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Agrarökonom mit berühmten Vorfahren



Die landwirtschaftlichen Direktzahlungen werden überprüft. Die Modelle für Prognosen werden von der Forschungsanstalt in Tänikon im Kanton Thurgau geliefert – und damit von Stefan Mann, einem Agrarökonomen mit berühmten Vorfahren.



Stefan Mann vor dem ehemaligen Kloster in Tänikon.

Vor zwanzig Jahren begann in der schweizerischenLandwirtschaftspolitik der Übergang von Produktesubventionen zu Direktzahlungen. Seit zehn Jahren ist dieser Wechsel in der Verfassung und im Landwirtschaftsgesetz verankert. Gegenwärtig wird as System der Direktzahlungen einer Überprüfung unterzogen. Geleitet wird die Überprüfung vom Bundesamt für Landwirtschaft. Die Berechnungen setzen Prognosen und Annahmen bezüglich der Entwicklung der Rahmenbedingungen, der Preise sowie der Strukturen voraus. Die für die Berechnungen notwendigen Modelle liefert die Forschungsanstalt auf dem Gelände des ehemaligen Klosters in Tänikon – korrekt: Agroscope Reckenholz-Tänikon ART. Begleitet wird das Projekt vom wissenschaftlichen Beirat der Arbeitsgruppe für Direktzahlungen. Präsident dieses Beirats ist der Agrarökonom Stefan Mann, gleichzeitig Leiter der Prognosesysteme beim ART. Er sieht das gegenwärtige System der Direktzahlungen «als Resultat eines politischen Kompromisses». Bei der Überprüfung gehe es nun darum, die Ineffizienzen zu benennen, respektive beim Bereich der ökologischen Direktzahlungen zu prüfen, inwieweit positive Wirkungen für die Umwelt noch effektiver erzielt werden können. Stefan Mann ist 39-jährig und lebt in Pfäffikon, im Zürcher Oberland. Der Vater von drei Schulkindern ist doppelt promovierter Agrarökonom. Neben seiner Arbeit spielt er Geige bei den Winterthurer Symphonikern und liest gerne anspruchsvolle deutsche Literatur. Letzteres dürfte nicht ganz Zufall sein: Sein Urgrossvater väterlicherseits ist der grosse Dichter Thomas Mann. Damit nicht genug – auch das Forscherblut dürfte vererbt sein: Sein Grossvater mütterlicherseits ist der berühmte Physiker Werner Heisenberg, der Entdecker der so genannten Unschärferelation. Unschärfe, der Begriff – wenn auch nicht im physikalischen Sinn – schlägt eine Brücke zurück zu den Direktzahlungen. Mehr Klarheit, mehr Transparenz bei den allgemeinen Direktzahlungen ist Stefan Mann ein wichtiges Anliegen. Das System soll so weiterentwickelt werden, dass die Ziele einfach und transparent erreicht werden können. «Direktzahlungen enthalten umwelt-, regional- und sozialpolitische Komponenten. Diese müssen für den Steuerzahler übersichtlich dargelegt werden, damit er den Nutzen der Direktzahlungen auch abschätzen kann». Stefan Mann ist überzeugt: Nur wenn die Bundesmittel effizient eingesetzt würden, liessen sich auch politische Mehrheiten finden. «Auf der Produkteseite regelt der Markt die Nachfrage; anders ist es aber bei gesellschaftlichen Leistungen wie dem Landschaftsschutz, dort braucht es eben eine Offenlegung sämtlicher relevanten Faktoren.» Allerdings, Stefan Mann ist ganz der Forscher, der sich nicht unbedingt wertend äussern will: «Die Ziele werden von der Agrarpolitik festgelegt, wir liefern die Instrumente.» An der vom Parlament geforderten Auslegeordnung will auch die Kleinbauern-Vereinigung aktiv mitwirken und aufpassen, dass später im politischen Prozess Fortschritt statt Rückschritt resultiert. Die Kleinbauern-Vereinigung will, dass bei der Weiterentwicklung des Zahlungssystems die soziale Dimension, sprich die Verteilungsgerechtigkeit, miteinbezogen wird. Stefan Mann wird ein interessanter Gesprächspartner mit besonderem Hintergrund sein.
Marc Hammel


FOTO: MARTIN BAUMANN

Biodiversität in der Landwirtschaft Mehr Armut, Hunger und Umweltzerstörung