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Jeder einzelne Tropfen Wasser zählt

Hofladen

Der Hofladen bietet echte Walliser Spezialitäten vor echtem Walliser Dorfbild.

Die Geschichte erzählt, dass vor langer Zeit das gesamte Wallis ein See war. Doch heute ist der Lötschberg-Südhang diejenige Schweizer Region, wo es am wenigsten regnet. Da heisst es, Sorge tragen zum Wasser, wie das Beispiel eines Bauernbetriebes in Ausserberg zeigt.

Wenn Orlando Schmid von seinem Biobetrieb ins Tal hinunter blickt, erinnert nichts mehr an den See, dessen Wellen vor Urzeiten hier ans Ufer schlugen. Schmid wohnt im Weiler Fischerbiel in Ausserberg an der Walliser Lötschberg-Südrampe, der heute niederschlagärmsten Region der Schweiz. Da ist jeder Tropfen Wasser wichtig – die mageren Wiesen sind schnell ausgetrocknet. Die karge Situation fordert ihren Tribut: Die meisten Haupterwerbsbauern im Dorf und in der Umgebung haben aufgegeben. Orlando Schmid ist der letzte Bewirtschafter in der Region, der aus Überzeugung grössere Flächen traditionell bewässert und die uralten Walliser Wasserleitungen – die Bissen – unterhält. «Dieses Bewässerungssystem ist der zentrale Bestandteil dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Was wir hier tun, ist für das Überleben in unserer Gegend sehr wichtig. Es ist keine nostalgische Angelegenheit, es ist ökologisch sinnvoll», sagt er. Die Matten werden extensiv genutzt und bieten den Kühen viel Raum zum Weiden. Diese Art von Weidehaltung schafft die unvergleichliche landschaftliche Stimmung, die die Schönheit der Südrampe ausmacht. Das Wasser in den Kanälen fliesst zu kleinen Sammelbecken, wo es in Leitungen steil hinunter zu den Berieselungsanlagen geführt wird. Durch das starke Gefälle erhält es einen Druck, der genügt, um einen Radius von dreissig Metern zu bewässern. Und das Ganze ohne elektrische Energie. «Wer hier oben die physikalischen Gesetze zu nutzen weiss, hat Vorteile», betont Orlando Schmid.

Ökologisches Tourismuskonzept
Doch allein die Nutzung der physikalischen Gesetze langt im kargen Berggebiet nicht. Die Böden sind zu trocken und die Hänge zu steil. Orlando Schmid hat deshalb zusammen mit seiner Frau Liliane ein eigenes, ökologisches Tourismuskonzept erarbeitet, das er auf seinem Hof, dem letzten verbliebenen Vollerwerbsbetrieb in Ausserberg, anwendet. «Wir sind überzeugt, dass man in diesen Gefilden nur mit qualitativ hoch stehenden Produkten und Spezialitäten überleben kann. Als Bauern sind wir nicht nur Produzenten, sondern wir versuchen auch, diesen Lebens- und Erholungsraum zu erhalten und zu pflegen», hält Orlando Schmid fest. Seit 2001 haben die Schmids in ihrem Haus, an dem der berühmte Südrampe-Wanderweg vorbeiführt, einen kleinen Hofladen eingerichtet, wo sie alle ihre Produkte anbieten. Aber nicht nur selber hergestellte Waren werden verkauft, auch Bioprodukte von anderen Betrieben finden den Weg in die Regale. So zum Beispiel Kräutermischungen, Käse, Wein, Bretzeli, Dörrfrüchte, Sirup, Schnaps und Liköre. Selber hergestellt werden Fleischwaren, die sogar in einem kleinen, metzgereiähnlichen Raum portioniert und abgepackt werden. Verschiedene Mischpakete mit Kalb-, Rind oder Schweinefleisch werden in fünf oder zehn Kilo schwere Portionen vakuumverpackt und per Express an die Kundschaft in der ganzen Schweiz verschickt. Art- und umweltgerecht produzieren und die Produkte direkt vermarkten, diese Idee und eine treue Kundschaft haben dem Biobetrieb an diesem trockenen Südhang die Existenz gesichert.

Einen lang gehegten Wunsch erfüllt
Doch damit nicht genug: «Ein lang gehegter Wunsch war es für uns auch, auf dem Hof Gäste bewirten zu können», sagt Orlando Schmid. Nur ein Tisch war ursprünglich vorgesehen, jetzt sind es zwei in zwei verschiedenen Räumen und mit dem entsprechenden Patent. Als Bauernfamilie sind Schmids durch die Arbeit auf dem Hof stark gebunden, deshalb ist die Hofbeiz nur auf Anmeldung hin für einen Brunch, einen «Zabund » oder für einen Aperitif geöffnet (Telefon 027 946 52 09). Zwischen urchigen Walliserstadeln und charakteristischen Steinplattendächern lässt es sich vorzüglich feiern.
Remi Buchschacher

Traditionsreiche Meisterwerke

Suonen bringen seit Jahrhunderten Wasser von den Bergen ins Tal.

Bio- Brunch

Auf Bestellung bieten Liliane und Orlando Schmid ihren Gästen Bio- Brunch oder «Zabund» nach Walliser Art.

«Zabund» nach Walliser Art

Auf der Suche nach glücklichen Hühnern Einblick in eine neue Welt