Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen
Startseite Themen Agro-Gentechnik | Nanotechnik Gentechmais: Neu als Futtermittel zugelassen
Themen
Agro-Gentechnik | Nanotechnik
11. November 2014    ,

Gentechmais: Neu als Futtermittel zugelassen

Seit 1. Juli 2014 steht der gentechnisch veränderte Mais 1507 auf der Liste der zugelassenen GVO-Futtermittel. Diese Bewilligung erteilte das Bundesamt für Landwirtschaft. Grund genug, interessierte KonsumentInnen über das Status Quo in der Schweizer Nutztierfütterung aufzuklären und sich über den Anbau des Mais 1507 einige kritische Gedanken zu machen. Denn ein Futtermittel zulassen, heisst indirekt auch dessen Anbau, wenn auch nicht hierzulande, gutzuheissen.

Text als PDF

Aufgrund des Gentech-Moratoriums, welches noch bis Ende 2017 in Kraft ist, werden in der Schweiz keine gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut – weder Lebensmittel für Menschen noch Futtermittel für Nutztiere. Im Gegensatz zum Anbau ist der Import von gentechnisch veränderten Pflanzen (in nicht vermehrungsfähiger Form, z.B. gemahlen) zu Fütterungszwecken möglich, sofern eine Zulassung besteht. Bisher hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eine gentechnisch veränderte Soja- und drei gentechnisch veränderte Maissorten zugelassen. Auf den 1. Juli 2014 erhielt der gentechnisch veränderte Mais 1507 neu die Futtermittel-Zulassung vom BLW.

Gentechfrei – vom Anbau bis in den Futtertrog
Obschon rechtlich möglich, importierte zwischen 2008 und 2012 niemand gentechnisch veränderte Futtermittel in die Schweiz: sämtliche Nutztiere wurden hierzulande ohne Gentechnik gefüttert.[1] Viele Labels verlangen dies ohnehin (BioSuisse, IPSuisse, SuisseGarantie, nicht abschliessend). Die neue Agrarpolitik hält fest, dass der Bund die Ausrichtung der Land- und Ernährungswirtschaft auf eine gemeinsame Qualitätsstrategie unterstützt. Diese Qualitätsstrategie bekräftigt unter anderem: «Die Landwirtschaft verzichtet zur Nutzung von Marktchancen auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (vermehrungsfähige Pflanzen, Pflanzenteile, Saatgut und Tiere).» Bereits haben viele Unternehmen und Organisationen der Schweizerischen Land- und Ernährungswirtschaft diese Strategie unterzeichnet, so auch die Fenaco. Deren Tochterunternehmen UFA (Union des Fédérations Agricoles) stellt Futtermittel her und kennt die Nachfrage auf dem inländischen Futtermittelmarkt. Herr Berweger, Verkaufsleiter bei der UFA Ostschweiz, sagt: «An der Front haben wir keine Nachfrage nach gentechnisch veränderten Futtermitteln. Die Bauern sind sensibilisiert. Wir als Futtermittelhändler empfehlen gentechnisch veränderte Pflanzen auch nicht zur Fütterung.»
Die Schweizer Landwirtschaft produziert heute also gentechfrei, nicht nur direkt beim Anbau, sondern auch indirekt bei der Fütterung.

EU: Anbau-Zulassung sorgt für rote Köpfe
Das «Ja» der Verwaltung zum Import des Mais 1507 als Futtermittel ist auch ein «Ja» zum Anbau. Denn ohne Anbau, gibt es auch kein Futter. Der Anbau des Mais 1507 ist aktuell in Argentinien, Brasilien, Kanada und den USA möglich und weltweit umstritten. Bestes Beispiel dafür ist die entsprechende Anbau-Zulassung in der EU: Der Mais 1507 wird in der EU wahrscheinlich demnächst zum Anbau zugelassen werden, obschon sich 19 der 28 Mitgliedstaaten gegen eine Anbau-Zulassung  ausgesprochen haben. Die Stimmen der Staaten werden unterschiedlich gewichtet, so bestand keine qualifizierte Mehrheit gegen die Anbau-Zulassung. Deutschland, das eine Anbau-Zulassung hätte verhindern können, enthielt sich der Stimme. Nun ist der Vorschlag zurück in der EU-Kommission. Diese wird den Antrag wahrscheinlich genehmigen, soweit ist es aber heute noch nicht. Steht einmal die Anbau-Zulassung, bleibt den einzelnen EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit, trotz einer EU-weiten Zulassung, den Anbau im eigenen Land zu verbieten. Diese nationalen Anbauverbote sind zurzeit nur möglich, wenn die Staaten aktuelle Studien vorlegen, die Hinweise auf Umwelt- oder Gesundheitsgefahren durch die jeweilige Gentechnik-Pflanze liefern. Andere rechtliche Möglichkeiten, den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen im eigenen Land zu verbieten, werden derzeit im EU Parlament neu verhandelt.
Frankreich hat sich bereits kritisch zur Anbau-Zulassung des Mais 1507 geäussert. Ähnlich äussern sich der Gesundheits- und der Landwirtschaftsminister von Österreich: sollte der Mais 1507 für den Anbau in der EU zugelassen werden, werde Österreich ein nationales Anbauverbot verhängen. In Deutschland wehren sich z. B. die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg gegen den Anbau von Mais 1507. Die CSU verlangt, dass jedes Bundesland selbst über den Anbau entscheiden kann. Insgesamt 11 der 16 Bundesländer bekennen sich zu einer Landwirtschaft ohne Gentechnik.

