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Anlaufstelle Hofübergabe
14. April 2014   

«Ich spürte intuitiv: Das sind die Richtigen»

Im Jahr 1979 übernahm Hansruedi Roth mit seiner Familie den Betrieb von den Erben seines Grossvaters. Seit 20 Jahren nicht mehr bewirtschaftet, war der Betrieb verlottert und heruntergekommen. Nach 25 Jahren Aufbauarbeit suchte Hansruedi Roth 2005 dann Nachfolger für seinen Betrieb. Fündig wurde er mit Erich und Barbara Zihlmann Wallmeier. Im Interview geben Erich Zihlmann und Hansruedi Roth Auskunft über ihre Verpachtung ausserhalb der Familie.

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Hansruedi, was war ausschlaggebend für eure Entscheidung, den Hof ausserhalb der Familie zu verpachten?
Hansruedi:
Nach 25 Jahren Aufbauarbeit auf der «Grabenmatt», brach unsere Familie auseinander. So war ich im Frühling 2005 alleine mit unserer Tochter, die damals noch das Gymnasium besuchte, auf dem Hof. Das wichtigste war für uns immer, dass der Betrieb erhalten bleibt. Da unsere Tochter Interesse zeigte, den Hof zu einem späteren Zeitpunkt zu übernehmen, kam ein Verkauf zum damaligen Zeitpunkt nicht in Frage. Wir suchten also einen Pächter, der den Betrieb biologisch weiterbewirtschaften würde.

Wie habt ihr euch gefunden? Könnt ihr den Prozess kurz beschreiben?
Erich:
Hansruedi machte im Frühling 2005 ein Inserat in der Zeitschrift «Beiträge», worauf Barbara und ich uns beworben haben. Wir sind dann ein erstes Mal schauen gegangen, und so hat sich eins nach dem anderen ergeben. Anfang Oktober 2006 sind wir auf die «Grabematt» gezogen und haben die Pacht auf den 1. Januar 2007 übernommen. 
Hansruedi: Vier Familien haben auf die Anzeige geantwortet. Mit der ersten Familie vereinbarte ich einen Besuchstermin. Und bei unserem Treffen spürte ich intuitiv: das sind die Richtigen.

Erich, wie lange dauerte eure aktive Hofsuche, bevor ihr Hansruedi kennengelernt habt?
Erich:
Ich glaube das waren gut 4 Jahre.

Wurde eure Verpachtung von Fachpersonen begleitet?
Hansruedi: Ich liess mich vom Inforama Hondrich beraten. Der Berater begrüsste es, dass wir den Betrieb als Ganzes erhalten und nicht einfach das Land an die Nachbarn verpachten wollten. Der Kontakt mit dem Berater war herzlich und sehr hilfreich.
Erich: Es kam jemand zum Einschätzen des Inventars.

Erich, wie war es für euch als Fremde nach Heiligenschwendi zu ziehen?
Erich:
Das war für uns schön, weil unser Wunsch nach einem Pachtbetrieb in Erfüllung ging. Bei den Bauern im Dorf wurden wir sehr wohlwollend aufgenommen.

Wie wurde eure ausserfamiliäre Verpachtung in Heiligenschwendi und von den anderen LandwirtInnen in der Region wahrgenommen?
Erich:
Wir wurden hier im Dorf sehr gut akzeptiert von den anderen Bauern. Wir haben dazu nie etwas Negatives gehört.
Hansruedi: Meine Nachbarn gratulierten mir nachträglich für die gute Wahl unserer Nachfolger.

Wie ist euer Kontakt heute gestaltet?
Erich: Wir sehen uns von Zeit zu Zeit, so alle 2-3 Monate. Wenn ich etwas habe, kann ich Hansruedi jederzeit anrufen.
Hansruedi: Da ich mit meiner neuen Partnerin einen Betrieb im Jura bewirtschafte, sehen wir uns nicht oft. Es freut mich, dass Erich und Barbara den Betrieb gut führen und mit den Nachbarn gut auskommen.

Wie wurde die ausserfamiliäre Verpachtung in eurem sozialen Umfeld wahrgenommen?
Erich:
Für unsere Familie war es wohl länger klar, dass wir eine Pacht suchen, da von der näheren Verwandtschaft her niemand mehr einen Landwirtschaftsbetrieb führte. Ich denke, dass unsere Familien wohl auch einfach froh waren, dass wir endlich etwas gefunden hatten und so richtig sesshaft wurden.

