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Konkurrenz für Natur und Lebensmittel verhindern



In Ländern mit grossflächigem Ackerbau boomt der Markt für Treibstoff aus Energie-Pflanzen. Die Ölknappheit macht alternative Energie vom Bauernhof auch in der Schweiz ökonomisch interessant. Doch wie ökologisch ist sogenannter Biodiesel? Füllen wir die Tanks mit dem Brot der Armen?

Wie viel Energie frisst die Produktion landwirtschaftlicher Energiepflanzen? Wie steht es mit der CO2- Bilanz? Das sind die Schlüsselfragen bei der ökologischen Bewertung des neuen Booms. Öl wird knapper und das Klima erwärmt sich unter der weltweiten CO2-Glocke. Der Verdacht für menschenverschuldete Veränderungen wird von wissenschaftlichen Erkenntnissen erhärtet. Energieverbrauch drosseln ist die richtige Folgerung aus dieser Sachlage. Um den Spardruck zu mildern, sind alternative Energieträger im Aufwind, die nicht von Öl abhängig sind. Doch schon werden Schattenseiten der landwirtschaftlichen Energieproduktion sichtbar.

Fressen Autos das Brot der Armen?
In Mexiko schnellt der Preis für Tortilias, das tägliche Brot der Bevölkerung, in die Höhe, weil zunehmend Mais von amerikanischen Unternehmen zur Herstellung von Ethanol als Treibstoff aufgekauft wird. Für die ärmeren Schichten bedeuten diese Exporte die Gefahr von Lebensmittelknappheit, ja Hunger. Ethanol lässt sich aus stärke- und zuckerhaltigen Pflanzen gewinnen und kann Benzin oder Diesel beigemischt werden. Um die Abhängigkeit von Öl aus dem arabischen Raum zu reduzieren, fördert die Bush-Administration Investitionen zur Erzeugung pflanzlicher Treibstoffe. Bei Schweizer Bauern weckt die Aufwärtsbewegung der Welthandelspreise für landwirtschaftliche Rohstoffe eher positive Erwartungen. Nicht nur weil neue Erwerbsmöglichkeiten entstehen, sondern auch weil sich die Preisdifferenz zu unseren Gestehungskosten für Getreide, Mais und Kartoffeln verringert. Wenn diese Tendenz anhält, bekommt die Schweiz mehr Spielraum für den geforderten Agrarzollabbau in den WTOVerhandlungen. Allerdings wirkt sich die Verteuerung der Energie auch auf die Produktionskosten der Landwirtschaft aus. Zudem werden die importierten Futtermittel teurer. Wenn wir aber ethisch und ökologisch nicht in das gleiche Dilemma geraten wollen wie mit Sojafuttermittelimporten, für die Regenwald gerodet wird, dann braucht es für den Import von Agro-Treibstoffen von Anfang an Kriterien. Dazu gehören Sozialstandards über die Lebensbedingungen der Erntearbeiter und die Ernährungssicherung für die Bevölkerung in den exportierenden Ländern. Solche Mindestanforderungen müssen im Parlamentsbeschluss über die Vergünstigung von Agrotreibstoffen unbedingt verankert werden. Die Gewährung von Zollpräferenzen für importiertes Ethanol oder Treibstoffbeimischungen von Ethanol darf nicht dazu führen, dass sklavereiähnliche Zustände auf den Latifundien Südamerikas oder die Vertreibung von Kleinbauernfamilien unterstützt werden.

Wälder roden und Monokulturen für den Klimaschutz?
Was ebenfalls nicht durch Zollvorteile für importierte Agrotreibstoffe ungewollt gefördert werden darf, sind Rodungen in Regenwaldgebieten oder die Verringerung von Ökoausgleichsflächen. Letzteres droht bei der Ausdehnung des Energiepflanzenanbaus in Europa. In der EU ist die Wiederbewirtschaftung von stillgelegten Ackerflächen mit Energiepflanzen bereits feststellbar. Die bescheidenen Bracheprämien können die Landwirtschaft nicht mehr davon abhalten, Ausgleichsflächen unter den Pflug zu nehmen. Die Kleinbauern-Vereinigung steht der Energieproduktion durch Landwirtschaftsbetriebe positiv gegenüber. Aber damit ökologische und soziale Negativeffekte vermieden werden können, muss für die schweizerische Energieproduktion aus Vergärung und Kompostierung gelten: Grüngut sowie Nebenprodukte oder Abfälle aus Nahrungsindustrie und Landwirtschaft haben Vorrang vor Pflanzenanbau zu Energiezwecken. Und für den Import von Agro-Treibstoff soll gelten: Zollvergünstigungen werden gekoppelt an ökologische und soziale Mindestauflagen.

Herbert Karch

Landwirtschaftliche Energieproduktion im ökologisc

  Alternativenergie im Vergleich Energie und Ökokriterien
Sozialkriterien und Wirtschaftlichkeit
Biomasse aus
Hofdünger und
organischen
Abfällen
Bei Kompostierung: Wie viel Energieaufwand
für Transport, Bearbeitung
und Ausbringung?
Bei Verbrennung: CO2-Bilanz, welcher
Heizwert?
Organische Abfallverwertung
(Grüngut, Nebenprodukte und Abfälle
der Nahrungsindustrie) ist Teil des
Service public.
  Biomasse
aus dem
Anbau von
Pflanzen
Inlandanbau: Wie kann durch
ökologische Auflagen die Überintensivierung
des Anbaus vorhindert
werden?
Import: Rodung von Regenwald?
Gentech-Monokulturen?
Importe: Gelten faire Arbeitsbedingungen
für Landarbeiter?
Ist die Nahrungsversorgung der
Bevölkerung ungefährdet?
Holz aus
Wäldern
Schweizer Holz: Waldnutzung
kann intensiviert werden, ohne Nachhaltigkeitsprinzipien
zu verletzen
(kein Kahlschlag).
EU-Importe: Teils Kahlschlag.
Schweiz: Öffentlicher und privater
Waldbesitz. Holzwirtschaft im Umbruch.
Waldgesetz begrenzt Nutzungsmöglichkeiten.
  Holz
aus rasch
wachsenden
Baumplantagen
(Eukalyptus)
Schweiz: Keine Holzplantagen.
Import: Eukalyptus und andere Sorten
ökologisch höchst problematisch
(Kunstdünger).
Import primär für Cellulose zur
Papierfabrikation.
Windkraftwerke Vorteil: CO2- Gesamtbilanz sehr gut.
Problem: Veränderung im Landschaftsbild.
Produktion durch Stromkonzerne
oder Bauernbetriebe
(hoher Investitionsbedarf)?
  Solarpanel für
Warmwasser
Zu beachten: Graue Energie im
Ausrüstungsmaterial.
Effiziente Kleinanlagen für die
Eigenversorgung.
  Photovoltaik Zu beachten: Wo und wie werden
die Materialien für Solarzellen
beschafft?
Für Klein- und Grossanlagen
(vorzugsweise auf Gebäuden).
Eine Stimme für Family Farmer in Amerika Käsespezialitäten in Siegerlaune