, dass ausserfamiliäre Hofübergaben eine wichtige Rolle spielen, um dem Hofsterben in der Schweiz entgegenzuwirken und einen attraktiven und zukunftsfähigen Agrarsektor zu erhalten. Dafür müssen jedoch bestehende Hürden und Fehlanreize für ausserfamiliäre Hofübergaben erkannt und beseitigt werden. Es braucht gezielte Unterstützungsmassnahmen sowohl für Hofabgebende als auch für Hofübernehmende.
Wir fordern eine Strategie für den Generationenwechsel in der Landwirtschaft
Mit der Motion wird der Bundesrat beauftragt, eine Strategie für den Generationenwechsel in der Landwirtschaft zu erarbeiten. Darin sollen die finanziellen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die für den Generationenwechsel relevant sind, systematisch untersucht werden. Gestützt darauf sollen Massnahmen ergriffen werden, um bestehende Hürden und Fehlanreize zu beheben und den Generationenwechsel zu fördern.
Weitere Informationen
Politisch die Weiche stellen
Nach wie vor ist es eine Herausforderung, ausserfamiliär einen Hof zu übernehmen. Über ihre politische Arbeit engagiert sich die Kleinbauern-Vereinigung dafür, Hürden abzubauen und den Zugang zu Land für die junge Generation zu erleichtern.
Themendossier Strukturwandel & Vielfalt
Weshalb vergrössern bestehende Betriebe laufend ihre Flächen und die kleinen und mittleren Bauernhöfe verschwinden. Wer hat Zugang zu Land und wieso? In unserem Dossier zu Vielfalt, Hofsterben und Strukturwandel finden sie Antworten und Hintergrundinformationen.