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Alarm: Zuviel Feinstaub ...

... liegt in der Luft

Die Gefahr von Feinstaub für den Menschen dringt ins Bewusstsein
der Öffentlichkeit. Die zunehmend hohen Feinstaub-Konzentrationen
in diesem Winter treffen uns unvorbereitet, auch die Landwirtschaft.

Die Meldungen in den Medien sind beunruhigend. Bei
Hochnebel erreichte die Feinstaubkonzentration im
schweizerischen Mittelland bis über 150 Mikrogramm
je Kubikmeter. Solche Werte liegen dreifach über dem
Toleranzwert. Bund und Kantone müssten dringend handeln,
denn der Auftrag aus dem Umweltschutzartikel in der Bundesverfassung
ist klar. Bundespräsident Moritz Leuenberger, als
UVEK-Vorsteher zuständig für die Luftreinhaltung, beschönigt
nichts. Doch mehr als den Alarm der Lufthygieniker an die Öffentlichkeit
und an die Politik weitergeben, kann oder will er nicht.
Erstens entscheiden die Kantone über Verkehrsbeschränkungen
als Sofortmassnahme. Und zweitens ist der Bundesrat mit der
Ausrüstungspflicht für Russpartikelfilter auf Dieselfahrzeugen
im Parlament letztes Jahr auf den politischen Beton der Bauunternehmer
aufgefahren. Nach Schätzungen soll die Land- und
Forstwirtschaft mit etwa einem Drittel am Austoss von Feinstaub
beteiligt sein. Ein hoher Anteil. Neben jährlich 1000 Tonnen
Russ aus Dieseltraktoren gelten auch aufgewirbelter Erdstaub
und Ammoniak-Gas aus Pflanzenbau und Tierhaltung als Quellen.
Russpartikel aus Verbrennungsmotoren und Heizungen – hier
beträgt der Anteil aus der Landwirtschaft etwa 7 Prozent – sind
besonders gefährlich, weil krebserregend. Auch die Landwirte
selbst sind betroffen. Ärztinnen und Ärzte zählen viele Landwirte
zu den Patienten mit Atemwegserkrankungen. Danielle
Lemann, engagierte Medizinerin in Langnau im Emmental, hat
die Kleinbauern-Vereinigung dringend aufgefordert, sich für
die Ausrüstung der Traktoren mit Filtern einzusetzen.

Traktorenhersteller noch wenig sensibilisiert
Wenn man die Landwirtschaft als Quelle von Feinstaub unter
die Lupe nimmt, gilt als erstes die Feststellung, dass nicht die
Bauern die Traktoren ausrüsten, sondern die Herstellerfirmen.
Der Wille zu mehr Umweltschutz muss zuerst also dort geweckt
werden. Auf der Homepage des Schweizerischen Verbandes
für Landtechnik (SVP-Nationalrat Max Binder ist Präsident)
sucht man das Wort Feinstaub erfolglos. Auch bei Fendt,
Steyr oder John Deere, um nur drei Traktorenmarken zu nennen,
ist Umweltschutz noch kein Verkaufsargument. Kunden
werden mit PS, Kabinenkomfort und Automatisierung geködert.
Löbliche Ausnahme bildet die Schweizer Firma Schiltrac,
die mit einer Werbe-Aktion auf den Feinstaub reagiert: Wer
jetzt einen Transporter kauft, bekommt ihn mit einem russpartikelfreien
Emmissionssystem ohne Aufpreis geliefert! Bei
so rarem Pioniergeist für den Schutz von Umwelt und Gesundheit
muss sich der Staat um den Feinstaub kümmern. Die Eidgenössische
Forschungsanstalt für Landtechnik stellt Versuche
mit Traktoren und Filtertypen an. Robert Kaufmann, Leiter
der Abteilung Agrartechnik, bestätigt die Wirksamkeit der auf
dem Markt erhältlichen Filter. Doch er weist darauf hin, dass
die Nachrüstung von 115’000 in Verkehr befindlichen Traktoren
technische Probleme aufgibt, die ganz unterschiedlich sind,
je nach Fahrzeug und Nutzung. Auch die Kosten schrecken ab:
Die aargauische Reha-Höhenklinik Barmelweid investierte in
ihren neuen Forsttraktor einen Zusatzpreis von 30 Prozent für
die Ausrüstung mit Partikelfilter.

Politischer Vorstoss für ein Aktionspaket
Um die Dinge ins Rollen zu bringen, ist jetzt die Politik am Zug:
Die Berner SP-Nationalrätin Ursula Wyss hat im letzten Sommer
eine Motion für ein Aktionspaket zur Eindämmung der Feinstaubbelastung
eingereicht. Darin ist auch die Landwirtschaft
als Zielgruppe einbezogen. Peter Bodenmann ehemals SPPräsident
und jetzt politisierender Hotelier in Brig, machte in
seiner wöchentlichen Blick-Kolumne einen interessanten Vorschlag:
Überzählige Mitarbeiter der halbstaatlichen Rüstungsfirma
RUAG sollten nicht vorzeitig in Pension geschickt, sondern
mit dem Einbau von Partikelfiltern in Traktoren beschäftigt
werden. Die Kleinbauern-Vereinigung unterstützt solche
guten Ideen. Jetzt müssen Taten folgen.
Herbert Karch

Werbung für weniger Feinstaub. Die Firma Schiltrac bietet neue Russfilterung ohne Aufpreis.

 
Das sagt die Bundesverfassung
Artikel 74 Umweltschutz:
Der Bund erlässt Vorschriften über den Schutz
des Menschen und seiner natürlichen Umwelt
vor schädlichen oder lästigen Einwirkungen.
Der Bund sorgt dafür, dass solche Einwirkungen
vermieden werden. Die Kosten der Vermeidung
und Beseitigung tragen die Verursacher.
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