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Landwirtschaft International
30. November 2016   

Weltagrarbericht: Weiter wie bisher ist keine Option

Die Weltbank und die Vereinten Nationen veranlassten 2003 einen internationalen wissenschaftlichen Prozess, der fünf Jahre später mit dem Weltagrarbericht abgeschlossen wurde. Mehr als 400 Expertinnen und Experten aller Kontinente und Fachrichtungen betrachten darin wesentliche ökologische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte der Landwirtschaft. Der Agrarsektor in den vergangenen fünfzig Jahren wird beleuchtet und eine Neuausrichtung für die nächsten fünfzig Jahre beschrieben.
Der Weltagrarbericht versucht folgende Frage zu beantworten:
„Wie können wir durch die Schaffung, Verbreitung und Nutzung von landwirtschaftlichem Wissen, Forschung und Technologie Hunger und Armut verringern, ländliche Existenzen verbessern und gerechte, ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung fördern?"

Die Antwort darauf ist vielfältig und umfasst mehrere Themenbereiche. Einige ausgewählte Themen werden im folgenden kurz vorgestellt.

Gesamter Bericht hier auf Deutsch oder im Original auf Englisch
Link zur Kurzversion in Deutsch, Stand Dezember 2013
Link
zur Kurzversion in Englisch, Stand Juni 2016 mit aktualisierten Zahlen und Fakten

Bäuerliche und industrielle Landwirtschaft
Die Landwirtschaft ist der grösste Wirtschaftszweig der Erde. Ein Drittel aller arbeitenden Menschen ist in der Landwirtschaft beschäftigt, oft als Kleinbauer oder Subsistenzlandwirt. Diese kleinen Strukturen galten lange als „Auslaufmodelle“, denn eine Produktionssteigerung sei nur in grösseren Einheiten mit moderneren Maschinen möglich. Der Weltagrarbericht hinterfragt diese Intensivierung mit technischen Errungenschaften als Heilmittel für die Ernährungssicherheit. Kleinbäuerliche und auf Vielfalt ausgerichtete Strukturen werden als Landwirtschaft der Zukunft formuliert. Investitionen in die kleinbäuerliche Produktion sollen helfen die globale Ernährung zu sichern und die Umweltauswirkungen zu minimieren.

Gentechnik und Biotechnologie
Im Weltagrarbericht stehen sich zwei Sichtweisen gegenüber. Einerseits wird das enorme Potential von moderner Biotechnologie, sowie der Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) für die Landwirtschaft und Ernährung erwähnt. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass multinationale Unternehmen das Wissen und die Forschung in diesem Bereich monopolisieren. Ausserdem spielen GVO bis heute keine Rolle in der Bekämpfung des Hungers. Gerade ärmere Länder haben Probleme mit den strikten Kontrollbestimmungen und kämpfen mit noch offenen Fragen zu Auskreuzungen.

Multifunktionalität
Die Landwirtschaft bewegt sich im Spannungsfeld von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft und ihre Leistungen gehen weit über die Lebensmittelproduktion hinaus. In den letzten fünfzig Jahren wurde der Fokus jedoch einseitig auf Effizienz- und Produktionssteigerung gelegt. Beiträge wie Umweltdienstleistungen, Schaffung von Arbeitsplätzen und Erhalt von Kultur wurden wenig beachtet. Da diese Güter auf keinem Markt abgegolten werden, müssen sie von öffentlichen Organisationen reguliert werden. Entweder wird den Leistungen einen Preis zugewiesen, der von den Haushalten bezahlt wird, oder sie werden durch Vorschriften gefördert.

Weltmarkt und Handel
Der globale Agrarhandel ist geprägt von einem ungleichen Konkurrenzkampf von grossen Unternehmen und kleinbäuerlichen Familienbetrieben. Gerechte Preise und verbesserte Infrastrukturen können den Kleinbauern den Zugang zu Märkten und Investitionen ermöglichen. Weitere Hindernisse sind die Machtkonzentrationen in vor- und nachgelagerten Sektoren der Landwirtschaft. Wenige Unternehmen dominieren die Verarbeitungskette und beeinflussen damit die Weltmarktpreise entscheidend mit.
Als wichtige Ursache für Agrarpreissteigerungen werden, neben den Agrartreibstoffen, Spekulationen mit Agrarrohstoffen benannt. Steigende Lebensmittelpreise stürzen Millionen Familien in Armut und Hunger, während einige wenige damit reich werden können.