Weltweit: Anbau führt zu Resistenzen
Während die EU um die Anbau-Zulassung zankt und die Schweiz eine Futtermittel-Zulassung erlässt, haben die Bauern in Brasilien bereits mehrere Jahre Anbauerfahrung mit dem Mais 1507. In Brasilien hat er seine Wirkung gegen bestimmte Schädlinge schon wenige Jahre nach der Zulassung verloren. Einer Studie zufolge hat die Resistenzentwicklung des Heerwurms, der vor allem in Nord- und Südamerika verbreitet ist, bereits im dritten Jahr nach der Markteinführung von Mais 1507 begonnen. Diese Resistenzentwicklung in Brasilien reiht sich ein in eine Vielzahl ähnlicher Fälle; Probleme mit Schädlingen, die resistent gegen die von den Pflanzen gebildeten Toxine werden, sind in vielen Anbauländern Tatsache. Puerto Rico nahm den Mais 1507 deshalb bereits 2008 wieder vom Markt.

Gentech-Mais 1507 kurz und bündig
Der Mais 1507 wurde von der Firma Pioneer Hi-Bred entwickelt. Mittels Gentechnik wurden zwei neue Eigenschaften in den Mais eingebaut: Er ist resistent gegen das Breitbandherbizid Glufosinat und ein sogenannter Bt-Mais. Bt-Mais erzeugt aufgrund einer gentechnischen Veränderung ein für Insekten giftiges Protein. Dieses produziert der Mais natürlicherweise nicht, sondern die Bakterien mit dem Namen «Bacillus thuringensis». Im Anbau entstehen v.a. Probleme mit Resistenzentwicklungen von Schädlingen.

Schweiz: Was können KonsumentInnen tun?
Konsumentinnen und Konsumenten können heute darauf zählen, dass die Schweizer Bauern ihren Tieren keine gentechnisch veränderten Futtermittel füttern. Ein Grund mehr, ob zuhause oder auswärts, sich für Schweizer Fleisch, Eier und Milchprodukte zu entscheiden. 
Indem Schweizer Bauern keine gentechnisch veränderten Futtermittel verwenden, produzieren sie, was der Markt verlangt und setzen ein klares Zeichen gegen die einfältige, industrielle Landwirtschaft. Die neue Futtermittel-Zulassung des Mais 1507 steht da quer in der Landschaft. Sie widerspiegelt industrielle und wissenschaftliche Interessen. Enthielte das Zulassungs-Verfahren auch Kriterien, die den gesellschaftlichen und landwirtschaftlichen Anliegen Rechnung tragen würden, wäre es wohl nie zur Bewilligung des Mais 1507 gekommen.

Deklaration von gentechnisch veränderten Futtermitteln
Gentechnisch veränderte Futtermittel müssen in der Zusammensetzung eines Futtermittels deklariert werden. Dort steht unmittelbar nach dem spezifischen Namen des Futtermittels (oder in einer Fussnote in gleicher Schriftgrösse) «gentechnisch veränderter [Bezeichnung des Organismus]» oder «genetisch veränderter [Bezeichnung des Organismus]»[2].
Gekennzeichnet werden muss ein gentechnisch verändertes Futtermittel erst, wenn der Anteil gentechnisch verändertes Material mehr als 0.9 Prozent des Futtermittels ausmacht, vorausgesetzt dieser Anteil ist unbeabsichtigt oder technisch nicht zu vermeiden. (In der EU liegt dieser Toleranzwert bei 0.1 Prozent).


[1] 2013 wurde gemäss offizieller Statistik des BLW erstmals 13 Tonnen «Round up ready Soya» für ein Futtermittel im Haustierbereich importiert. Aus Datenschutzgründen geben weder das BLW, noch die eidgenössische Zollverwaltung oder Agroscope Auskunft darüber, wer das Futtermittel (wahrscheinlich Hundefutter) herstellt, wie es heisst und ob es für den inländischen Markt oder für den Export bestimmt ist. Es sei alles deklariert (siehe Box) und es bestehe kein Risiko, heisst es von Agroscope.

[2] Quelle: Freisetzungsverordnung, Art. 10