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Die Landwirtschaft spürt den Klimawandel zuerst



Klimaschutz ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Die Landwirtschaft ist besonders darauf angewiesen, dass die durch Menschen verursachte Belastung das Klima nicht aus den Fugen hebt. Die Kleinbauern-Vereinigung engagiert sich darum für die Klima-Initiative.



Gefürchtete Klimaextreme (im Jahr 2005): Zuerst zu viel Regen...



Die Klimaentwicklung hat auf dem Sorgenbarometer der Schweizer Bevölkerung einen obersten Platz erreicht. Das Bewusstsein für die Symptome des Klimawandels wächst. Die Erwärmung ist weltweit spürbar. Überall mobilisieren sich Kräfte gegen die politische Ignoranz der Umweltprobleme. Die UNO hat mit drei Berichten zur Klimaerwärmung die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeiten lassen. Die Menschheit weiss jetzt, dass ein Umdenken notwendig ist. Und dass es möglich ist, allerschlimmste Schäden abzuwenden, wenn rasch gehandelt wird.

Klima-Initiative als politisches Mittel
In der Schweiz hat die Bevölkerung direktdemokratische Mittel, um den politischen Prozess zu beschleunigen. Aus diesem Grund starteten die Umweltorganisationen unter Führung des WWF Schweiz die Klima-Initiative mit dem Ziel, den Ausstoss von Treibhausgasen zu verringern. Bis 2020 sollen die Emissionen um 30 Prozent unter das Niveau von 1990 gesenkt werden. Erneuerbare Energien sollen gefördert und die Energieverschwendung reduziert werden. Der Bund kann finanzielle Anreize geben, zum Beispiel für Solarenergie und Biogasanlagen, oder Vorschriften für die bessere Isolation von Gebäuden und Verbrauchslimiten für Motorfahrzeuge. Die Kleinbauern-Vereinigung unterstützt die Klima-Initiative, weil die Landwirtschaft besonders klimaabhängig ist. Wir haben die befreundeten Bauernorganisationen zum Unterschriften sammeln aufgerufen. IP Suisse, Bio Suisse, kagfreiland und Bioterra helfen bei unserer Aktion «Bäuerinnen und Bauern für Klimaschutz» mit. Auch der Schweizerische Bauernverband wurde eingeladen. Für Elsbeth Arnold, Co-Präsidentin der Kleinbauern- Vereinigung, müssen Bäuerinnen und Bauern nicht lange überlegen, ob Klimaschutz ein wichtiges Thema ist: «Die Vorboten der Veränderung sind am Verhalten sensibler Kleinlebewesen sichtbar.» Damit spricht die Biobergbäuerin aus dem Urner Schächental das Absterben von Bienenvölkern und andere Phänomene an . «In den letzten Jahren macht sich bei uns auf 1100 Meter über Meter eine Engerlingplage in den Wiesen breit. Bereits fliegen Maikäfer auf unseren noch höher gelegenen Sömmerungs-Weiden.» Im Talgebiet hat die Vegetation dieses Jahr einen Vorsprung von zwei bis drei Wochen. Bei Früchten und Gemüse fällt dies besonders auf. «Das warme Frühlingswetter mag für unseren Alltag nördlich der Alpen aufs erste behaglich sein, doch» fragt sich Kathy Hänni, Biobäuerin in Kirchlindach bei Bern und Nationalratskandidatin der Grünen: «wie reagiert das Ökosystem auf die neuen Bedingungen? Bleiben Nützlinge und gefrässige Schädlinge im Gleichgewicht?» Für die biologische Landwirtschaft ist dies eine wichtige Bedingung. Die explosionsartige Verbreitung des Feuerbrandes an den Obstbäumen wird von Fachleuten auf den warmen Winter zurückgeführt.



...und nachher verschlammte, ausgetrocknete Böden.



Landwirtschaft in einer Klima-Doppelrolle
In Bezug auf das Klima ist die Landwirtschaft in einer Doppelrolle. Klimaschwankungen wirken sich auf Bodenbewirtschaftung und Pflanzenbau aus. Umgekehrt beeinflusst die Landwirtschaft Klimafaktoren. Boden und Ackerkulturen binden Kohlendioxid (CO2), das nicht in die Atmosphäre entweicht. Langjährige Versuche in der Schweiz zeigen, dass biologisch bewirtschaftete Böden einen höheren Humusgehalt aufweisen und mehr CO2 binden. Nutztiere hingegen setzen natürlicherweise über den Verdauungsprozess Treibhausgase, Methan und Ammoniak, frei. Der Stoffhaushalt einer Kuh kann aber durch die Fütterung beeinflusst werden. Raufutter, insbesondere Heu dämpft den Ausstoss von Gärgasen. An einer Forschungsanstalt wird mit natürlichen Zutaten experimentiert, um die Gärung in Wiederkäuermägen positiv zu beeinflussen. Ein weiterer Faktor in der Energie- und Ökobilanz der Landwirtschaft ist die Mechanisierung und Motorisierung: Traktoren sind Dieselfahrzeuge. Die PS-Leistung nimmt laufend zu und die serienmässige Ausrüstung mit Partikelfiltern beginnt erst. Mit der Vergrösserung der Betriebe liegen Hof und Felder weiter auseinander, die Transportdistanzen wachsen. Weniger augenfällig, aber ebenso klimarelevant sind chemische Pflanzenschutzmittel und Dünger, die auf Erdölbasis synthetisiert werden.
HK

FOTOS: RDB/SI/SEILER; RDB/ALEXANDER DIETZ; PHILIPP ROHNER

Mit Begeisterung in eine neue Welt «Biolandbau ist Klimaschutz!»