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Mittwoch, 20. Januar 2010 - 11:54 Uhr
Agro-Treibstoff-Raffinerien:Unternehmerisch, sozial und ökologisch fragwürdig
Die Kleinbauern-Vereinigung hat grosse Skepsis gegenüber den beiden Raffinerie-Projekten für Agro-Treibstoffe in Bad Zurzach und Delsberg. Die Projekte werden sowohl unternehmerisch wie auch ökologisch und sozial als äusserst fragwürdig beurteilt.
Die Kleinbauern-Vereinigung engagiert sich in der schweizerischen Plattform für ein Agrotreibstoff-Moratorium. Recherchen zu den beiden Raffinerie-Projekten in Bad Zurzach (AG) und in Delsberg (JU) haben ergeben, dass die Promotoren nicht genügend Vertrauenswürdigkeit bieten. Die Projekte sind unternehmerisch intransparent und es besteht keine Gewähr, dass ökologische und soziale Kriterien bei der Beschaffung der Rohstoffe eingehalten würden.
Unternehmerisch intransparent
Hinter beiden Raffinerie-Projekten für Agro-Treibstoffe stehen Unternehmen mit dem Ein-Mann-Verwaltungsrat und Finanzjuristen Martin Hütte. Wer die Investoren sind und woher das technische Know how generiert wird, bleibt völlig intransparent. Unbekannt sind auch die tatsächlichen Kapitalgeber. Ebenso undurchsichtig ist die Verantwortlichkeit für die Erfüllung ökologischer und sozialer Kriterien bei der Beschaffung der Rohstoffe.
Ökologische und soziale Kriterien für Agro-Rohstoffe
Die Promotoren der beiden Raffinerie-Projekte haben bei Anhörungen in den Parlamentskommissionen ihr ökologisches und soziales Verantwortungsbewusstsein hervorgestrichen. Denn es ist absehbar, dass National- und Ständerat neben den bestehenden Kriterien für den Erlass der Mineralölsteuer auch Bewilligungsanforderungen beschliessen. Wer in der Kette zwischen afrikanischen Jatropha-Pflanzern oder brasilianischen Zuckerrohrplantagen und der Raffinerie in der Schweiz die Einhaltung ökologischer und sozialer Kriterien zu verantworten hat ist alles andere als klar.
Moratorium gefordert
An den ökologischen und sozialen Kriterien entscheidet sich, ob die Treibstoffgewinnung aus Pflanzen ein akzeptabler Beitrag an die schweizerische Energiebeschaffung sein kann. Wenn als Folge aber die Abholzung von Regenwäldern, der massive Einsatz von Agrochemie, ausbeuterische Arbeitsbedingungen oder die Vertreibung von ansässigen Kleinbauern befürchtet werden muss, dann verdienen die Projekte keine Unterstützung.
Die Kleinbauern-Vereinigung engagiert sich im Rahmen der Plattform für ein Agrotreibstoff-Moratorium gegen die behördliche Importbewilligung von Rohstoffimporten für die geplanten Raffinerien.
Mittwoch, 20. Januar 2010 - 09:45 Uhr
Blauzungen-Impfung 2010: Kantone verursachen Kommunikationschaos
Die Kleinbauern-Vereinigung kritisiert den Vollzug der Blauzungen-Impfkampagne 2010 durch die kantonalen Veterinärbehörden. Durch einen Mangel an Koordination ist Kommunikationschaos über die Gesuche zur Befreiung von der Impfpflicht entstanden. Dem Bundesamt für Veterinärwesen BVET Unfähigkeit vor.
Die Kleinbauern-Vereinigung kritisiert am Vollzug der diesjährigen Blauzungen-Impfung insbesondere die unterschiedliche Praxis der Gesuche um Befreiung von der Impfpflicht:
- Formularvielfalt: Jeder Kanton kreiert sein eigenes Gesuchsformular. Die Informationen an die TierhalterInnen weichen voneinander ab, ebenso die Praxis der Bestätigung der Gesuchsbewilligung.
- Kommunikationsart: In einzelnen Kantonen werden die Gesuchsformulare per Papier an alle TierhalterInnen zugestellt, in den meisten, aber nicht allen auf Internet für den Download.
- Fristen: Der Kanton Luzern verkürzt die Einreichefrist für Gesuche auf den 25.Januar (in der Bundesamts-Verordnung ist der 12.Februar festgelegt). Zudem erfolgte der Versand im Kanton Luzern zu spät (ab 14.Januar mit B-Post).
- Gebühren: Die Gebühren für die Gesuchserledigung schwanken je nach Kanton zwischen 30 und 120 Franken. Die Kosten sind auch ungenügend publiziert.
