«Man muss einfach immer wieder miteinander reden…»

35 Jahre bauerte Familie Käser in dritter Generation im hügeligen Emmental Anfangs 2018 übergaben sie ihren Hof in «fremde» Hände an Paul und Heidi Schranz. Beide Paare geben Einblick, wie es zur Übergabe kam und welche Fragen und Gedanken ihnen bei und nach der Hofabgabe bzw. Hofübernahme durch den Kopf gingen.

Wieso wurde eine ausserfamiliäre Hofübergabe zum Thema?

Robert: Als ich etwa 60 war, begannen wir zu überlegen, wie es mit dem Hof weitergehen soll. Unsere vier Kinder haben ihren Weg sonst wo gefunden. Von Nachbarn gab es schon Anfragen, wir wollten aber den Hof als Einheit erhalten. Für uns war es ein Anliegen einer jungen Familie eine Heimat zu ermöglichen – so wie ich sie gekannt hatte.

Wie sind Sie bei der Nachfolgesuche vorgegangen?

Robert: Als klar war, dass keines der Kinder übernimmt, haben wir zuerst im engeren Familienkreis angefragt. Nur der Sohn einer Cousine kam den Hof besichtigen, aber daraus wurde nichts. Wir haben uns beim Inforama professionell beraten lassen, was die Hofübergabe, Pachtbedingungen und Schätzung angeht. Diese Abklärungen waren wichtig.

Esther: Im Januar 2017 haben wir unser Hofprofil bei der Kleinbauern-Vereinigung eingereicht. Danach hatten wir 16 Dossiers auf dem Stubentisch – eine Herausforderung!

Robert: Im nächsten Schritt haben wir einige Hofsuchende angerufen. Eine erste Familie kam auf Hofbesichtigung.

Esther: Ja, und danach konnte ich nicht schlafen. Hatte einfach das Gefühl, sie seien nicht die Richtigen.

Wie haben Sie Familie Schranz kennengelernt?

Robert: Meine Cousine hat mir von Familie Schranz erzählt. Als ich ihr sagte, dass wir von ihnen das Suchprofil auf dem Tisch hätten, meinte sie: «Ruf sie an!».

Esther: Und so kam es, dass Paul und Heidi mit Sohn John auf den Hof kamen. Die Nacht darauf habe ich sehr gut geschlafen und bin mit einem tollen Gefühl aufgewacht.

Robert: Beim Gespräch haben wir gemeinsame Punkte entdeckt, so spielt Heidi in einem Posaunenchor – was ich auch über 30 Jahre gemacht hatte – und ihr Bruder wohnt hier im Dorf. Auch unsere Werte teilen sie.

Wie ging es weiter?

Esther: Eine Woche später teilten sie uns mit, dass es sie freuen würde, auf dem Hof wohnen und arbeiten zu können. Für Familie Schranz war es wichtig, auf Januar 2018 übernehmen zu können. So fingen wir mit den Renovationsarbeiten beider Wohnungen an.

Wie sieht die Zukunft aus?

Robert: Wir sind für Änderungswünsche in der Bewirtschaftung von Seiten der Pächter offen. So wäre es zum Beispiel denkbar, dass man nicht mehr melkt. Da denke ich eher objektiv als emotional. Man muss den Jungen Freiheiten lassen – so wie es mit den eigenen Kindern auch der Fall wäre.

Esther: Die eigenen Kinder kennt man schon, man weiss wie man selbst und wie sie reagierten. Hier müssen wir es noch gegenseitig lernen. Aber wenn es nicht die Familie ist, ist es einfacher Veränderungen und Kritik anzunehmen.

Paul und Heidi Schranz, seit anfangs Jahr pachtet ihr auf Käsers Hof. Was ist Ihr Hintergrund?

Paul: Ich bin als Jüngster von sieben Kindern auf einem steilen Bergbetrieb im Berner Oberland aufgewachsen. Ich habe eine Lehre als Zimmermann und den Nebenerwerbskurs gemacht. Danach habe ich auf beiden Berufen gearbeitet.

