Für mehr Hörner im Stall

Nach der Fair-Food Initiative und der Ernährungssouveränität stimmen wir am 25. November wieder über ein landwirtschaftliches Thema ab: die Hornkuh-Initiative. Ihr Ziel ist es, den Mehraufwand von horntragenden Kühen und Ziegen zu entgelten. Die Kleinbauern-Vereinigung setzt sich für eine wesensgemässe Nutztierhaltung ein und unterstützt deshalb die Hornkuh-Initiative.

Bereits seit Jahren ist eine Förderung der Haltung von horntragenden Tieren ein Thema. Offene Briefe wurden geschrieben und Petitionen eingereicht, in der Politik geschah jedoch nichts. Anfang 2017 wurde dann die Initiative «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere (Hornkuh-Initiative)» erfolgreich eingereicht. Beinahe wäre die Forderung im Jahr darauf auf Gesetzesebene umgesetzt worden und eine Abstimmung wäre unnötig gewesen. Leider hat sich die Wirtschaftskommission des Ständerates dagegen entschieden und so diese Chance zu Nichte gemacht. Deshalb entscheidet nun am 23. November das Schweizer Stimmvolk, ob die Förderung von behornten Tieren in die Verfassung geschrieben werden soll.

Zwei Hörner mit unzähligen Funktionen

Hörner von Kühen und Ziegen sehen schön aus, sind jedoch viel mehr als Dekoration. Sie sind wichtig für Kommunikation, Sozialverhalten und Körperpflege. Vermutet wird zudem, dass die Hörner in einer Wechselwirkung mit Stoffwechsel und Verdauung stehen. Die äussere Hülle besteht aus Hornmaterial, wie menschliche Haare und Nägel. Diese Hornscheiden schützten die knöchernen Hornzapfen, die eine Verlängerung der Stirnhöhlen und deshalb durchblutetet und mit Nerven durchzogen sind. Die Mehrheit der Milchkühe in der Schweiz ist hornlos. Darunter fallen auch genetisch hornlose Tiere. Deren Anzahl nimmt von Jahr zu Jahr zu. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Den anderen wurden die Hornknospen ausgebrannt. Dieser Eingriff wird meist in der zweiten oder dritten Lebenswoche des Kalbs durchgeführt, dann sind die Hornknospen ertastbar, aber noch nicht zu stark ausgebildet. Den Tieren wird dazu Beruhigungs- und Schmerzmittel verabreicht und der Eingriff wird entweder von Tierärzten oder geschulten Landwirten vorgenommen. Dennoch – so zeigt eine noch unveröffentlichte Studie der Uni Bern – leiden Kälber noch monatelang an Schmerzen. Beim Gitzi ist das Enthornen noch anspruchsvoller als beim Kalb. Die Hörner der Ziegen beanspruchen einen grösseren Anteil der Schädeldecke, die zudem dünner ist. Dadurch erhöht sich beim Enthornen die Gefahr das Gehirn zu verletzen.

Mehr Platz und Struktur für weniger Tiere

Die Hornkuh-Initiative fordert kein Verbot der Enthornung, sondern eine finanzielle Unterstützung für die Haltung behornter Tieren. Denn die Arbeit mit behornten Tieren ist aufwändiger und teurer. Mehrkosten entstehen vor allem beim Stall: Tiere mit Hörnern brauchen breitere Fress- und Liegeplätze. Der Stall muss so gestaltet sein, dass neue und rangniedere Tiere ausweichen können. In der Regel vermeiden Kühe Körperkontakt und halten ausreichend Distanz zu Artgenosseninnen. Diese Individualdistanz beträgt bei Hornkühen ein bis drei Meter, bei enthornten Tieren nur dreissig Zentimeter bis einen Meter. Insgesamt wird ein Laufstall für horntragende Kühe rund ein Drittel grösser. Weniger Tiere auf mehr Platz bedeutet auch weniger Einnahmen. Dazu kommt ein grösserer Zeitaufwand für die Pflege der Mensch-Tier-Beziehung. Kritische Stimmen behaupten, die Initiative fördere Anbindeställe und schränke ausserdem die Entscheidungsfreiheit der Bauern ein. Unzählige Betriebe beweisen tagtäglich, dass sich behornte Tiere auch in Laufställen halten lassen. Die höheren Kosten sollen jedoch entschädigt werden. Denn erst wenn der finanzielle Mehraufwand ausgeglichen ist, haben die Bäuerinnen und Bauern eine vom Portemonnaie unabhängige Wahl.

Dieser Artikel erschien in der Ökologo-Ausgabe 4/2018.

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