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Vielfalt statt Hofsterben
06. Juli 2015   

Geschäft mit Bauernhöfen stoppen

Noch immer schliessen täglich drei Schweizer Bauernbetriebe ihre Tore für immer. Ihr Land wird an einseitig spezialisierte Betriebe verkauft, JunglandwirtInnen ohne Hof gehen dabei leer aus. Gemäss jüngster Modellrechnung im Swiss Agricultural Outlook (SAO) werden bis 2024 weitere 10‘000 Bauernbetriebe aufgegeben. Die Kleinbauern-Vereinigung fordert deshalb, das Geschäft mit den Bauernhöfen zu stoppen und heute die Betriebe von morgen in junge Hände zu übergeben.

Das Thema Hofsterben ist aktueller denn je: Während junge LandwirtInnen – ohne Betrieb innerhalb der Familie – verzweifelt Hof und Land suchen, wachsen bestehende Höfe weiter. Getreu dem Motto: «Wachse oder weiche» werden Flächen gehamstert. Die Agrarpolitik und die überholte Wachstumslogik führen dazu, dass Bauernhöfe beim Generationenwechsel anstatt in junge Hände übergeben, aufgelöst werden und ihr Land in bestehenden Betrieben verschwindet. Immer grössere und schwerere Traktoren verdrängen Menschen und Hände vom Land. Die Schweizer Landwirtschaft entwickelt sich - entgegen dem Verfassungsauftrag – weg  von einer bäuerlichen Landwirtschaft.

Problem der einseitigen Spezialisierung
Kapitalintensive Grossbetriebe fokussieren sich auf wenige Betriebszweige und nehmen wegen hohen Investitionen grosse finanzielle Risiken auf sich: Solch spezialisierte Betriebe können Ernteeinbussen und Preisschwankungen kaum abfedern. Damit ist nicht nur ihr privates Betriebseinkommen in Gefahr, sondern langfristig auch unsere regionale Versorgung mit Lebensmitteln.
Kleine und mittlere Bauernbetriebe, die auf mehrere Betriebszweige und auf Konsumentennähe setzen, sind langfristig existenzfähiger. Im Gegensatz zu spezialisierten Unternehmen bringen sie Vielfalt in die Regionen, auf den Acker und in den Teller.

Gewinn für wenige
Wird ein Bauernhof aufgelöst, profitieren nicht nur benachbarte Grossbetriebe: Auch die Nachkommen der Hofbesitzer verdienen am Hofsterben. Besonders in stadtnahen Gebieten, wo idyllischer Wohnraum knapp und die Einkommen hoch sind, ist die Nachfrage nach Bauernhäusern gross. Zunehmend wohnen zahlungskräftige Nicht-Bauern in alten Bauernhäusern.
Die Gewinnmaximierung von Hofeigentümern (oft Erbengemeinschaften) und das Hamstern von Land gehen heute auf Kosten von existenzfähigen kleinen und mittleren Betrieben. Diese Entwicklung hemmt die Vielfalt und die Innovation in der Landwirtschaft und reduziert die Auswahl an regionalen Produkten für die KonsumentInnen laufend.

Weitergeben statt aufgeben
Da immer weniger Betriebsleitende mit einer Hofübergabe innerhalb der Familie rechnen können, ist es wichtig, dass ausserfamiliäre Hofübergaben gefördert werden. Die Ära des Wachsen oder Weichen ist vorbei: Nun müssen alle Kräfte gebündelt werden, um Bauernhöfe über Generationen zu fördern und langfristig eine vielfältige und bäuerliche Landwirtschaft zu sichern. Der Kleinbauern-Vereinigung ist es ein Anliegen, dass heute die Betriebe von morgen übergeben werden. Deshalb betreut die Kleinbauern-Vereinigung die «Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergaben» und vermittelt Hofsuchende an Hofabgebende.