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Es lebe die Kuh !

PROJEKT «VIVA LA VACCA»

Voller Einsatz für «Viva la Vacca»: Bauer Roland Hugentobler mit Berna und Initiant Reinhold Zepf (v.l.n.r.).

Auch wenn sie es oft nur schwer zugeben mögen: Vielen Bauern bricht es fast das Herz, wenn sie eine altgediente Kuh aus wirtschaftlichen Gründen zum Schlachthof bringen müssen. Eine wertvolle Alternative ist das Projekt «Viva la Vacca», ein Altersheim für Kühe.

Übermütig tollen Viva und Vacca über Schnee und Stroh, vom einen Ende des Stalls zum anderen, hinaus in den Freilauf und wieder zurück. Hund Zorro springt den einmonatigen Kälbern munter hinterher – aber nicht lange. Die 14-jährige Mutterkuh Berna stellt sich dazwischen und bereitet dem Treiben ein Ende. «Sie hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt», berichtet Roland Hugentobler.

In Pension statt zum Metzger
Hugentobler ist einer von vier Bauern in der Region Thurgau- St. Gallen, die im Rahmen des Projekts «Viva la Vacca» («Es lebe die Kuh») 17 «pensionierten» Kühen eine Bleibe bieten; gesunden Kühen, zu denen Landwirte oder Menschen aus deren Umgebung eine besonders enge Beziehung aufgebaut haben, die aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf dem Hof behalten werden können und zum Schlachthof gebracht werden müssten. Initiant des 2002 ins Leben gerufenen Projekts «Viva la Vacca» ist Reinhold Zepf, Präsident des thurgauischen Tierschutzvereins Bischofszell-Weinfelden und Umgebung. Ins Rollen kam die einzigartige Aktion, nachdem ein Primarlehrer und seine Schulklasse beim Besuch auf einem Bauernhof mit der Kuh Kassja Freundschaft geschlossen hatten. «Als sie hörten, dass das Tier geschlachtet werden sollte, weil es die Kälber stets zu früh warf, kaufte der Lehrer die Kuh. Er bezahlte dem Bauern Unterhalt, damit Kassja auf dem Hof den Lebensabend verbringen konnte», verdeutlicht Reinhold Zepf. Nach kurzer Zeit jedoch benötigte der Bauer den Platz und der Lehrer bat den Tierschutzverein um Hilfe. Zepf, früher ein leidenschaftlicher Reiter, erinnerte sich an ein Altersheim für Pferde im Jura und machte sich auf die Suche nach Bauern, die altgedienten Kühen einen Altersheimplatz bieten.

Gegen Ablehnung gekämpft
Heute stösst das Projekt auf Interesse, der Anfang aber war schwer. «Ich war der Verzweiflung nahe», erinnert sich der Thurgauer Tierschützer. «Ich besuchte über 30 Bauern, bis sich einer bereit erklärte, eine Kuh aufzunehmen.» Vor allem bei den älteren Berufsleuten hätten die Alarmglocken geschrillt: Er habe das Misstrauen zu spüren bekommen gegenüber dem Tierschutz, der in den Augen vieler noch immer ausschliesslich Verhinderungspolitik betreibe. Er habe dafür Verständnis, sagt Zepf. «Viva la Vacca» hingegen sei ein Projekt, bei dem es nur Gewinner gebe. «Der Halter weiss die lieb gewonnene Kuh an einem guten Platz, der ihn nichts kostet. Der Bauer, der die Betreuung übernimmt, erhält pro Kuh 100 bis 200 Franken pro Monat. Finanziert wird das Projekt durch Teil- oder Vollpatenschaften und Spenden von Tierfreunden.» Roland Hugentobler gefiel die Idee. Der elterliche 19-Hektaren-Betrieb, den er in Ruedenwil mit Frau Daniela führt, war ursprünglich ein Milchwirtschaftsbetrieb. «Während 20 Jahren habe ich mit Kühen gearbeitet und die Tierart lieb gewonnen», berichtet Hugentobler. Aus wirtschaftlichen Gründen sattelte er vor fünf Jahren auf Pferde um; auch Gnadenbrot-Rosse leben im «Stall-Happy», der mit dem Spezialpreis des Thurgauischen Tierschutzverbandes für vorbildliche Tierhaltung ausgezeichnet worden ist.

Gefühl zeigen
«Durch die Teilnahme am Projekt ‘Viva la Vacca’ werde ich von den meisten Berufskollegen als Exot betrachtet», berichtet Hugentobler. Er sei aber überzeugt, dass ein Gesinnungswandel stattfinden werde. «Viele Bauern haben eine unrentable Kuh im Stall, und jeder Bauer hat eine Kuh, die er besonders mag. Dieses Gefühl darf und soll er auch offen zeigen.» Grosse Emotionen stecken auch hinter jeder Geschichte, mit der Reinhold Zepf in Berührung kommt. «Bei der 14-jährigen Kuh Berna waren es die Töchter eines schwer erkrankten aargauischen Bauernpaares, die um Hilfe baten», erzählt er. Berna war trächtig, das Altersheim für Kühe eigentlich nicht für Kälber gedacht. Die Überraschung war perfekt, als Berna auf Hugentoblers Hof nicht nur ein, sondern zwei Kälbchen zur Welt brachte: Viva und Vacca, die zwei jüngsten Sympathieträgerinnen des Projekts. Menta Scheiwiler
Weitere Informationen unter Tel. 071 648 15 33.

Im tiergerecht umgebauten Stall treffen sich
die Kühe gerne zu einem Stelldichein.
Gruppenbild
mit Damen:
Viva, Berna
und Vacca
(v.l.n.r.I.
 
Organisiert Goldsegen für Andeerer Bergkäse