«Allein als Frau einen Hof suchen, das ist das Problem»

Ausserfamiliär einen Hof zu finden, kann aus vielen Gründen schwierig sein. Viele Abgebende wünschen sich eine Familie, ein Paar oder zumindest einen Mann. Und was, wenn frau allein sucht? Ein Portrait einer Meisterlandwirtin auf Hofsuche, die den elterlichen Betrieb nicht übernehmen darf.

Valérie Maurer ist auf einem Bauernhof im Kanton Neuenburg aufgewachsen. Als Meisterlandwirtin sucht sie einen gemischten Betrieb zum Pachten oder Kaufen.

«Ich habe eine grosse Leidenschaft für die Landwirtschaft und bin gerne unabhängig», schreibt die 31-jährige Valérie Maurer in ihrem Profil als Hofsuchende. Auf dem Bauernhof ihrer Eltern half
sie als Kind vor allem bei den Hausarbeiten mit. «Es stand nie zur Diskussion, ob ich im Stall oder mit den Maschinen arbeiten sollte. Wahrscheinlich weil einer meiner Brüder immer auf dem Traktor sass und der andere bei den Tieren war.» Nach der obligatorischen Schule machte sie die Lehre zur kaufmännischen Angestellten. Als sie dann bei ihrem damaligen Freund auf dem Hof mitarbeitete, wurde der Bürostuhl langweilig und sie beschloss, Landwirtin zu lernen. Einer ihrer Brüder machte auch die landwirtschaftliche Lehre, aber er ist an einem Ackerbaubetrieb interessiert und nicht am elterlichen Milchkuhbetrieb. Und Valérie? «Ich hätte gerne mit meinen Eltern eine Generationsgemeinschaft gegründet und später übernommen, aber sie wollen nicht, dass eine Frau übernimmt. Dazu hätte ich ihrer Meinung nach zu wenig breite Schultern.» Das sei für sie zuerst sehr schwierig gewesen. Aber die anschliessende Ausbildung zur  Betriebsleiterin mit eidg. Fachausweis und später das Meisterdiplom haben ihr geholfen: Im Austausch mit anderen verstand Valérie, dass sie damit nicht allein ist und es sich um ein gesellschaftliches Problem handelt.

Maschinen und Tiere als Türöffner

Während ihren landwirtschaftlichen Ausbildungen waren die Frauen in der Minderheit, aber für sie war dies kein Problem, erzählt Valérie: «Manchmal war ich die einzige Frau, aber ich finde, das ist das Schöne an den Bauern: Ich mag Kühe und alles, was mit Maschinen zu tun hat, also konnte ich mich immer mit ihnen unterhalten. Hätte ich mich nur für Pferde interessiert, wäre es wahrscheinlich schwieriger gewesen.» Nach 5 Jahren als angestellte Landwirtin will Valérie selbst entscheiden können und von ihren Ausbildungen Gebrauch machen. Von ihren Vorgesetzten habe sie sich nie diskriminiert gefühlt. Im Gegenteil, sie hätten es immer sehr geschätzt, dass sie verglichen mit Männern ruhiger mit dem Vieh umging.

Seit 2019 ist Valérie in der ganzen Schweiz und im Ausland auf der Suche nach einem Betrieb, am liebsten mit Milchkühen, Futter- und Ackerbau. Über die Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe wurde sie in den letzten 18 Monaten 14-mal an Hofabgebende vermittelt, wovon sie nur drei kontaktiert haben. Für sie ist der Grund klar: «Ich denke, es ist wirklich die Tatsache, dass ich allein bin. Sucht Mann allein, ist es weniger schwierig. Aber allein als Frau einen Hof zu suchen, das ist das Problem.» Zudem sei man in der Schweiz sehr intransparent, was die Hofübergabe anbelangt. In Frankreich gäbe es ein Hofportal, wo alle Höfe öffentlich ersichtlich sind, und ausserfamiliäre Hofübergaben und Betriebsleiterinnen seien nichts Spezielles. Was den Zugang zu Land für Frauen erleichtern könnte? «Portraits von Betriebsleiterinnen zu machen. Zeigen, wie sie ihren Hof gefunden haben, dass es funktioniert und dass ihr Geschlecht kein Hindernis darstellt.» Und Valérie ist überzeugt, dass das Hofsterben grundsätzlich gestoppt werden muss, denn sonst sei es irgendwann für alle zu spät.

  • Dieser Artikel erschien in der Agricultura-Ausgabe 3/2023. Autorin: Mirjam Bühler

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