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Jeder Tropfen ein Naturgenuss

PROJEKT «VIVA LA VACCA»

Vor ihrem Winzerhaus in den charakteristischen Gassen von Ligerz: Monika und Bruno Martin mit Tochter Leslie-Ann.

Zumindest einen Teil seines Geschicks für den Weinbau hat Winzermeister Bruno Martin in die Wiege gelegt bekommen. Im Gegensatz zu seinen Vorfahren produzieren er und seine Frau Monika jedoch nach kontrolliert biologischen Richtlinien. Rücksicht auf die Umwelt ist auf dem Betrieb in Ligerz aber nicht nur Produktions-, sondern auch Lebensphilosophie.

Zwei Berufsfischer und ein Geigenbauer zählen zu den nur gerade rund 550 Einwohnern einer der kleinsten Gemeinden des Kantons Bern: Ligerz, ein liebliches Dorf am linken Ufer des Bielersees und mitten in der deutsch-französischen Sprachgrenze zwischen Twann und La Neuveville gelegen. Die Hauptbeschäftigung der Ligerzer aber ist weder das Fische fangen noch das Geigen bauen, sondern – wie das Wappen unverkennbar zeigt – der Rebbau. Und dies seit Jahrhunderten: Aus Dokumenten geht hervor, dass die Hänge bereits im Jahr 1120 mit Reben bepflanzt waren, und am ehemaligen Sitz der Freiherren von Ligerz, im Rebbaumuseum «Hof», zeugen noch heute Werkzeuge, Flaschen und Geräte von der langen Tradition des Rebbaus in Ligerz. Alteingesessen ist auch der Betrieb an der Dorfgasse 63. In einem über 380-jährigen Winzerhaus produzieren, keltern und vermarkten Bruno Martin und seine Frau Monika in dritter Generation Wein. «Meine Grosseltern haben den Familienbetrieb mit Reben und Milchwirtschaft aufgebaut und ab dem Jahr 1958 als reinen Rebbaubetrieb mit Selbstkelterung geführt», erzählt Bruno Martin. 1982 übernahmen er und seine Frau den Betrieb und stellten vor zehn Jahren auf Bioproduktion um.

Konsequent ökologisch
Die Umstellung erfolgte aus tiefer Überzeugung, die weit über die Produktion von Biowein hinausgeht. «Die natürlichen Kreisläufe der Natur zu respektieren liegt uns ebenso am Herzen, wie die Pflege eines sozialen Familienbetriebes», sagt der vierfache Vater, der auf seinem Betrieb auch Weinbäuerinnen und -bauern ausbildet, und präzisiert: «Das Heu unserer extensiv bewirtschafteten Mähwiese fressen glückliche Bio-Kühe auf dem Twannberg. Das Holz aus unserem Wald reicht aus, um unser Haus zu beheizen, und die Energie für die Warmwasseraufbereitung liefert die eigene Solaranlage.»

Strenge Kontrollen
3,5 Hektaren umfasst das Rebland von Monika und Bruno Martin. Verarbeitet und vermarktet werden ausschliesslich Trauben und Weine aus eigenem Anbau, zum Beispiel weisse Weine wie der Ligerzer Chasselas, ein typischer Apérowein mit milder Note; der Ligerzer Regent, ein exzellenter Rotwein mit typisch südländischem Geschmack oder – für den Höhepunkt an jedem Fest – der Ligerzer Vin Mousseux aus den Sorten Chardonnay, Chasselas und Oeil de Perdrix. Die Biowein-Produktion ist aufwändig und erfordert viel Handarbeit. Strenge Abdriftkontrollen im Rebberg und das Separieren von verunreinigtem Traubengut sind nur zwei der Voraussetzungen, die erfüllt sein wollen. Kommt hinzu, dass das Betriebsleiterehepaar den Anbau von krankheitstoleranten Rebsorten fördert. Gelagert werden die feinen Tropfen nicht nur in einem Naturkeller, sondern noch dazu in Eichenfässern, die Bruno Martin als Winzermeister mit abgeschlossener Küferlehre selber herstellt. Damit die Weine mit der Bio Suisse-Knospe ausgezeichnet werden dürfen, wird der Betrieb mehrmals jährlich von dem unabhängigen Kontroll- und Zertifizierungsunternehmen Bio Inspecta überprüft.
Die Bioweine der Familie Martin sind beliebt, auch bei Weinfachmännern. Daniel Cortellini von Corti’s Schweizer Hausweine empfiehlt: «Wer jetzt den Chardonnay 2001 von Bruno Martin trinkt, gewahrt wie aus dem Nichts heraus eine wunderschöne Mango-Note. So kann Wein sich eben entwickeln!» Mit dem Genuss des Regent 2000 vom Winzerbetrieb Martin hingegen rät der Fachmann, noch zuzuwarten und den Wein weiter reifen zu lassen. Allerdings, so schreibt Cortellini in seinen Empfehlungen über Weine und ihre Trinkreife, allerdings könne er nur noch mutmassen, denn er habe die Flasche geleert. – Ein Umstand, welcher – da immerhin von einem Weinkenner herbeigeführt – der Qualität keineswegs abträglich sein dürfte. Ganz im Gegenteil.
Menta Scheiwiler

Apéro im Weinberg

Was kriecht und fliegt denn da im Rebberg? Was ist eine gesunde Bodenstruktur?
Wie verhält es sich mit dem Lebenszyklus der Weinrebe? Winzermeister Bruno Martin
beantwortet diese und weitere Fragen bei einem Rebenrundgang.
In den Genuss seiner fundierten Erfahrungen und Kenntnisse im Bioweinbau
kommen Gruppen im Rahmen von Familienfesten und Firmenausflügen,
aber auch interessierte Einzelpersonen. Angeboten werden ausserdem
Biowein-Degustationen, Ruderbootfahrten zur Sankt Peterinsel und Apéros im
Rebberg.

Weitere Infos unter:
Telefon 032 315 14 18,
www.biovin-martin.ch
oder
mb.martin@bluewin.ch
Monika Martin im Weinberg von Ligerz. Bruno Martin lagert seine feinen Tropfen in selbst gebauten Eichenfässern im Naturkeller.
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