Hofauflösung in Horw LU: Widerstand gegen Gemeindebeschluss

Die Luzerner Gemeinde Horw will einen 17 Hektar grossen Bauernhof auflösen, weil er aufgrund seiner Grösse nicht kostendeckend bewirtschaftet werden könne. Stattdessen soll das Land aufgeteilt und an die umliegenden Betriebe verpachtet werden. Dieser Entscheid sorgte Anfang Jahr zu Recht für Kopfschütteln bei der Bevölkerung. Auch die Kleinbauern-Vereinigung hat den Horwer Gemeinderat aufgefordert, den Entscheid zu überdenken und jungen Hofsuchenden eine Chance zu geben.

Die Gemeinde Horw besitzt auf der gleichnamigen Halbinsel den Bauernhof Grämlis. Der 17-Hektar-Betrieb wird seit 46 Jahren von der gleichen Pächterfamilie bewirtschaftet und ist aufgrund seiner Stallvisiten vor allem bei den lokalen Schulklassen sehr beliebt. Altershalber haben die Betriebsleiter den Pachtvertrag nun per März 2018 gekündigt. Die Gemeinde Horw will den Hof allerdings nicht mehr als Ganzes neu verpachten, sondern das Land an die umliegenden Bauernbetriebe aufteilen und den Grämlishof somit auflösen. Begründet wird dieser Entscheid mit einer Analyse des kantonalen Berufsbildungszentrums, die zum Schluss kam, dass der Grämlishof aufgrund seiner Grösse nicht kostendeckend bewirtschaftet werden könne.

Zur Erinnerung: Die Durchschnittsgrösse eines Bauernhofs in der Schweiz liegt mit 19.7 Hektaren nur leicht über dem Grämlishof. Einen Betrieb an dieser Lage nur auf seine Grösse zu reduzieren, ist mehr als fragwürdig. Die Kleinbauern-Vereinigung hat im März die Fraktionen des Einwohnerrats auf diese fragwürdige Argumentation aufmerksam gemacht. Aufgrund seiner Nähe zu Luzern und der bereits heute guten Besucherfrequenz hat der Hof sehr grosses Potential, um in Zukunft auf ein stark wertschöpfungsorientiertes, konsumentennahes Betriebskonzept zu setzen.

Die von der Kleinbauern-Vereinigung im Jahr 2014 ins Leben gerufene Anlaufstelle für die ausserfamiliäre Hofübergabe zeigt, dass heute sehr viele gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte oft jahrelang vergeblich einen Hof suchen. Das gilt auch für die Zentralschweiz. Gerade etwas kleinere und damit erschwingliche Betriebe sowie Pachtbetriebe sind oft die einzige Einstiegsmöglichkeit für Jungbäuerinnen und -bauern ohne Betrieb in der Familie. Die öffentliche Hand sollte hier ihre wichtige Rolle wahrnehmen und diesen Betrieben und jungen Landwirten, die auf Hofsuche sind, eine Chance geben.

Widerstand auch bei der Horwer Bevölkerung

Neben der Kleinbauern-Vereinigung hat auch eine Mehrheit der Einwohnerräte und der Horwer Bevölkerung kein Verständnis für den Entscheid des Gemeinderates. An einem Ende Mai veranstalteten Podiumsgespräch, an dem auch die Kleinbauern-Vereinigung teilnahm, zeigte sich: Der Erhalt des Grämlishofs ist der Bevölkerung ein grosses Anliegen, selbst den bäuerlichen Nachbarn. Voten, die das Vorgehen des Gemeinderats unterstützten, blieben aus. Ein Quartierverein sammelt inzwischen Unterschriften für eine Petition zum Erhalt des Grämlishofs als Ganzes. Der Gemeinderat selbst nahm an der Podiumsdiskussion nicht teil. Man wolle sich erst wieder offiziell äussern, wenn der vom Einwohnerrat verlangte Planungsbericht zum Grämlishof vorliegt. Dies wird voraussichtlich im September der Fall sein. Es bleibt zu hoffen, dass der Gemeinderat die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung berücksichtigt und seinen Entscheid überdenkt.

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