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Fenaco – der stille Riese im Agrargeschäft



Die Landwirtschaft steht Marktpartnern mit monopolistischer Macht gegenüber. Zwei Grossverteiler dominieren den Lebensmittelhandel, vier Grossmolkereien die Milchverarbeitung und der Mischkonzern Fenaco macht sich im Agrar- und Futtermittelhandel breit.

  Agrola, Landi, Volg: Hinter diesen bekannten Marken steht der unbekannte Agrarkonzern Fenaco. Der «Rundumversorger für die Landwirtschaft»
erobert eine Monopolstellung. Seine Marktmacht stellt die Unabhängigkeit der Bauern in Frage.


Die Schweizer Landwirtschaft hat in den letzten Jahren den Wert ihrer Erzeugnisse bei jährlich 10 Milliarden Franken gehalten. Auf den ersten Blick ein achtbares Ergebnis. Doch rund um die Bauern agieren Unternehmen, die aus Agrarrohstoffen und Lebensmitteln wachsende Umsätze generieren. Eines dieser Unternehmen ist der Agrarkonzern Fenaco, der die Landwirte mit Produktionsmitteln versorgt und ihre Erzeugnisse veredelt und vermarktet. Es ist ein stiller Riese. Der Fenaco begegnen weder die Konsumenten noch die Bauern direkt. Lange wurde wenig über das Geschehen im 5-Milliarden-Agrarkonzern veröffentlicht. Die Konzernleitung will jetzt aber mehr transparenz schaffen.

Wer ist und wem gehört Fenaco?
Das Stammhaus Fenaco ist keine AG, sondern eine Genossenschaft. Die eigentlichen Besitzer der Fenaco sind rund 50’000 Bauern. Sie sind beteiligt an 234 Landi-Genossenschaften, welche den grössten Teil der Anteilsscheine der Fenaco halten. Die Bauern sind also gleichzeitig Besitzer und Kunde, und das ist nicht immer einfach. Die Distanz zwischen den Bauern und der Geschäftsleitung der Fenaco ist gross. Viele Bauern kennen «ihr» Unternehmen zu wenig gut, dies gibt auch Willy Gehriger, Vorsitzender der Geschäftsleitung zu (UFA-Revue 6, 2008). Die Landi ist nur ein Geschäftszweig, die Fenaco ist auch an Aktiengesellschaften wie Volg, UFA, Frigemo, Agrola, Melior oder Landor beteiligt. Dass Elmer Mineralquellen oder Marken wie Pepsi und Sinalco zu Fenaco gehören, überrascht vielleicht. Fenaco deckt somit die ganze Wertschöpfungskette der Landwirtschaft ab. Fenaco-Firmen handeln mit Fleisch oder Gemüse, andere keltern Wein oder liefern die Pommes-frites für McDonalds. Viele Erzeugnisse gelangen über die Volg-Läden oder sonst über den Detailhandel zu den KonsumentInnen.



Auch Brenn- und Treibstoff liefert Fenaco. Bauern tanken Diesel bei Agrola und kaufen Saatgut und Futtermittel bei UFA . Über Fenaco-Unternehmen werden rund 50 Prozent der Kartoffeln und 60 Prozent des Getreides vermarktet. Bei den Ölsaaten liegt der Marktanteil sogar bei 80 Prozent. Auch beim Dünger dominiert die Fenaco mit einem Anteil von vier Fünfteln im schweizerischen Markt. Der Landwirtschaftskonzern Fenaco ist in fünfzehn Jahren zu einem mächtigen Player im Schweizer Agrarmarkt angewachsen und konnte Ende 2007 mit einem Umsatz von 5 Milliarden Franken und einem Betriebsergebnis von über hundert Millionen Franken einen Rekord erzielen. Rund ein Viertel des Umsatzes erzielte Fenaco im Agrarsegment (siehe Box). Ob die Grösse und die weit verzweigten Aktivitäten zu einer marktbeherrschenden Stellung führen? Das Wachstum der Fenaco wird von der Wettbewerbskommission beobachtet.

Unauffällig im Geschäft und in der Politik
Haben die Bauern noch Einfluss auf den Konzern? Ja, indirekt via Landi, wo sie Genossenschafter sind. Die beteiligten Landi entsenden je einen Vertreter in die Fenaco-Delegiertenversammlung. Auf Konzernebene entscheidet das Management im operativen Geschäft und der Verwaltungsrat ist verantwortlich für die Strategie. In den Verwaltungsrat gewählt sind elf Landwirte, vier Landi-Geschäftsführer, je ein Anwalt und ein Treuhänder. Mit Caspar Baader und Guy Parmelin sind zwei SVP-Nationalräte dabei. Als Zulieferer und Abnehmer der Bauern nimmt Fenaco eine Schlüsselrolle ein, kaum ein Bauer kommt am Rundumversorger Fenaco vorbei, wie das Beispiel der Getreideannahme zeigt: Die Fenaco offeriert den Bauern eine Art Termingeschäft, am Schluss der Ernte gibt es eine Akontozahlung über ungefähr 90% des voraussichtlichen Marktpreises des Produkts. Fenaco zahlt den erzielten Mehrpreis den Bauern nach, läuft es aber nicht gut, tragen die Bauern die zehn Prozent Risiko. Die politischen Konturen der Fenaco zeichnet Konzer-Chef Gehringer in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger (18.6.2008). Agrarfreihandel mit der EU wird als ein politisches Abenteuer gesehen. «Wir würden nur wenige Millionen durch verbilligte Produktions mittel sparen.» Gehringer argumentiert mit den fallenden Agrarpreisen: «Die Bauern werden den Einkommensverlust nie kompensieren können.» Parallelimporte hingegen begrüsst er, «damit Chemiekonzerne uns Werkpreise verrechnen wie in Deutschland und Frankreich.» Überraschend die Offenlegung des Verbands- und Politsponsorings. Gehring macht kein Geheimnis: Der Schweizerische
Bauernverband erhält jährlich 200 000 Franken. Auch FDP, CVP und SVP sponsert Fenaco mit 10 000 Franken pro Jahr. Wozu genau ist unklar, aber die beiden Nationalräte im Verwaltungsrat wird die Spende vom Rundumversorger freuen.

Ilona Meier



FOTOS: DORIS KARCH

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