Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen
Startseite Themen Umwelt | Energie Alternative Treibstoffe
Themen
Umwelt | Energie
12. Februar 2013    ,

Alternative Treibstoffe

Alternative Treibstoffe auf pflanzlicher Basis gelten als Wunderwaffe gegen den Klimawandel. Gegen diese Sicht regt sich Widerstand, denn die Produktion eines Agrotreibstoffes hat oft schädliche Auswirkungen für Umwelt und Menschen. Gerodete Regenwälder, ausgelaugte Böden und Nahrungsknappheit sind nicht selten die Folgen in den Anbaugebieten.

Mit Raps, Sonnenblumen, Palmöl, Mais oder Getreide Auto fahren oder  Flugzeuge fliegen und dies erst noch umweltfreundlich. Mit dieser Idee wurden Kraftstoffe aus erneuerbaren Materialien, als Alternative zu fossilen Treibstoffen, entwickelt. Diese vermeintliche Lösung der Energie- und Klimafrage entpuppt sich nun als Sackgasse. Weltweit sichtbar sind die Schäden für Menschen und Natur.

Umweltbelastungen im Anbaugebiet

Ein Grossteil der Rohstoffe für Agrartreibstoffe wird in tropischen Gebieten angebaut. Um grosse Flächen zu bewirtschaften, werden Teile des Regenwaldes vernichtet. Die praktizierte Brandrodung setzt grosse Mengen an Klimagasen und Feinstaub frei und verringert die Biodiversität. Um die Böden mehrere Jahre bewirtschaften zu können, sind grosse Mengen an Dünger notwendig. In gemässigten Zonen ist der Düngereinsatz ebenfalls ein Hauptkritikpunkt. Der Anbau erfolgt in grossflächigen Monokulten, welche den Boden einseitig beanspruchen und längerfristig die Fruchtbarkeit gefährden.  Diese Belastungen führen dazu, dass Agrartreibstoffe nicht umweltfreundlicher sind als fossile Triebstoffe. Die Verwendung von Agrartreibstoffen stösst zwar ein Drittel weniger Treibhausgas aus als Benzin. Wird Anbau und Herstellung mitbetrachtet, sind die totalen Umweltbelastungen von Agrartreibstoffen gleich oder höher als bei Benzin und Diesel (Studie der EMPA).

Kampf um Flächen

Der Anbau von Agrartreibstoffen steht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion und gefährdet die Ernährungssicherheit in Entwicklungsländer. Wo vor kurzem noch Lebensmittel zur Versorgung der regionalen Bevölkerung wuchsen, stehen heute Pflanzen, die nur noch den Hunger nach Mobilität stillen. Die Lebensmittelproduktion wird aufgegeben oder von den fruchtbaren Flächen verdrängt. Dieser Effekt wird verstärkt durch Missachtungen von Landrechten und unrechtmässigen Verdrängungen von Kleinbauern. Die ansässigen Bauernfamilien werden von Agro-Multis verdrängt und ihrer Lebensgrundlage beraubt. Amnesty International spricht sogar von gravierenden Menschenrechtsverletzungen.

Widerstand auch in der Schweiz

Um diese negativen Auswirkungen zu verringern, haben Organisationen in der Schweiz eine Petition gegen Agrotreibstoffe lanciert. Gefordert werden vom Bund strenge Zulassungskriterien für Agrotreibstoffe in der Schweiz. Momentan profitieren biogene Treibstoffe von Steuererleichterungen, der Bundesrat verschärfte 2013 die Anforderungen an den Anbau der Rohstoffe. Zukünftig sollen biogenen Treibstoffe „auch auf die Landrechte und gegebenenfalls auf die Ernährungssicherheit hin beurteil werden“. Strengere Zulassungskriterien sind jedoch ein Topfen auf einen heissen Stein, wenn die Nachfrage nach Treibstoffen kontinuierlich weiter wächst. Um heute die weltweite Ernährung zu sichern, ist ein sparsamerer Umgang mit natürlichen Ressourcen nötig.