Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen
Themen
Agro-Gentechnik | Nanotechnik
19. Februar 2013    ,

Nanotechnik

Nanotechnik wird in der modernen Welt immer präsenter. Die Produktion und Vermarktung von Nanoprodukten entwickelt sich bedeutend schneller als die wissenschaftliche Abklärung zu den Risiken. Das Bedürfnis nach einer Deklarationspflicht für nanohaltige Produkte steigt für alle Konsumentinnen und Konsumenten, welche sich vor den möglichen Gefahren, die von Nanomaterialien ausgehen, schützen wollen.
Heute sind über 1300 Nanoprodukte kommerziell auf dem Markt. Nanomaterialien haben ein breites Einsatzgebiet, da es sich um eine Querschnitttechnologie handelt. Das heißt, die Technologie kommt in den verschiedensten Bereichen zum Einsatz, vom Streusalz über die Lebensmittelverpackung bis zu Bestandteilen von Computern. Als Nanopartikel gelten Teilchen von einem bis 100 Nanometer, was einem Milliardstel Meter entspricht. Nanopartikel können auf natürliche Weise entstehen, zum Beispiel bei einem Vulkanausbruch oder Waldbrand. Oftmals werden sie jedoch synthetisch hergestellt, um sie mit bestimmten chemischen Eigenschaften oder Funktionalitäten auszustatten. Diese Nanomaterialien sind für die Industrie von grossem Interesse.

Substanzen in Nanogrössen weisen eine andere Eigenschaft auf als grössere Partikel desselben Materials. Unterschiede bestehen beispielsweise in der chemischen Reaktionsfähigkeit, in der biologischen Aktivität, in der Löslichkeit, im Transportverhalten und in Farbe sowie Transparenz. Diese veränderten Eigenschaften lassen sich in verschiedenen Anwendungen nutzen. Bei der Herstellung von Autolacken mittels Nanotechnologie entstehen beispielsweise kratzfeste und schmutzabweisende Autoklarlacke. Aber Nanopartikel bergen auch ein Gefahrenpotential. Denn sie sind so klein, dass sie Zellwände durchringen können. Ob und welchen Schaden sie dort anrichten können, weiss bis jetzt noch niemand.

Risikoforschung steckt noch in Kinderschuhen

Die Nutzung von Nanotechnologie nimmt ständig zu, dadurch gelangen immer mehr Nanopartikel auf direktem oder indirektem Wege in die Natur. Bei der Herstellung, Benutzung und Entsorgung entsprechender Produkte finden die Partikel ihren Weg über das Abwasser in die Umwelt. Dort kommen sie mit Mensch, Tier und Pflanzen in Berührung. Das Problem ist, dass die Auswirkungen der Nanopartikel auf unsere Umwelt und uns Menschen noch weitgehend unbekannt sind. Diese Wissenslücke rührt vor allem daher, dass es eine grosse Anzahl an chemisch unterschiedlichen Nanopartikel gibt, deren Reaktivität je nach Milieu anders ausfällt. So ergibt etwa Nanosilber in Kläranlagen schwerlösliches Silbersulfid. Die Risikoeinschätzung eines Nanopartikel ist daher sehr komplex und Erkenntnisse zu den Gefahren eines Nanopartikels können nicht auf einen anderen Nanopartikel übertragen werden.

Fehlende Transparenz

Nach der heutigen Gesetzgebung muss der Einsatz von synthetischen Nanopartikel in der Schweiz nicht gekennzeichnet werden. Dadurch ist die Transparenz nicht gewährleistet. In Gesprächen zwischen Vertretern von Behörden, Konsumentenorganisationen, Industrie und Detailhandel hat sich gezeigt, dass die Bevölkerung darüber informiert sein will, ob und in welchen Produkten Nanomaterialien enthalten sind. Am stärksten in der Kritik steht die Anwendung von Nanopartikel im Lebensmittelbereich, bei Gebrauchsgegenständen und in der Landwirtschaft. Das liegt daran, dass nanohaltige Produkte, die körpernah benutz werden, von der Bevölkerung schlecht akzeptiert werden.
Die Gesetzgebung lässt heute einen grossen Spielraum zu, da der Umgang mit synthetischen Nanomaterialien im Gesetz nicht explizit erwähnt wird. Zwar schliesst die heutige Gesetzgebung implizit auch synthetische Nanopartikel mit ein, jedoch fehlt eine gültige Definition. Dies führt zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit.

Motion der SAG von Bundesrat abgelehnt

Um diese Lücke zu beheben und damit die Entscheidungsfreiheit der Konsumenten zu erhöhen hat Maya Graf, Nationalrätin und Präsidentin der Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG) im Dezember 2011 eine Motion eingereicht. Die Motion forderte folgende Punkte:

  • Eine gesetzliche Regulierung der Nanotechnologie
  • Aufbau eines Registers der hergestellten, importierten und in Verkehr gebrachten Nanomaterialien in der Schweiz
  • Einführung einer Deklarationspflicht für Produkte mit Nanopartikeln, insbesondere bei Lebensmitteln und Kosmetika


Als Trägerorganisation der SAG unterstützt die Kleinbauern-Vereinigung diese Vorschläge.

Bundesrat überlegt sich Deklarationspflicht

Der Bundesrat hat sich gegen die Motion ausgesprochen. Er begründet die Ablehnung folgendermassen: „Nanomaterialien werden bereits durch verschiedene Rechtsvorschriften geregelt, die in den einzelnen Anwendungsbereichen gelten […], selbst wenn sie darin nicht explizit erwähnt sind.“ Ausserdem hält der Bundesrat ein Register für die in der Schweiz produzierten Nanomaterialien für zu teuer und zu unspezifisch. Noch unklar ist, ob der Bundesrat bei der Deklarationspflicht dem Entscheid der EU folgen wird und ebenfalls eine Kennzeichnungspflicht für nanohaltige Kosmetika und Lebensmittel im Jahr 2013 oder 2014 einführt. Der Bundesrat erklärt in seiner Antwort aber auch, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Gebrauch von Nanomaterial erst ausgearbeitet werden, wenn die wissenschaftlichen und methodischen Grundlagen vorhanden sind, um mögliche schädliche Auswirkungen von synthetischen Nanomaterialien auf Gesundheit und Umwelt zu erkennen. Die dafür nötigen Informationen erwartet der Bundesrat aus den Erkenntnissen des Aktionsplans „Synthetische Nanomaterialien“ und dem Nationalen Forschungsprogramm NFP 64 „Chancen und Risiken von Nanomaterialien“. Von den zwei Projekten erhofft sich der Bundesrat die bestehenden Lücken im gegenwärtigen Wissen über Nanotechnologie zu schliessen. Der Aktionsplan ist nach einer fünfjährigen Dauer bereits bis 2015 verlängert worden, da noch viele Fragen ungeklärt sind.


Weitere Infos:
Factsheet Nanotechnologie in der Landwirtschaft

Aktionsplan „Synthetische Nanomaterialien“

Nanotechnologie: Situationsanalyse der SAG

NFP 64 „Chancen und Risiken von Nanomaterialien“

Dossier Nanotechnologie, Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften