Film ab für den Generationenwechsel

Die Kleinbauern-Vereinigung setzt auf bewegte Bilder um die Hofübergabe zu porträtieren. So entstanden Ende 2018 fünf Kurzfilme, welche Mut zum Generationswechsel machen. Sie zeigen die Menschen hinter der Hofübergabe und ihre Motivationen. Erfahren Sie mehr zum Dreh und zu Brice Prudat, Hofsuchender und Filmprotagonist aus Renan BE.  

Der Himmel ist noch bedeckt auf dem Hof Clair Vent in Renan als sich Regisseurin Antonia Meile und Kameramann Stephan Huwyler an die Arbeit machen. Dem Drehplan folgend, werden zwei Kameras ausgepackt und auf der Laube eingerichtet. Das Morgenlicht ist für die erste Szene perfekt, weder zu stark noch zu schwach. Im Drehplan steht: «Einfüllen und Etikettieren des selbstgemachten Zwetschgenweins». Die Aussage der Szene ist klar, der junge Mann im Bild macht seine Arbeit konzentriert und kompetent.

Es braucht Zeit bis etwas entsteht

Der Hofsuchende Brice Prudat arbeitet auf dem Betrieb Clair Vent, der zu einer sozialtherapeutischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für Erwachsene gehört und Betreuungsplätze anbietet. Auf dem Hof werden Kühe, Schafe, Ziegen und Schweine gehalten. Dazu wird etwas Acker- und Gemüsebau betrieben und 80 Hochstammobstbäume gepflegt. So könnte auch der zukünftige Hof von Brice Prudat aussehen. Als landwirtschaftlicher Mitarbeiter ist Prudat für die Organisation der Hofarbeiten und deren Ausführung mit den Bewohnern verantwortlich. «Die Erfahrungen, welche ich hier sammle, werden mir auf meinem zukünftigen Hof nützlich sein», so Prudat, und füllt die Flaschen mit dem selbstgemachten Zwetschgenwein ab. Ein Experiment unter anderen. Der diplomierte Biologe interessiert sich für alles rund um Früchte und macht aktuell eine Weiterbildung im Obstbau. Wer sich für Hochstammobstbäume interessiert, denkt langfristig. So auch der Jurassier.

Klare Ziele und Aussagen

Beim Interview auf dem Balkon gibt Brice Prudat auf die Fragen von Antonia Meile klare Antworten. Will er wirklich, auch mit Uni-Diplom, einfach Landwirt sein? Nach einem Jahr auf einem Gemüsebetrieb sei für ihn klar gewesen, dass er etwas mit den Händen machen will: «Wenn man sein eigenes Getreide oder Gemüse wachsen sieht, ist das unglaublich zufriedenstellend. Auch die Arbeit mit den Tieren bringt mir sehr viel». Eher kaufen oder pachten? «Für mich kommt eher ein Hofkauf in Frage. Denn bis ein Obstbaum Früchte trägt, braucht es eine gewisse Zeit. Die Finanzierungsfrage ist immer eine Hürde. Ich habe das Glück, dass meine Familie mein Vorhaben unterstützt, auch finanziell», meint Prudat. Im Jura besitzt seine Familie noch Landwirtschaftsland. Warum kommt dieses nicht in Frage? «Das Land ist verpachtet und das eigentliche Bauernhaus im Dorf wird nicht mehr für die Landwirtschaft gebraucht. Ideal wäre ein kleiner Betrieb in der Nähe, was einem Sechser im Lotto entspräche.» Über die Anlaufstelle der Kleinbauern-Vereinigung erweitere er seinen Suchradius.

Ab Mittag klärt sich das Wetter, der Dreh wird draussen weitergeführt. Der Herbst 2018 ist früchtereich wie schon lange nicht mehr. Es gibt im Obstgarten viel zu tun. Mit der Hilfe von Bewohner Lorin und der Lehrtochter Marine werden kleine Birnen für Schnaps und Saft geerntet. Der Rest wird den drei Schweinen verfüttert. «Mein Ziel ist es einen Hof mit anderen Personen zu übernehmen, so ist ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit möglich.» erklärt Prudat und gibt bei einer Drehpause eine überreife, braune Birne dem Filmteam zum Probieren. «Erstaunlich, aber köstlich», meint die Filmemacherin. Der Jungbauer weiss, dass diese Sorte nur nach viel Reifezeit geniessbar ist. Auch die Hofsuche braucht ihre Zeit – schliesslich übernimmt man nicht jeden Tag einen Betrieb.

Künstlerisches Schaffen mit Sinn

Die Landwirtschaft ist für Antonia Meile, deren Vater Winzer ist, kein Neuland. «Ich fühle mich mit der Landwirtschaft verbunden. » Im Sommer 2016 arbeitete sie während dreieinhalb Monaten als Allrounderin im Geissenparadies auf der Göscheneralp. «Dazu habe ich den Crowdfunding-Film Geissenparadies gedreht.» Und dies offenbar mit eindrücklichem Erfolg, denn der Film war sicherlich mit ein Grund, dass das Projekt von vielen Menschen unterstützt wurde. Beim Dreh auf dem Bauernhof ist diese Verbundenheit spürbar, sei es im Stall wo Prudat beim Melken gefilmt wird oder später bei den Strahlenziegen. Die Regisseurin, Kamera- und Tonfrau realisiert nebst Autorenfilmen auch Auftragsfilme. «Für mich ist es wichtig an den Sinn des Films zu glauben. Meine Kurzfilme für Caritas, die Stiftung Contenti oder die Kleinbauern-Vereinigung erfüllen dies.» Antonia Meile und Stephan Huwyler haben an der Hochschule Luzern Video studiert und sich 2016 bei einem Kulturaustauschprojekt in Shanghai wieder getroffen. Daraus entstand ein gemeinsamer Kurzfilm, Rising Dragon. Die gute Zusammenarbeit ist Antonia Meile wichtig, am Set merkt man es. Mit einem Blick gibt sie Stephan Huwyler zu verstehen, wie sie die Szene will. Hier soll der Fokus auf dem Gesichtsausdruck von Prudat sein, sein Interesse soll im Film sichtbar sein – und schon ist das Zoom der Kamera angepasst.

Sensibilisierung über das direkte Umfeld

Da die ausserfamiliäre Hofübergabe in der Schweiz keine Tradition hat, verlangt sie von allen Beteiligten ausserordentliches Engagement. Bei Hofübergaben ist die ganze Familie involviert – oft ist sie eine treibende Kraft, wenn es darum geht den Hof abzugeben, dabei spielen auch die PartnerInnen eine zentrale Rolle. Die Kurzfilme sollen Gespräche rund um den Generationenwechsel in der Landwirtschaft anregen. Indirekt soll erreicht werden, dass die Kunden, Nachbarn und Verwandten von Bauern ohne Nachfolge das Thema Generationenwechsel ansprechen. Neben dem Gesprächsstoff sorgen die Filme auch für positive Beispiele – sie sollen Bauern und Bäuerinnen ohne Nachfolge zu einer ausserfamiliären Hofnachfolge ermutigen. Sie zeigen der abgebenden Generation, dass es gut ausgebildete, interessierte Hofnachfolger gibt.

Jetzt die 5 Kurzfilme anschauen

Dieser Artikel erschien im Ökologo 1/2019

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