Der Bio-Biss auf dem Berner Bärenplatz
Auf dem Bärenplatz in Bern führt Michael Zoar seit sieben Jahren seinen «Bio-Biss», einen Stand mit Biofleisch- und Wurstwaren. Er ist in dieser Zeit zu einer richtigen Institution geworden. Warteschlangen vor dem Stand sind der tägliche Qualitätsbeweis.
Es vergehen keine fünf Minuten, dann steht bereits die nächste Menschengruppe um den Stand von Michael «Micha» Zoar auf dem Berner Bärenplatz. Diesmal wird hebräisch gesprochen und es geht um ein «Geschäft». Der ältere Mann möchte Micha davon überzeugen, Granatäpfel in sein Soriment aufzunehmen. Den nötigen Nachschub könne er sicher stellen. Micha zieht dies aber nicht in Betracht. Sein Geschäft ist ein anderes: Er verkauft Bio-Fleischwaren vom Grill.
Von der Dampflok angezogen
Seit sieben Jahren steht sein gut ausgebautes mobiles Verkaufsgeschäft von Dienstag bis Samstag auf dem Bärenplatz. Nur in der Vorweihnachtszeit im Monat Dezember zieht er ein paar hundert Meter weiter, auf den Münsterplatz. Beides Orte an ausgezeichneter Passantenlage. Wer den Stand mit dem Grill im Design einer alten Dampflokomotive sieht, fühlt sich angezogen. Micha ist in seinem Element, wenn die wartende Menge immer grösser wird. Er palavert, scherzt, philosophiert und erzählt Geschichten. Und manchmal, wenn der Andrang gering ist, erzählt er aus seiner Vergangenheit. Gut dreissig Jahre ist der gebürtige Israeli nun in der Schweiz. Er spricht den Berner Dialekt ausgezeichnet und erinnert sich ganz genau, wie er ihn gelernt hat: «Ich kam als erstes mit meiner Frau, eine Schweizerin, nach Frutigen. Dort liess sich kein Kontakt mit den Einheimischen herstellen, ohne dass man die Sprache beherrschte. Deshalb machte ich mich ganz schnell dahinter». Heute lebt Micha Zoar in Bern-Liebefeld und möchte nicht mehr weg. «Die Nähe zum Markt auf dem Bärenplatz ist wichtig. Ich habe mich hier bestens eingerichtet», sagt er. Bestens eingerichtet hat er auch sein Verkaufsmobil. Es ist eine Sonderanfertigung, die es nicht von der Stange zu kaufen gibt. Die Erfahrungen aus den letzten sieben Jahren sind darin eingeflossen. Er ist in der Lage, den teilweise grossen Andrang alleine zu bewältigen. Jeder Handgriff sitzt und der Warenvorrat ist schnell zur Hand. «Ich war vorher über zehn Jahre lang am anderen Ende des Bärenplatzes als Schmuckverkäufer tätig. Doch der Kontakt zu den Kunden, die fast jeden Tag vorbei kommen, ist bei einem Grillstand viel schöner», vergleicht Micha Zoar. Zum Beispiel die Gruppe von älteren Italienern, die mit ihm täglich die neusten Aktualitäten bespricht und ihm beim schälen der Bio-Kartoffeln hilft. «So etwas gibt es an einem Schmuckstand nicht».
Kochen war schon immer Leidenschaft
Kochen, grillieren, bedienen – das war für Micha schon immer eine Leidenschaft. Er hat auch schon in einer Restaurant-Küche gearbeitet und weiss, worauf es beim Kochen ankommt. Doch ein eigenes Restaurant zu führen, geht ihm doch zu weit. Die Regelmässigkeit der Arbeit am Stand auf dem Bärenplatz zieht er der unregelmässigen Arbeitszeit in einem Gastbetrieb vor. «Es ist einfach ganz was anderes, einen Imbisstand zu führen, anstatt ein Restaurant». Er bezeichnet sich deshalb auch nicht als Gastwirt, sondern als Gastgeber. Grossen Wert legt Micha auf die Qualität und die Herkunft seiner Zutaten. Das Fleisch entspricht den Bio-Suisse-Richtlinien, ebenso die Kartoffeln für seine Pommes Frites.
Remi Buchschacher
FOTO: ZVG