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19. Februar 2013   

Menschen brauchen Biodiversität

Die biologische Vielfalt in der Schweiz hat seit 1900 stark abgenommen. Biodiversität ist für das Überleben der Menschheit essentiell. Insbesondere die Ernährungssicherheit hängt stark von ihr ab. Um weitere Verluste der biologischen Vielfalt zu verhindern, hat der Bund deshalb eine Biodiversitätsstrategie erarbeitet.

Zahlreiche Arten und Sorten sind ohne menschliche Pflege nicht überlebensfähig. So verwalden blumenreiche Wiesen, wenn sie nicht immer wieder gemäht werden. Aber auch wir Menschen sind stark von der Biodiversität abhängig, denn sie ist Grundlage unseres Lebens. Biodiversität gewährleistet uns Nahrung, Energie, Sauerstoff, Wasser, Baumaterialien und medizinische Wirkstoffe. Um Boden fruchtbar zu machen, sind Abermillionen von Pilzen und Mikroorganismen erforderlich. Der Nutzen der Biodiversität geht jedoch weit über die Bereitstellung von Rohstoffen hinaus. Sie ist auch für die Klimaregulierung und als natürlicher Schutz vor Naturereignissen wichtig. Beispielsweise bieten Korallenriffe oder Mangrovenwälder eine natürliche Barriere vor Flutwellen. Wenn dieser Schutz entfällt, ist der Mensch der Gewalt der Natur stärker ausgeliefert.

Gründe ZUM ArtenRÜCKGANG

Die Abnahme der biologischen Vielfalt hält seit 1900 stark an. Die Gründe für diesen Rückgang liegen vor allem in einer veränderten Landnutzung, dem Klimawandel, invasive Arten, der Übernutzung und Umweltverschmutzung. Am deutlichsten ist der Artenrückgang in der Schweiz an den Wiesen zu erkennen. In der Landwirtschaft werden zusehends mehr Maschinen und Düngemittel eingesetzt um den Ernteertrag zu vergrössern. In steilen Berggebieten beispielsweise werden Trockenwiesen entweder nicht mehr bewirtschaftet oder dann stärker gedüngt und bewässert, weil sonst das Verhältnis zwischen Heuertrag und Arbeitsaufwand ungünstig ist. Unter dieser Form der Wiesenbewirtschaftung verschwinden artenreiche, magere Blumenwiesen immer mehr. Diese werden von raschwüchsigen, nährstoffliebenden Arten wie Rispengras, Löwenzahn oder Knäuelgras verdrängt.
Der Rückgang von Trockenwiesen um 95 Prozent seit 1900 ist erschreckend. Ähnlich sieht das Bild bei den Moorlandschaften aus. In den letzten 110 Jahren sind 82 Prozent dieser Flächen verschwunden.

Biologische Vielfalt in der Schweiz geht zurück

Drei Jahre lang haben 80 Wissenschaftler in einem grossen Forschungsprojekt , Daten zum Wandel der Biodiversität seit 1900 zusammen getragen und analysiert. Das Fazit der Forscher: Um die Biodiversität in der Schweiz steht es schlecht. Dieser starke Rückgang der biologischen Vielfalt wird von einem Grossteil der Bevölkerung gar nicht wahrgenommen und die Vielfalt weiterhin als gut beurteilt. Deshalb ist eine stärkere Sensibilisierung der Bevölkerung dringend notwendig.

Was tut der Bund?

Die UNO erklärte 2010 zum internationalen Jahr der Biodiversität. Im selben Jahr ratifizierten die Schweiz und 191 andere Staaten die Biodiversitätskonvention. Ziel der Konvention ist es, den weltweiten Verlust an biologischer Vielfalt bis 2020 zu stoppen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hat das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) im Auftrag des Bundesrates eine nationale Biodiversitätsstrategie erarbeitet. Der Bund gibt mit der Biodiversitätsstrategie allen Sektoren in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik klare Ziele vor. Im Aktionsplan, welcher der Bund bis 2014 erarbeitet, werden konkrete Massnahmen definiert, mit welchen der Artenrückgang gestoppt werden soll.
Mit der Agrarpolitik 2014-17 will der Bund Landwirte motivieren, nachhaltiger zu produzieren. Dafür richtet er die Direktzahlungen stärker auf konkrete Ziele aus anstatt nur auf die Produktion. So sollen Bauern, die zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt beitragen, mit Biodiversitätsbeiträgen unterstützt werden. Schon heute wird als Voraussetzung für den Erhalt von Direktzahlungen, ein Mindestanteil von 7 Prozent an ökologischer Ausgleichsfläche verlangt. Ausserdem unterstützt der Bund sogenannte Vernetzungsprojekte, welche zur Förderung und Erhaltung von Biodiversität beitragen. Vernetzungsprojekte verbessern die Bedingungen für regionaltypische und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Zum Beispiel werden in einem Vernetzungsprojekt, dornige Hecken in Kombination mit benachbarten Extensiv-Wiesen angelegt. Die Hecke ist der Nistplatz der gefährdeten Vogelart Neuntöter und auf der benachbarten Extensiv-Wiese findet er seine Nahrung.Durch solche Massnahmen kann der Rückgang von gefährdeten Tier- und Pflanzenarten gestoppt und die Vielfalt gefördert werden.

Bäuerinnen und Bauern sind gefordert

Bauern können durch verschiedene Massnahmen die Artenvielfalt gezielt fördern. Das Vernetzungsprojekt Domleschg ist ein erfolgreiches Beispiel dafür. Das Domleschg ist für seine Obstbäume bekannt. In diesem Tal bewirtschaftet die Familie Abt einen 28-Hektaren-Landwirtschaftsbetrieb. 17 Prozent ihrer landwirtschaftlichen Nutzungsfläche ist Vernetzungsfläche. Um die Verarmung der überaus abwechslungsreichen Landschaft zu stoppen, pflegt das Betriebsleiterpaar Hecken, lässt Gras entlang von Wäldern und Hecken länger stehen, mäht schonend und pflanzt jedes Jahr Hochstammbäume. Mit diesen Massnahmen schaffen sie beste Rahmenbedingungen für regionaltypische Tier- und Pflanzenarten und unterstützen damit die Biodiversität.

Folgende Massnahmen können ausserdem getroffen werden:

  • Wildblumenflächen in Getreidefeldern (u.a. Lebensraum für die Feldlerche)
  • Mehrjährige Brachen (zur Bodenregeneration und als Lebensraum für Insekten und Wildtiere)
  • Weniger intensiv genutzte Wiesen (u.a. Lebensraum für Wildblumen, Kleintierarten)
  • Stein- und Asthaufen (u.a. Lebensraum für Reptilien und seltene Pflanzen)


Es gibt noch viel zu tun

Die Biodiversitätsstrategie und damit verbunden die Beiträge der Bäuerinnen und Bauern, sind ein wichtiger Schritt, um eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten und zu pflegen. Es bleibt aber viel zu tun. Die Landwirte müssen immer rationeller und effizienter arbeiten, dadurch gerät die Biodiversität weiter unter Druck. Für mehr Biodiversität braucht es deshalb sowohl engagierte Landwirte als auch eine sensibilisierte Bevölkerung, welche diese unterstützen.


Info zur Biodiversität vom Bundesamt für Umwelt (Bafu)