Heidi: Ich bin im Emmental auf einem Bauernhof aufgewachsen. Mit Tieren zu arbeiten hat mir immer Freude bereitet. Ich bin gelernte Bäcker-Konditorin und besuchte die Hauswirtschaftsschule auf dem Hondrich. Als Paar hatten wir dann den Traum vom eigenen Hof und fingen an zu suchen.

Und auch gefunden?

Paul: Ja, ab 2014 waren wir auf einem 24 ha Pachtbetrieb Betriebsleiter. Diese Pacht war aber für uns unbefriedigend und die Vorstellung der Verpächterin, wie der Betrieb geführt werden sollte, liess uns keine Freiheit.

Heidi: Mit der Geburt unseres Sohnes John im Juni 2016 wurde die Situation noch schwieriger. Für uns war klar, Gesundheit und Familie kommen zuerst. Deshalb haben wir nach vier Jahren unser Pachtverhältnis auf Ende 2017 aufgelöst.

Wie haben Sie nach einem anderen Hof gesucht?

Paul: Anfang 2017 haben wir unser Suchprofil bei der Kleinbauern-Vereinigung eingereicht. Parallel haben wir über unser Netzwerk und über Inserate in der Fachpresse gesucht. Da wir eigenes Inventar hatten, war es wichtig, dass wir auf Anfang 2018 wieder etwas hatten. Idealerweise zum Kaufen, obwohl die Finanzierung eine Schwierigkeit darstellt.

Heidi: Im Mai kontaktierten uns Käsers. Am Anfang waren wir sehr skeptisch: Mit der Pacht hatten wir schlechte Erfahrungen gemacht. Und auch im gleichen Haus wohnen? Wie sollte das gehen?

Wie ging es weiter?

Paul: Anfang Juni waren wir zum ersten Mal auf dem Hof. Wir hatten sofort das Gefühl, sie sind liebenswerte, gute Menschen! Für uns war es sehr wichtig, dass es zusammenpasst. Der Kontakt zu John war auch gut, Kinder und neues Leben waren auf dem Hof willkommen. Nach einer Woche haben wir angerufen und zugesagt.

Wie waren die ersten Gespräche?

Paul: Robert hat uns von Anfang an gesagt, dass er offen gegenüber Veränderungen sei. Für uns war das eine Erleichterung! Wir haben auch praktische Punkte der Übergabe besprochen.

Wie verlief die eigentliche Übernahme?

Paul: Wir haben die Kühe von Robert übernommen und unsere bis auf zwei Tiere verkauft. Beim Inventar haben wir auch aussortiert und verkauft, was für diesen Betrieb nicht nützlich war.

Heidi: Mitte Dezember sind wir hierhergezogen. Wir waren gespannt auf den Hof und freuten uns auf ein Zuhause, wo wir willkommen sind. Das Vertrauen von Robert und Esther gibt uns viel Energie für Neues.

Drei Generationen unter einem Dach

Robert (1952) und Esther (1957) Käser, Verpächter

Paul (1984), Heidi (1989) und John (2016) Schranz, Pächterfamilie

Hofgeschichte

1924: Kauf des Hofs durch Roberts Grossvater

1952: Geburt von Robert, als ältestes von 8 Kindern

1983: Pacht des Familienhofs durch Robert, gefolgt vom Kauf 1988

2018: Ausserfamiliäre Verpachtung an Familie Schranz

Betriebsspiegel

8,24 ha

Bergzone I (800 m ü. M.)

12 Kühe

Seit 2006 Industriemilch (Lieferecht von 78’000 kg an Emmi), früher Käsereimilch (Emmentaler)

Wie gelingt die Hofübergabe? Antworten aus der Sicht von Familie Käser und Schranz

  • Auf sein Herz und seine Gefühle hören
  • Etwas wagen und nicht vor Hindernissen zurückschrecken
  • Offen sein für neues bzw. loslassen können
  • Eines nach dem anderen angehen
  • Gespräche und Austausch pflegen
  • An der Beziehung arbeiten
  • Gegenseitig voneinander lernen
  • Sich professionell beraten lassen

 

Dieser Artikel erschien in der Ökologo-Ausgabe 2/ 2018

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