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Anlaufstelle Hofübergabe
14. April 2014   

«Jeden Hof anschauen – egal wo er liegt»

Nach dreissig jähriger Bewirtschaftung suchten sich Ruth und Reinhold Berchtold die Nachfolger für ihren Hof «Terpetsch» selber. Im Mai 2011 überschrieben die Walliser ihren KAGfreiland zertifizierten Bio-Bergbetrieb an Simone Loretan und Stefan Wyss aus Solothurn. Im Interview geben die Vier Auskunft über ihre Hofübergabe.

Ganzes Interview als PDF lesen «Jeden Hof anschauen – egal wo er liegt»

Ruth und Reinhold, was war ausschlaggebend für eure Entscheidung, den Hof weiterzugeben?
Reinhold: Mit über fünfzig lassen die Kräfte nach. Wir haben selber keine direkten Nachfolger und machten uns also auf die Suche.

War für euch von Anfang an klar, dass ihr den Hof an die kommende Generation verkaufen und nicht verpachten möchtet? Wieso?
Ruth: Wir wollten direkt eine definitive Lösung. Der Schnitt ist klar und wer kommt, kann selber viel gestalten. Wir haben die Übergabe gut geplant und schriftlich festgehalten.

Wie lange vor der tatsächlichen Hofübergabe habt ihr euch schon mit dem Thema auseinander gesetzt?
Ruth: Für uns war immer klar, dass wir selber die Nachfolge gestalten wollen. Wir empfinden uns als Teil der Schweizer-Biobewegung und das grösste Ziel war, dass der Hof erhalten bleibt.

Ihr habt euch für eine Hofübergabe vor der Pension entschieden, wie habt ihr euch auf die Zeit nach dem Führen eines eigenen Betriebes vorbereitet?
Reinhold: Wir waren finanziell gut aufgestellt und konnten den Betrieb schuldenfrei übergeben. Vorsorge war für uns schon lange ein Thema. Wir haben eine Solaranlage als Vorsorge, die uns noch 20 Jahre KEV – Geld bringt.
Ruth: Wir haben ein Lebenswerk übergeben und Simone und Stefan haben es mit viel Respekt übernommen.  Bei Schwierigkeiten war von Anfang an klar, dass wir uns zurückziehen würden.

Wie habt ihr euch gefunden? Könnt ihr den Prozess kurz beschreiben?
Stefan: Über ein Inserat im A-Bulletin. Meine Abschlussarbeit an der Bioschule Schwand  hatte das Thema: Wie finde ich einen Hof. Auf Anraten aller schauten Simone und ich jeden Hof an.
Ruth: Für uns Verkaufenden waren sie sofort potentielle Käufer. Obwohl Simone und Stefan nicht so schnell einen Hof kaufen wollten, war die Entscheidung auch ihnen bald klar. So haben wir uns gefunden und für beide Seiten  fand diese Hofübergabe  schneller als gedacht statt.

Simone und Stefan, wie lange dauerte eure aktive Hofsuche, bevor ihr Ruth und Reinhold kennengelernt habt?
Simone: Zirka 3 Wochen

Wie wurde eure Hofübergabe von Fachpersonen begleitet?
Stefan: Vom Bauernberater  und vom Mitarbeiter für Investitionskredite vom Kanton Wallis.

Wie war es für euch als Fremde nach Ried-Mörel zu ziehen?
Stefan: Sehr wohlwollend und freundlich wurden wir aufgenommen. Auch können wir uns immer Unterstützung und Hilfe bei den andern Landwirtinnen und Landwirten holen, sie sind stets sehr hilfsbereit.
Simone: Leute aus dem Dorf fragen immer wieder nach unserem Wohlergehen. In Ried-Mörel erfahren wir nur positive Reaktionen. Alle finden es toll, dass eine junge Familie ins Dorf gezogen ist.

Wie wurde eure Hofübergabe in eurem sozialen Umfeld wahrgenommen? Wurdet ihr unterstützt?
Simone: Als Stefan und ich aus Solothurn ins Wallis abwanderten reagierten viele Freunde überrascht. Viele finden den Schritt sehr mutig und bekundeten ihren Respekt aber auch ihre Ängste. Mentale und finanzielle Unterstützung bekamen wir von Freunden und Familie.

Wie wurde eure Hofübergabe in Ried-Mörel und von den anderen LandwirtInnen in der Region wahrgenommen?
Reinhold: Seit 30 Jahren pflegen wir einen guten Kontakt zu den andern Bäuerinnen und Bauern. Die Hofübergabe wurde von allen geschätzt und die gute Zusammenarbeit wird weitergeführt. Auch die enge Zusammenarbeit mit einem Nebenerwerbslandwirt wird weiter bestehen.

Ihr wohnt alle in Ried-Mörel. Wie ist euer Kontakt heute nach der Hofübergabe gestaltet?
Simone und Stefan: Wir erleben den Kontakt zu Ruth und Reinhold als gut, locker, unkompliziert, freundlich, wohlgesinnt und hilfsbereit.
Reinhold: Als Exbäuerin und Exbauer arbeiten wir weiterhin im Betrieb mit und über die Jungbäuerin Lilith und den Jungbauern Melchior haben wir auch in der Freizeit guten Kontakt.
Ruth: Wir versuchen Nähe und Distanz in gutem Einklang zu leben.

Simone und Stefan, was empfiehlt ihr jungen Bauern und Bäuerinnen (ohne Hof innerhalb der Familie), die einen Hof suchen?
Stefan: Dasselbe, das auch uns empfohlen wurde: jeden Hof, egal wo er liegt, anschauen. Selbst wenn er auf den ersten Blick nicht als «der Richtige» erscheint. Wallis..? Dies öffnet einem die Augen und gibt einem Einblicke in Kosten – Lage – Grösse etc.

Was war für euch persönlich die grösste Herausforderung an dieser Hofübergabe?
Ruth und Reinhold: Loslassen von einem Lebenswerk.
Simone und Stefan: Sich selbst im Alltag und im Jahresablauf zu strukturieren.

Was war für euch persönlich das Hilfreichste an dieser Hofübergabe?
Simone und Stefan : Die Begleitung über längere Zeit durch unsere Vorgänger Ruth und Reinhold.
Ruth und Reinhold: Dass wir in unseren Nachfolgern Gleichgesinnte gefunden haben.