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Ein Symbol des Wachsens und Lebens



Iris und Lukas Frey haben auf ihrem Hof eine alte Bauerntradition neu belebt: den Brauch, für das Neugeborene einen Baum zu pflanzen. Lebensbaum-Kinder dürfen ihren stämmigen Freund jederzeit besuchen, zwischen den Ästen herumklettern und die Früchte ernten.

Wenn der Frühling an den Hängen des Lindenbergs erwacht, kommt er manchmal nicht umhin, sich zuerst einmal verdutzt die Augen zu reiben. Es sind nicht die frischen Gräser, die sein Erstaunen wecken. Es sind die bunten Motive, die zwischen zarten Knospen baumeln und ihn auf ungewohnte Art willkommen heissen im Lebensbaum-Park im aargauischen Buttwil. Iris und Lukas Frey, die den Park 2003 ins Leben gerufen haben, freuen sich über den liebevoll hergestellten Baumschmuck, über Lokomotiven, Marienkäfer und Herzen, von denen ein grosser Teil mit Kindernamen beschriftet ist. Aber: «Bändeli, Schnüre und Nuschi, die das Wachstum der Bäume hindern, werden von uns abgelöst und am Pfosten bei der Pflanzstelle angebracht», sagt Iris Frey. Unbeeinträchtigtes Aufwachsen ist es schliesslich auch, das sich die Eltern, Grosseltern und Paten für ihre Kinder wünschen, denen sie symbolisch zur Geburt oder zur Taufe einen Lebensbaum im Park geschenkt haben.

Standortgerechte Baumarten
«Lebensbäume stehen für Beständigkeit, Verwurzelung und Heimat», verdeutlicht die initiative Bäuerin. Es seien Werte, mit denen das Projekt einen Kontrapunkt zur herrschenden Konsum- und Wegwerf-Mentalität setzen möchte. Die Botschaft kommt an: 340 Kinder haben bereits ihren persönlichen, beschilderten Baum am Lindenberg, wo übrigens im Frühling nicht nur Linden blühen. Die Eltern der Lebensbaum-Kinder können aus einer umfangreichen Liste den passenden Baum für ihr Kind auswählen. Unter den sechzehn Baumarten im Park, dessen Naturwiese vielen Kleinlebewesen Unterschlupf und Nahrung bietet, sind ausschliesslich einheimische, teilweise gefährdete Laub- und Obstbäume zu finden. Für gemeinsames Grosswerden ist gesorgt: Das Gelände in unmittelbarer Nähe des «Klosterhofes», wo Familie Frey Schweinezucht und Ackerbau betreibt, ist frei zugänglich. «Die Kinder und ihre Angehörigen dürfen die Bäume jederzeit besuchen, zwischen den Ästen herumklettern, die Früchte ernten», so Iris Frey. Grosse und kleine Baumpflanzer setzen ihre Schützlinge im Rahmen einer Pflanzfeier selbst in die Erde ein, um die Pflege und den Unterhalt kümmert sich die Bauernfamilie. Das bäumige Geschenk beinhaltet einen Vertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Der Jahresbeitrag beträgt 50 Franken. «Nach Ablauf entscheidet das mittlerweile flügge gewordene Kind, ob es den Vertrag verlängern oder den Baum als Bänkli nach Hause nehmen will», sagt die Initiantin schmunzelnd.

Preiswürdige Leistung
Die Projektplanung, daneben Kriterien wie Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit überzeugten auch die Jury, die die kreative Bauernfamilie vor kurzem mit dem zweiten Rang des Innovations- und Förderpreises Landwirtschaft des Kantons Aargau bedacht hat. «Hinter jedem Projekt stehen Personen und Bauernfamilien, die sich den Herausforderungen der Zukunft stellen. Es sind offene, begeisterungsfähige, zielstrebige Menschen, die sich von einer Idee, einer Innovation fesseln lassen», hiess es an der Verleihung des von der Aargauischen Landwirtschaftlichen Kredit- und Bürgschaftskasse (ALK) und der Abteilung Landwirtschaft des kantonalen Departements Finanzen und Ressourcen ausgeschriebenen Preises. Man darf gespannt sein, was sich Iris und Lukas Frey als Nächstes einfallen lassen. Ihr kinder- und naturfreundlicher Lebensbaum-Park bietet nur noch Platz für etwa 20 Bäume. Der nächste Pflanztag ist am 7. April.
Weitere Informationen unter www.lebensbaum-park.ch.

Menta Scheiwiler

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