Freiwilligkeit ab 2011
Die Kleinbauern-Vereinigung macht das BVET mitverantwortlich für das Kommunikationschaos. Kleinbauern-Vereinigung und Bio Suisse hatten an einer vorbereitenden Sitzung auf ein schweizweit einheitliches Gesuchsformular und eine Aufschaltung auf der BVET-Internetseite und eine aktive Kommunikation gefordert.
Der missglückte Start in die Blauzungen-Impfkampagne 2010 zeigt für die Kleinbauern-Vereinigung, dass die Tierseuchen-Prävention reformbedürftig ist. Die Kleinbauern-Vereinigung bleibt bei ihrer Forderung nach Freiwilligkeit für die Impfung gegen die Blauzungen-Krankheit bei Rindern und Schafen. Die Krankheit hat sich - ähnlich wie bei der Schweinegrippe beim Menschen - als weniger bedrohlich erwiesen als von den Experten zuerst befürchtet. Die Tierhalter sollen in eigener Verantwortung entscheiden, ob ihre Tiere geimpft werden oder ob der Schutz über natürliche Immunisierung angestrebt wird.
Montag, 16. November 2009 - 18:39 Uhr
Beunruhigend: Mehr Antibiotika in der Tiermedizin
Die Kleinbauern-Vereinigung zeigt sich beunruhigt über steigende Verbrauchszahlen von Antibiotika in der Tiermedizin. In 2008 wurden insgesamt 73'252 kg Antibiotika für die Veterinärmedizin in Verkehr gebracht. Seit 2005 hat die jährlich in Verkehr gebrachte Menge um insgesamt 6,8 Prozent (+ 4'696 kg) zugenommen.
In der Schweiz setzt sich der Trend zu mehr Antibiotika-Einsatz in der Tiermedizin fort. Die Statistiken nennen keine Zahlen darüber, wie hoch der Anteil der angewendeten Antibiotika für landwirtschaftliche Nutztiere ist. Nach Schätzungen liegt der Anteil bei etwa drei Viertel. Hauptanwendungen sind die Behandlung von akuten Entzündungen, insbesondere bei Milchkühen am Euter. Die Euter werden zudem am Ende der Laktation häufig mit Hlfe von Antibiotika trockengestellt.
Nach Angaben des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic werden auch vermehrt moderne Wirkstoffe eingesetzt, die in der Humanmedizin als so genannte Reserveantibiotika gelten. Diese werden bei Menschen vor allem dann eingesetzt, wenn herkömmliche Wirkstoffe nicht wirksam sind oder sich Resistenzen gebildet haben.
Auch Homöopathie nimmt zu
Einziger Lichtblick ist, dass es neben dem Medikamenteneinsatz auch einen zunehmenden Trend zu Homöopathie im Stall gibt. Immer mehr Schweizer Landwirte besuchen Einführungskurse für Homöopathie bei Nutztieren. Die Liste der Tierärzte, die Homöopathie anbieten, wird stetig länger.
Euterkrankheiten sind auch im Biolandbau ein Thema: In einem Forschungsprojekt des FiBL auf 100 Milchvieh-Betrieben wurde mit Mitteln des Coop Naturaplan-Fonds ein alternatives, tierethisch und ökologisch vertretbares Vorgehen entwickelt und zur Praxisreife gebracht. Das vorliegende Merkblatt enthält Empfehlungen zu einer schrittweisen, biokonformem Sanierung von Eutererkrankungen beim Milchvieh und zeigt auf, wie bei einem weitestgehenden Verzicht auf Antibiotika die Eutergesundheit langfristig erhalten werden kann.
Liste der Veterinäre mit Homöopathie nach Kantonen unter http://www.stvah.ch/ge/index.html
FiBL-Merkblatt zu Eutergesundheit: https://www.fibl-shop.org/shop/artikel/mb-1384-eutergesundheit.html
Freitag, 6. November 2009 - 11:32 Uhr
Kleinbauern-Vereinigung unterstützt Qualitätsoffensive des Bundes
Die Kleinbauern-Vereinigung unterstützt das Bundesamt für Landwirtschaft in der Offensive für eine Qualitätsführerschaft für die Schweizer Ernährungswirtschaft. Die Offensive öffnet dem Ernährungssektor einen Weg zu positiver Entwicklung. Die Landwirtschaft findet eine Perspektive. Der Untergang der Landwirtschaft verliert ab sofort den Status als „staatlich anerkanntes Zukunftsszenario“.
