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Kathy Hänni

Kathy Hänni

Was es mit der Disco im Kartoffellager auf sich hat, wohin das Schlüsselerlebnis im Kornspeicher führte und wie es um den «Pflanzblätz» voller Biogemüse bestellt ist – Biobäuerin und Politikerin Kathy Hänni erzählts im Porträt.

Wir treffen Kathy Hänni einen Tag vor ihrem 50. Geburtstag zu Hause auf dem Biohof Heimenhaus. Wie fühlt sich das Geburtstagskind in spe? «Super! Ich bin total aufgestellt!», sprudelt es aus ihr heraus. Gegenüber im Stöckli, dort, wo sonst die Kartoffeln lagern, wird eifrig gewerkelt. Ehemann Beat bereitet mit Mitarbeitenden die Geburtstagsparty vor. Disco im Kartoffellager ist angesagt.

Immer in Bewegung
Sie tanze gerne, sagt Kathy Hänni, sei überhaupt ein Bewegungsmensch. Nach der Lehrerinnenausbildung unterrichtete sie nicht nur im Schulzimmer, sondern trainierte Schülerinnen und Schüler auch im Skifahren und in der Leichtathletik. Daneben arbeitete die quirlige Tochter einer Dorflehrerin und eines Bauern in einem Jeans-Shop, servierte in einem Restaurant – und half auf dem elterlichen Landwirtschaftsbetrieb im bernischen Kirchlindach aus. «Ich bin die jüngste von vier Töchtern und passte schon damals nicht ins traditionelle Bauernbild mit Faltenjupe und Bürzi, wie wir den Haarknoten auf Berndeutsch nennen», berichtet sie lachend, sportliche Jeans und einen frechen Kurzhaarschnitt tragend.

Schlüsselerlebnis im Kornspeicher
Immer öfter arbeitete Kathy Hänni auf dem Hof mit, wo damals hauptsächlich Ackerbau und Milchwirtschaft betrieben wurde. Als sie den Maler und Gipser Beat kennen lernte, stand für beide schnell fest, dass sie gemeinsam etwas erschaffen wollten. «Zwei Dossiers trugen wir von der akademischen Berufsberatung nach Hause: Landwirt/in stand auf dem einen, Schriftenmaler/in auf dem anderen», berichtet Kathy Hänni. Ein Schlüsselerlebnis erleichterte dem Paar die Entscheidung: «Wir wohnten auf dem Hof im ehemaligen Kornspeicher, den wir zu einem Atelier umgebaut hatten. Eines Nachts klopfte ein Mitarbeiter meines Vaters an die Tür. Er hatte einen Unfall erlitten und bat uns, ihn bei der morgendlichen Arbeit im Stall zu vertreten.» Das war anfangs der 80er Jahre.

Direktvermarkterin der ersten Stunde
1990 konnten Kathy und Beat, mittlerweile verheiratet und Eltern von Anton und Olga, den Hof kaufen. Wichtigstes Standbein des 17-Hektaren-Betriebs mit zehn Mitarbeitenden ist heute der Anbau von Biogemüse, das Hännis an zwei Bio-Grossverteiler sowie Restaurants und Geschäfte liefern – und das sie mit eigenem, ausgeklügeltem Liefersystem direkt vermarkten. Wies geht, weiss Kathy Hänni als Direktvermarkterin der ersten Stunde aus eigener Erfahrung. «Schon früh hatte ich meinen eigenen ‘Pflanzblätz’ und verkaufte das Gemüse an einem Stand in Bern. Als ich schwanger war, gab ich das Marktfahren auf, doch die Kundinnen und Kunden lagen mir in den Ohren. Ihnen fehlte mein Gemüse», blickt sie zurück. Das war die Geburtsstunde des eigenen Direktlieferservices. An über 100 Adressen in der Stadt und auf dem Land wird alle zwei Wochen ausgeliefert. Doch es gibt auch Schattenseiten – grosse und kleine. 1996 zerstörte ein Brand die gesamte Existenz der Familie. Und bei ihren zahlreichen Engagements, ob als Berner Grossrätin oder als Präsidentin der Bio Suisse-Berufsbildungskommission, stösst Kathy Hänni mit ihren fortschrittlichen Ideen nicht immer auf Gegenliebe. Für sie allerdings nichts Neues: «Als wir 1987 auf Bioanbau umstellten, war diese Produktionsart schweizweit Neuland. Berufskollegen prognostizierten einen Misserfolg», verdeutlicht sie und blickt unternehmungslustig vorwärts: Der Ausbau des neu lancierten Q-Club (sprich: Kuh-Klub; ein Lieferservice mit auserlesenen Milchspezialitäten) steht an. Ein Glace-Lieferdienst ist in Planung und die Raumvermietung für Anlässe auf dem Hof will vorangetrieben werden.
Menta Scheiwiler

Hinter dem Ofen hervor ... Agrarpolitik