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F.A.M.E. – Selbstorganisierte Ausbildung im ökologischen Gemüsebau

Ausbildung ohne Kompromisse: Das will das Kollektiv hinter F.A.M.E. Und auf den aktuellen Fachkräftemangel im kleinstrukturierten Gemüsebau reagieren. Nebenbei integriert es ganz selbstverständlich politische, soziale und ökologische Fragen. Ein Besuch beim Pilotjahrgang.

Seinen Anfang nimmt F.A.M.E. (kurz für Formation Autogerée de Maraîchage Écologique) an der Begegnungsallmende für regenerative und solidarische Landwirtschaft. Die Idee dieses jährlichen Austauschtreffens geht auf den Begriff der «Allmende» zurück, der im landwirtschaftlichen Kontext eine Fläche bezeichnet, die gemeinschaftlich und selbstorganisiert genutzt wird. Am Treffen 2019 wurde unter anderem der Fachkräftemangel im Gemüsebau diskutiert und die Idee einer neuen Ausbildung geboren. «An der Allmende 2020 hat sich dann eine Arbeitsgruppe formiert, zu der immer mehr Menschen dazukamen. Diese bilden heute den ersten Jahrgang unserer Ausbildung» erzählt Helena, die zum Kollektiv gehört.

Die Ausbildung und das Konzept dahinter

Ziel von F.A.M.E. ist es, Gemüsebau zu erlernen – von der Aussaat bis zur Ernte. «Wir verstehen ökologischen, vielfältigen und kleinstrukturierten Gemüsebau als eigenständiges Handwerk und wollen dafür eine Qualifizierungsmöglichkeit schaffen», erklärt Helena. Quereinsteigerinnen sollen eine Möglichkeit haben, sich im Gemüsebau selbstbestimmt fachlich aus- bzw. weiterzubilden. «Wir wollen eine Ausbildung, die uns befähigt, unsere Ernährung in die eigenen Hände zu nehmen.» Dazu gehören für das Kollektiv nebst gärtnerischen Grundkenntnissen mit Fokus auf eine bodenaufbauende Arbeitsweise (Bodenbearbeitung, Setzlingsanzucht, Fruchtfolge und Pflanzenschutz) eben auch Themen wie Saatgutzüchtung, Erhaltung vielfältiger Sorten und Biodiversität.

Die Ausbildung gliedert sich in einen praktischen und einen theoretischen Teil. Während zwei Jahren arbeiten die Absolventen mit mindestens einem Pensum von 60 % auf einem Betrieb. Über zwei Winter treffen sie sich während insgesamt zehn Wochen zu Theorieseminaren. Im Laufe der Saison finden auf den Ausbildungsbetrieben Workshops statt, um die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen und Netzwerke zu stärken. Dies ermöglicht den Teilnehmenden auch Einblicke in verschiedene Betriebskonzepte, Rechtsformen, Anbausysteme, Standorte und ökologische Gegebenheiten.

Erste Erfahrungen und die Krux mit der Finanzierung

Die Resonanz auf die neue Ausbildung war sehr gut, es gab viele Interessenten. Die Teilnehmerinnenzahl für den ersten Jahrgang wurde deshalb beschränkt, momentan sind 22 Menschen in Ausbildung. «2023 schliessen wir mit unserem Jahrgang ab», so Helena. «Erst danach wird es uns möglich sein, einen neuen Ausbildungsgang aufzugleisen. Dafür gibt es bereits interessierte Leute.» Einen Teil der Lebenskosten finanzieren die Absolventen durch ihre Löhne. «Den Rest und die Finanzierung der Winterschule versuchen wir durch Gönner- und Stiftungsbeiträge zu decken. Zudem planen wir ein Crowdfunding. Wir sind jedoch immer auf der Suche nach mehr Unterstützerinnen!»

  • Dieser Artikel erschien in der Agricultura-Ausgabe 4/2021. Autorin: Annemarie Raemy

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