Die Kleinbauern-Vereinigung hat als Mitgliedorganisationen der Agrarallianz ihre bisher offene Haltung zu Verhandlungen über ein Agrarfreihandelsabkommen mit der EU an die Bedingung geknüpft, dass der Agrarsektor die Herausforderung mit einer Qualitätsstrategie bewältigt. Die Landwirtschaft darf nicht geopfert werden. Die Agrarallianz formulierte bereits im Oktober 2008 die Eckwerte einer Qualitätsstrategie*. Dies als Gegenmodell zum düsteren Schrumpf-Szenario der Agrarwirtschaft mit der Halbierung des heutigen Sektoreinkommens.
Die Agrarallianz wertet die Qualitätsoffensive des BLW als Abkehr von einer statisch-ökonomischen Zukunftsbetrachtung. Die Agrarallianz bietet dem BLW die Mitarbeit bei der Konkretisierung der Qualitätsstrategie an. Die Kleinbauern-Vereinigung ist zur aktiven Mitarbeit bereit.
Das BLW richtet den Fokus für eine Qualitätsoffensive richtigerweise auf das optimale Funktionieren der Land- und Ernährungswirtschaft. Die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette muss dem Namen gerecht werden. Qualitätsführerschaft und Qualitätspartnerschaft können eine Marktoffensive auslösen.
Für die Agrarallianz bietet eine ethisch vorbildliche, faire Schweizer Lebensmittelwirtschaft unabhängig von den Verhandlungen über den Agrarfreihandel mit der EU hoffnungsvolle Perspektiven. Die Schweizer Landwirtschaft erhält die Chance, sich als Marktpartner so vorteilhaft
zu positionieren wie dies im agrarpolitischen Bereich als Trägerin wichtiger gesellschaftlicher Aufgaben gelang. Das Ziel der Qualitätsstrategie ist, dass die Schweizer Landwirtschaftsprodukte bei Handel und Konsumenten eine so hohe Akzeptanz erreichen, wie die Direktzahlungen in der Bevölkerung.
Mittwoch, 1. Juli 2009 - 16:36 Uhr
Verlängerung des Gentech-Moratoriums auf bestem Weg
Die Kleinbauern-Vereinigung begrüsst den Beschluss der Ständeratskommission, dem Bundesrat zu folgen und das Gentech-Moratorium um drei Jahre zu verlängern. Das seit 2005 geltende Moratorium bewährt sich. Für die Schweizer Landwirtschaft bietet es grosse Vorteile.
Die Kleinbauern hatte positiv Stellung zur Botschaft des Bundesrates genommen. Zwar hat die Organisation in der Vernehmlassung eine fünfjährige Moratoriumsverlängerung verlangt. Doch eine dreijährige Verlängerung kann als Kompromiss akzeptiert werden.
Für die Landwirtschaft gibt es gute Gründe, welche die Verlängerung des Gentech-Moratoriums rechtfertigen:
- Das Anbau-Moratorium für gentechnisch veränderte Pflanzen bewährt sich: Für die Schweizer Landwirtschaft ist der landesweite Verzicht auf genmanipulierte Pflanzen ein immenser Marketingvorteil und erspart den Bauern juristische Auseinandersetzungen über Koexistenz und Feldabstände.
- Der Lebensmittelmarkt ist gentechfrei: Die Konsumentinnen und Konsumenten sind dankbar, dass sie auf den Lebensmitteln nicht nach kleingedruckten Gentech-Deklarationen suchen müssen.
- Dem Lebensmittelhandel bleiben Kosten erspart: Lebensmittelhersteller und -verteiler müssen keine teure Zusatz-Logistik für gentechnisch veränderte Erzeugnisse einrichten.
Den Forschenden im Agrarsektor empfiehlt die Kleinbauern-Vereinigung die Verlängerung zu akzeptieren. Die Forschungsprojekte des NFP59 können zu Ende geführt werden. Vielleicht wächst bis 2013 die Erkenntnis, dass die Schweiz mit gentechnikfreier Pflanzenzüchtung am Weltmarkt mehr zu bieten hat.
Schweiz keine gentechnikfreie Insel in Europa
Das Moratorium über den kommerziellen Anbau von Gentech-Pflanzen passt in die europäische Situation. Ein Bericht der SAG (Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie zeigt, dass die Schweiz mit einer Verlängerung des Moratoriums ihre Funktion als Leuchtturm für die wachsende Bewegung der gentechnikfreien Regionen Europas fortführt. In unseren Nachbarländern werden keine Gentech-Kulturen angebaut. Das schweizerische Moratorium schafft keine politische Insel-Situation. Der Bericht (PDF, farbig, 8 Seiten) kann über 031 312 64 00 oder vkmb@bluewin.ch bestellt werden.


