Agroforst und Mehrnutzenhecke fürs Klima

SOMMERSERIE // Kulturlandschaft mit Mehrnutzenhecken und Baumreihen: Seit 2022 setzt Pirmin Adler auf seinem Biohof in Oberrüti (AG) auf einen Agroforst mit Sträucher, Wildobst- und Laub- und Nadelbäume, die gleich mehrere Funktionen erfüllen: Sie dienen den Kühen auf der Weide als natürliche «Selbstbedienungs-Apotheke», fördern die Biodiversität, verbessern das Mikroklima und tragen zur CO₂-Speicherung bei. Teil 6 unserer Sommerserie #fürsKlima mit einem Portrait des Biohof Adlerzart in Oberrüti (AG).

Agroforst und holistisches Weidemanagement

Im November 2022 pflanzte Pirmin Adler mit Hilfe von Freiwilligen auf einer Fläche von drei Hektaren rund 1500 Gehölze. Inzwischen wurde das System auf weitere neun Hektaren ausgeweitet. Das Agroforstsystem soll künftig auf den gesamten Betrieb übertragen werden. «Wir möchten die Biodiversität fördern, damit ein stabiles, widerstandsfähiges Ökosystem schaffen und gleichzeitig die natürlichen Bedürfnisse unserer Nutztiere respektieren», erklärt Pirmin Adler.

Im Zentrum seiner Bewirtschaftung stehen der Agroforst, der konsequente Humusaufbau und ein holistisches Weidemanagement. Dieses ganzheitliche System fördert die Biodiversität, verringert den Ausstoss von Klimagasen, bindet Kohlenstoff in den Bäumen und im Boden, macht den Hof widerstandsfähiger gegen Klimaschwankungen und stärkt das Tierwohl. Die Integration von Frischzweighäcksel im Stall verbessert zudem das Stallklima und stärkt die Tiergesundheit.

Prix Climat 2025 & Wissensweitergabe

Im Herbst 2025 gewann der Biohof Adlerzart mit seinem Agroforst und Mehrnutzungshecken den Prix Climat. Pirmin Adler überzeugt sowohl das Publikum als auch die Fachjury und gewann gleich beide Prix Climat-Preise. Sein Wissen gibt er als Coach beim Projekt «vo Büürin zu Buur» an andere Landwirtinnen und Landwirte weiter. «Ich will das Konzept der Mehrnutzen-Hecken auch anderen Betrieben mit Weiterbildungen vermehrt zugänglich machen, um Agroforst, Biodiversität und eine standortangepasste Tierhaltung in der Landwirtschaft breiter zu verankern», erzählt Primin Adler.

Erfahrungen im Dürresommer 2026

Der Beobachter titelte in seinem Artikel von Anfang August «Wie ein Aargauer Bauer der Jahrhundert-Dürre trotzt» und die BauernZeitung schrieb auf ihrer Titelseite «Da wächst noch was». Das noch junge Agroforstsystem zeigt in diesem Sommer bereits seine Wirkung: Die Gehölze spenden den Tieren Schatten und sorgen für Feuchtigkeit. Sie wachsen auch bei Hitze und Trockenheit gut und dienen den Kühen während dieser Zeit als schmackhafter Futterersatz zu Gras. Die Hecke bringt auch der Weide Vorteile, denn diese können aus tieferen Bodenschichten Wasser und Nährstoffe nach oben bringen und fördern Mykorrhiza.

In Zukunft möchte Pirmin Adler die Wiesen und Weiden mit tiefer wurzelnden Arten wie Rohrschwingel oder Knaulgras anreichern. Und trotz den Vorteilen, die sich bereits heute zeigen, erläutert Pirmin gegenüber der BauernZeitung: «Es dauert wohl noch etwa 20 Jahre, bis mein Agroforst so entwickelt ist, wie ich mir das vorstelle».

  • Autorin: Alina Schönmann mit Textausschnitten des Prix Climats

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