Was war für euch persönlich die grösste Herausforderung an dieser Verpachtung ausserhalb der Familie?
Erich: Wir beantragten eine Starthilfe, d.h. ein zinsloses Darlehen. Dazu mussten wir einen Bürgen finden, was in unseren Familien nicht ging. Somit fragten wir bei der Bäuerlichen Bürgschaftsgenossenschaft an. Sie hat diese Bürgschaft übernommen, aber auch nur mit Auflagen. Ich fand das Suchen nach dieser Bürgschaft recht mühsam.

Was war für euch persönlich das Hilfreichste während dem Prozess zur Verpachtung?
Erich:
Das gute Verhältnis mit Hansruedi.
Hansruedi: Dass meine Familie den Prozess mit viel Verständnis mitgetragen hat.

Hansruedi, war bei euch Vorsorge schon immer ein Thema?
Hansruedi: Unser Ziel war es immer, auf dem Hof eine Familienexistenz zu ermöglichen. Für mich und meine Familie war klar, dass wir nach unserer Pensionierung wieder einer jungen Familie Platz machen wollten. Wir hatten im Sinn, etwa fünf Jahre vor dem Erreichen des AHV-Alters, ein Stöckli zu bauen und Nachfolger zu suchen. Doch nach 25 Jahren Aufbauarbeit kam es doch wie schon gesagt anders. Wie so oft im Leben. Wir haben immer unsere AHV Prämie bezahlt, eine zweite Säule wollten wir aus politischen Gründen nicht. Unsere Altersvorsorge sollte eine günstige Wohnmöglichkeit auf dem Hof sein.

Erich, ist der Kauf des Hofes für euch ein Thema?
Erich:
Wenn Hansruedi den Betreib verkaufen möchte, wäre das für uns schwierig. Wir sind sehr gerne hier, sind aber unsicher, wie und ob wir einen Kauf finanzieren könnten.
Hansruedi: Ich denke mit gutem Willen würde sich hier sicher eine Lösung finden.

Was empfehlt ihr jungen Bauern und Bäuerinnen (ohne Hof innerhalb der Familie), die einen Hof suchen?
Erich:
Geduld. Augen und Ohren offen halten. Herumsagen, dass man etwas sucht.

Wie könnten eurer Ansicht nach ausserfamiliäre Hofübergaben gefördert werden?
Erich:
Ich finde das nicht so ein einfaches Thema. Das Problem ist oft, dass die Menschen im Bauernhaus weiterwohnen möchten. Sie sind da verwurzelt; sind auf dem Betrieb aufgewachsen oder haben dort jahrelang gelebt und gearbeitet. So wird dann in Betracht gezogen, das Land zu verpachten, was ja sowieso dem Ziel der heutigen Landwirtschaftspolitik nach immer grösseren Betrieben entspricht. Die Situation, wenn Verpächter und Pächter unter einem Dach wohnen, kann beidseitig sehr bereichernd, oder aber auch sehr schwierig sein. In einer solchen Situation ist viel gegenseitiges Vertrauen absolut notwendig, sonst kann es zu einer starken Belastung für beide Seiten werden. Die Chemie zwischen Verpächter und Pächter muss schon irgendwie stimmen, und die kann man auch nicht einfach so erzwingen.
Hansruedi:
Ich kenne viele Bauernfamilien. Die Idee, dass auch eine Tochter den Hof übernehmen könnte, ist ihnen meist fremd. Viele Höfe investieren oft gar nichts mehr, wenn sie keine Söhne haben, dabei könnte auch eine Tochter oder jemand ausserhalb der Familie den Betrieb übernehmen. Wer in die Landwirtschaft will, muss Freude daran haben und es wirklich wollen. Ich weiss, dass es viele junge, fähige Menschen gib, die noch so gerne einen  Hof übernehmen würden. Die Betriebsgrösse ist da gar nicht so wichtig, es kommt drauf an, was die Menschen daraus machen. Oft gibt sich auch über den Nebenerwerb eine mögliche Existenz.