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Anlaufstelle Hofübergabe
03. November 2015   

Bericht einer Pächtersuche

Seit bald 40 Jahren bewirtschaften Elisabeth und Hans-Rudolf Heiniger-Blau einen Milchwirtschaftsbetrieb in der Bergzone 1 im Emmental. „Wir sind ein Familienbetrieb und möchten einer Familie eine Chance geben“, sagten die beiden und meldeten sich bei der Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe, um eine Pächterfamilie zu finden. Die neuen Pächter werden den Hof auf Anfang 2017 bewirtschaften. Heiniger-Blaus berichten im Interview von ihrer Pächtersuche.

Das ganze Interview plus Hintergrundbericht als PDF lesen

Diesen März haben Sie sich bei der Anlaufstelle gemeldet. Seit wann ist die Hofübergabe ein Thema für Sie?

Wir machten uns schon längere Zeit Gedanken über das „Wie weiter“ und haben von Anfang an unsere Nachkommen in die Abklärungen mit einbezogen. Irgendwann zeichnete sich ab, dass niemand aus der Familie den Betrieb weiterführen würde. Als sich unsere Kinder damals für die Berufswahl entscheiden mussten, standen wir noch mitten im Berufsleben, ans Aufhören dachten wir noch nicht. Deshalb rieten wir allen, zuerst einen anderen Beruf zu erlernen, „bauern“ könnten sie dann immer noch. Jedoch hat sich in den letzten Jahren der Weg zum Wieder-beziehungsweise Quereinstieg in die Landwirtschaft erheblich erschwert und inzwischen haben sich alle ihr berufliches und soziales Netzwerk aufgebaut.

Was haben Sie unternommen, bevor Sie sich an uns gewendet haben?

Im Januar 2013 besuchte uns erstmals ein Inforama-Berater auf unserem Hof. Er hat uns diverse Möglichkeiten aufgezeigt und uns eigentlich zu einer Parzellenpacht geraten, da wir so finanziell weiterkämen und unser Betrieb als Gewerbe eigentlich zu klein sei. Wir haben die Situation in der Familie besprochen, diverse Abklärungen vorgenommen, weitere Informationen eingeholt und das Pachtland, welches wir über 20 Jahre bewirtschaftet haben, gekauft. Somit umfasst der Betrieb heute 18 ha und ist voll arrondiert. Im Familienrat waren wir uns danach einig, den Betrieb, solange er einer Familie eine Existenz bietet, als Gewerbebetrieb zu erhalten und vorerst zu verpachten.

Aus den Medien haben wir dann von Ihrer Anlaufstelle erfahren und weil wir kein Inserat aufgeben und zig Bewerbungen beantworten wollten, meldeten wir uns bei der Kleinbauern-Vereinigung.

Die Hofprofile erleichterten uns das Aussuchen der Interessenten enorm. Wir haben auch über andere Kanäle (Mund zu Mund Propaganda, Inserate von Suchenden etc.) gesucht.

Wie waren die ersten Kontakte mit den hofsuchenden Familien für Sie?

Die ersten Kontakte mit den Familien waren für uns sehr aufschlussreich, bei einigen genügte bereits ein Anruf um festzustellen, dass es nicht passte.

Die „Favoriten“ haben wir zu einer Hofführung eingeladen und bei Kuchen und Kaffee die gegenseitigen Wünsche und Erwartungen diskutiert. Auch da haben wir weitere Ausscheidungen getroffen. Bei den zwei in der engeren Wahl stehenden Familien bekamen wir bei den Gegenbesuchen Eindrücke von ihrem Daheim und lernten sie in ihrem Umfeld kennen.

Sie haben nun eine passende Pächterfamilie gefunden, nach welchen Kriterien haben Sie entschieden?

Aufgrund der Eindrücke bei den Gesprächen und Gegenbesuchen erfuhren wir viel aus dem Leben der Familie. Wichtig war für uns von Anfang an, dass wir auf gleicher Ebene miteinander reden können und die Chemie stimmt. Ausschlaggebend war u.a. auch die Bereitschaft der Familie, ohne grosse Investitionen mit dem Bestehenden zu starten und dann nach und nach auf Grund der eigenen Ideen und gemachten Erfahrungen die für sie passenden Bewirtschaftungsformen zu finden.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft ohne die Bindung an den Betrieb?

Wir wollen uns im Stöckli häuslich einrichten und die Umgebung neu gestalten. Wir freuen uns darauf, endlich nichts mehr zu müssen, sondern zu dürfen oder zu wollen.

Wir wollen unseren Hobbys wie Musizieren, Schreinern, Handarbeiten, Lesen, Gärtnern, Wandern und Reisen vermehrt frönen. Sollte es unsere Gesundheit erlauben, möchten wir noch einige grössere Reisen (Skandinavien, Polen) unternehmen. Zudem werden wir auf Anfrage bei Arbeitsengpässen und bei Bedarf auf dem Betrieb helfend einspringen.