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Anlaufstelle Hofübergabe
10. Juni 2015    , ,

Die Generationenfrage neu denken

Die Hofnachfolge ist ein komplexes Thema. Die Gesellschaft wandelt sich und mit ihr die Hofübergaben. Immer weniger Betriebsleitende können mit einer Hofübergabe innerhalb der Familie rechnen. Gleichzeitig suchen junge LandwirtInnen ohne bäuerliche Wurzeln lange nach einem Landwirtschaftsbetrieb. Bauern und Bäuerinnen, Beratung und landwirtschaftliche Organisationen sind gefordert, das Thema ausserfamiliäre Hofübergabe aktiv anzugehen.

Ausführlicher Artikel mit Grafiken

Eine Studie[1] von R. Rossier, P. Felber und St. Mann an der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon thematisierte 2007 «Aspekte der Hofübergabe innerhalb der Familie». Es wurde aufgezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Hofübergabe mit zunehmender Anzahl Söhne ansteigt, Töchter werden nur selten (mangels Sohn) als Betriebsleiterin in Betracht gezogen. Dass ein Hof auch ausserhalb der Familie übergeben werden könnte, war in dieser Studie kein Thema.
Nebst der Anzahl Söhne begünstige die Grösse des Betriebes eine innerfamiliäre Hofübernahme, so die Forschungsresultate. Dieser Fakt erstaunt nicht; wurden doch zwischen 2000 und 2012 gut 16‘000 Betriebe unter 25 ha dem Strukturwandel geopfert, während die Anzahl Betriebe über 25 Hektaren zunahm. Die gängige Praxis der parzellenweisen Verpachtung begünstigt die Zerstückelung von landwirtschaftlichen Gewerben. Begründet wird das Vorgehen meist mit der wirtschaftlichen Besserstellung eines Nachbarbetriebes oder mit der mangelnden Existenzgrundlage des betroffenen Betriebes.
Es ist paradox: Einerseits wird das Schwinden der Bauernbetriebe beklagt, andererseits ermöglichen heutige Rechtsgrundlagen im bäuerlichen Bodenrecht und die Praxis der kantonalen Landwirtschaftsämter zunehmend die Zerstückelung von Betrieben.

Gemeinsam die Zukunft gestalten
Hofübergaben sind komplexe Prozesse und in der Biografie aller Beteiligten ein einschneidendes Ereignis. Der Generationenwechsel auf den Höfen wirft soziale, rechtliche und finanzielle Fragen auf, die bei jeder Hofübergabe individuell zu lösen sind. Der Wandel unserer Gesellschaft fordert von der Landwirtschaft, die Generationenfrage neu zu denken. Um eine bäuerliche, nachhaltige Lebensmittelproduktion, Pflege der Kulturlandschaft und dezentrale Besiedelung des Landes längerfristig zu ermöglichen, braucht es neue Ideen und die Tatkraft der jungen Generation. Der Kleinbauern-Vereinigung ist es ein Anliegen, dass auch die Chancen einer ausserfamiliären Hofübernahme von Beratenden und landwirtschaftlichen Organisationen vermehrt thematisiert und von Bauern und Bäuerinnen wahrgenommen werden. Es gibt Möglichkeiten, das eigene Lebenswerk (oft mehrerer Generationen) ausserhalb der Familie in neue tatkräftige Hände zu geben! Da erst wenige Höfe ausserhalb der Familie übergeben werden, ist es wichtig, diese Beispiele zu zeigen, voneinander zu lernen und sich zu vernetzen.

 


[1] R.Rossier, P. Felber, St. Mann (2007): Aspekte der Hofnachfolge. In: ART Berichte, Nr. 681, S. 1 – 8.