Die Zukunft wartet noch ein Jahr
Eigentlich hatte der Vorstand der Kleinbauern-Vereinigung vor zwei Jahren angekündigt, der Jahresversammlung 2010 ein beschlussreifes Szenario zur weiteren Zukunft der Organisation zu präsentieren. Wir brauchen etwas länger!
Die grüne Kuh
die sich entgegenstellt, ist Symbol für Widerstand gegen Grossbauernpolitik. Sie steht für ökologische und soziale schweizerische Agrarpolitik
Der Vorstand der Kleinbauern-Vereinigung arbeitet an der Zukunft der Organisation. Im ÖKOLOGO vom März war bereits zu lesen, dass es keine Jubiläumsfeier zum dreissigjährigen Bestehen gibt. Der Blick wird nicht zurück, sondern ganz auf die Zukunft gerichtet. Allerdings lässt sich der Entwicklungsprozess nicht übers Knie brechen. Es braucht mehr Zeit als ursprünglich geplant. Die Zukunft muss noch ein Jahr warten. So kann der Jahresversammlung 2010 noch kein vollendetes Konzept über die weitere Entwicklung zum Beschluss vorgelegt werden. Es wird aber einen Zwischenbericht geben. Dieser zeigt auf, welche Überlegungen und welche Abklärungen schon gemacht worden sind. Und im Zwischenbericht steht, wie und mit welchem Fahrplan der Vorstand in den nächsten zwölf Monaten zum Ziel gelangen will.
Die Partner im Umfeld stärker einbeziehen
In den letzten zwei Jahren haben Vorstand und Geschäftsstelle die Frage der weiteren Zukunft aus der Sicht von innen angegangen. Welche Zukunftsvorstellungen haben wir im Vorstand selber? Dann haben wir mit einer Umfrage herauszufinden versucht, wie die Mitglieder und die Abonnenten unserer Zeitschrift die Organisation beurteilen. Die Auswertung der 1’600 Antworten auf unsere Fragen gaben Hinweise auf Stärken und Schwächen der Kleinbauern-Vereinigung. Grundsätzlich ergaben sich aus der Analyse als Alternative zum «Weitermachen wie bisher» zwei Optionen:
● Aus der Kleinbauern-Vereinigung wird eine Bauern & Konsumenten-Vereinigung. Die Entwicklung der Organisation ging in den letzten Jahren bereits in diese Richtung und würde nun konsequent zu Ende geführt. Das Risiko ist, dass wir über zu wenig finanzielle Reserven verfügen, um die mögliche Durststrecke zu verkraften, wenn wir die sympathische Marke «Kleinbauern» ersetzen.
● Die Kleinbauern-Vereinigung schliesst sich einer anderen Organisation an oder mit dieser zusammen. Eine solche Lösung gründet in der Hoffnung, nach einem An- oder Zusammenschluss über mehr menschliche und finanzielle Ressourcen zu verfügen und dadurch mehr Wirkung erzielen zu können. Doch gibt es Partnerorganisationen? Die ersten Kontakte mit möglichen Partnerorganisationen förderte eine Erkenntnis zu Tage: Auch andere Organisationen kennen finanzielle Probleme oder stehen vor dem Generationenwechsel. Unsere Anfrage löste gemischte Reaktionen aus. Es gibt Organisationen, die selber in einer Reorganisation stecken oder eine solche gerade vollzogen haben. Andere wiederum schieben einen Entscheid über die Zukunftsgestaltung vor sich her. Und es gibt Organisationen, die stecken ihr Tätigkeitsfeld ab und sehen keinen Anlass für strukturelle Änderungen.
Personelle Erneuerung als erster Schritt
Für den Vorstand der Kleinbauern-Vereinigung ist diese Situation zwiespältig: Sollen wir unsere Weiterentwicklung forcieren? Wenn unser neues Organisationsmodell überzeugt, werden Partner aus eigenem Antrieb hinzustossen. Oder wollen wir den möglichen Partnerorganisationen mehr Zeit lassen? Wir drosseln das Tempo, damit die Kontakte vertieft und Vertrauen aufgebaut werden können. Der Vorstand hat beschlossen, sich ein zusätzliches Jahr Zeit zugeben, aber mit der personellen Verjüngung nicht zu warten. Die neue Generation wird in den Prozess integriert. Für den Vorstand werden Interessierte gesucht. Sie sollen die Planung für die Zukunft der Organisation mitbestimmen. Und für die Geschäftsstelle wird eine neue Leitung gesucht. Die Mitglieder und Sympathisanten der Kleinbauern-Vereinigung werden an der Jahresversammlung über diesen Zwischenstand diskutieren und beschliessen, ob dem Vorstand ein zusätzliches Jahr für die Reorganisation eingeräumt wird?
Vorstand Kleinbauern-Vereinigung
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Herbert Karch
Die Reorganisation der Kleinbauern-Vereinigung beginnt
Erstes deutliches Zeichen für den Generationenwechsel ist die Neubesetzung der Geschäftsleitung. Die Stelle ist ausgeschrieben worden, das Bewerbungsverfahren ist in Gang. Herbert Karch (59) gibt nach 23 Jahren die Führung der Geschäftsstelle im Herbst ab. Er geht der Kleinbauern-Vereinigung nicht verloren, sondern wird die Reorganisation mit einem Beratungsmandat begleiten.
FOTO: VKMB